Diskussion in Nachrodt

Lüftungsanlagen für Schulen: Nicht alle wollen sie

Die Samtgemeinde lässt in diesen Wochen prüfen, ob die Schulen nicht besser mit solch fest installierten Lüftungsanlagen ausgestattet werden sollten. Das hätte dank Wärmerückgewinnung auch energetische Vorteile.
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Über Lüftungsanlagen für Nachrodts Schulen haben die Politiker kontrovers diskutiert.

Sinnvoll oder laut und überholt? Beim Thema Lüftungsanlagen für Schulen sind sich die Politiker in Nachrodt nicht einig.

Nachrodt-Wiblingwerde – So langsam wird es frisch. Wenn die Fenster sperrangelweit geöffnet sind, müssen sich die Schüler warm anziehen, um nicht mit Gänsehaut dem Unterricht folgen zu müssen. „Doch sollten nicht Lüftungsanlagen in den Schulen eingebaut werden?“, fragte Sonja Hammerschmidt, Vorsitzende der UWG, im Schulausschuss nach.

Experten der Firma Kogmann und Schüssler aus Recklinghausen waren im August in der Gemeinde und forschten sowohl an den Grundschulstandorten Nachrodt und Wiblingwerde als auch in der Sekundarschule nach Möglichkeiten für eine Lüftungstechnik. „Es fehlen noch Zahlen der Sekundarschule. Was muss installiert werden, wenn eine Zahl x Kinder in einem Klassenraum ist“, so Kämmerin Gabriele Balzukat im Schulausschuss. Wenn die Ergebnisse vorliegen, werden sie der Politik vorgestellt.

Schulleiter sehen keinen dringenden Handlungsbedarf

Es ist nicht so, dass die Schulleiterinnen auf die Tube drücken und dringend Handlungsbedarf sehen. „Wir haben so tolle Möglichkeiten zum Lüften“, meinte Anne Rohde, Leiterin der Sekundarschule. Tatsächlich gibt es sogar Fördermittel in Höhe von 90,4 Millionen Euro – betitelt als Lüftungsprogramm II in Nordrhein-Westfalen.

Das Problem: Förderfähig sind ausschließlich Geräte oder Maßnahmen in Räumen der sogenannten Kategorie 2. Das sind Räume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit, die keine raumlufttechnische Anlage besitzen oder in denen die Fenster nur kippbar sind oder in denen es nur Lüftungsklappen mit minimalem Querschnitt gibt.

„Brummende Kisten im Klassenzimmer“?

All das gibt es in Nachrodt-Wiblingwerde nicht, allerorts können die Fenster weit geöffnet werden. Die Kosten für Lüftungsanlagen müsste sich also höchstwahrscheinlich die Gemeinde selbst ans Bein binden. Und so heißt die Marschrichtung zunächst weiterhin: Lüften.

Was bei Temperaturen von zehn Grad minus allerdings ein echtes Problem werden wird, wie Christian Pohlmann (SPD) findet. Doch selbst wenn es ein Konzept gibt, sprechen Argumente auch gegen Lüftungsanlagen, die im Schulausschuss von Matthias Lohmann vorgetragen wurden. Schulen, die mittlerweile ausgestattet seien, würden von „brummenden Kisten im Klassenraum“ berichten.

Lohmann: Lüften und Impfen besser als Filter

„Und ich kenne keinen Fall, bei dem sich Corona in einem Klassenraum wirklich verbreitet hat“, so der Leiter des Berufskollegs für Technik (BKT). „Wir haben viele Strohhalme, mit denen wir glaubten, Corona in den Griff zu bekommen. Aber die Lüftungsanlagen halte ich für überholt“, so Matthias Lohmann, der das Lüften und das Impfen als weitaus besseren Weg bezeichnet, als landesweit viele Millionen Euro in Anlagen zu investieren. Er empfiehlt zudem Testungen auch für Geimpfte, die auch das Virus übertragen können.

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