"I love to help"

Flüchtling aus Biafra absolviert Praktikum im Pertheshaus

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Marcello – mit Grazyna Kowalski und einem Bewohner – freut sich über das Praktikum.

Nachrodt-Wiblingwerde - Wenn jeder dem anderen helfen würde, wäre allen geholfen. Einer, der jetzt ältere Menschen von Herzen unterstützt, selbst aber noch in der Luft hängt, ist Marcello Mmeremikwu. Am Freitag ist sein fünfter Tag im Pertheshaus. 

"I love to help“, sagt der junge Mann, der vor zwei Jahren als Flüchtling nach Nachrodt-Wiblingwerde gekommen ist. 

Er arbeitet im Wohnbereich „Unter den Linden“, darf dort ein sechswöchiges Praktikum absolvieren. Das Arbeitsamt unterstützt die Maßnahme. „Jeder sollte eine Chance bekommen, sich weiterzuentwickeln“, sagt Grazyna Kowalski. Für die Pflegedienstleiterin im Pertheshaus als auch für Einrichtungsleitung Christa van der Beck war es fast selbstverständlich, Marcello eine Chance zu geben. Die möchte er gerne nutzen, möchte Erfahrungen sammeln und schauen, ob die Arbeit in der Pflege das Richtige für ihn sein könnte. 

Nach vorne schauen. Das ist für Marcello wichtig. Im Sommer erreichte ihn die Hiobsbotschaft, dass sein Antrag auf Asylanerkennung abgelehnt wurde. Mit Hilfe von Sonja Hammerschmidt und der Kanzlei Betten, Baehrens und Petereit aus Iserlohn legte Marcello Widerspruch beim Verwaltungsgericht ein. Das Verfahren ist aktuell offen, kann sich vielleicht sogar noch ein ganzes Jahr hinziehen. Bis dahin hat Marcello eine Duldung in Deutschland, die sich alle drei Monate verlängert. Marcello kommt nach seinem Verständnis aus Biafra, nicht aus Nigeria. 

Völkermord und außergerichtliche Tötungen in der Biafraner in Nigeria

Wie die Organisation „Indigenous People of Biafra“ bestätigt, gibt es Völkermord, außergerichtliche Tötungen und illegale Verhaftungen der Biafraner in Nigeria. „Und wenn man als Aktivist identifiziert wird oder im Besitz von biafranischen Fahnen ist oder gar Veranstaltungen organisiert, wird man einfach hingerichtet.“ Was in dem jungen Mann vorgeht, zeigt er kaum. Er lächelt auf der Station der Pflegeeinrichtung den älteren Herrschaften zu, bekommt ein Lächeln zurück. 

„Wir haben ihm natürlich eine Begleitung zur Seite gestellt und er hat angefangen, mit in der Pflege zu arbeiten“, sagt Grazyna Kowalski und freut sich über die „nette Ausstrahlung“ des neuen Praktikanten. „Auch von den Bewohnern ist er gut aufgenommen worden. Sie mögen ihn“, sagt die Pflegedienstleitung. Und so ist es eine Zeit zum Durchatmen, um Neues kennenzulernen und natürlich auch, um die deutsche Sprache mehr und mehr zu können. 

Zweiter Integrationskurs in Iserlohn 

Seinen ersten Integrationskurs hat Marcello abgeschlossen, jetzt läuft ein zweiter Kurs in Iserlohn, den Marcello nachmittags besucht. Allerdings machen ihm die Kosten für die Fahrkarte zu schaffen. „Wenn man 350 Euro Grundsicherung bekommt, überlegt man dreimal, ob man sich das leisten kann“, sagt Sonja Hammerschmidt über das Hin- und Hergerissensein ihres Schützlinges. Wie es nach den sechs Wochen weitergeht, steht indes noch nicht fest. 

„Vielleicht bestehen dann Möglichkeiten, weiterzumachen“, sagt Sonja Hammerschmidt. Gerade im pflegerischen Bereich werden auch händeringend Männer gesucht. Nach den ersten Tagen ist Marcello auf jeden Fall sehr angetan und den Menschen zugewandt. 

Übrigens: Das Pertheshaus sucht dringend ehrenamtliche Mitarbeiter – besonders für die Cafeteria Sonntagnachmittags. Wer Interesse hat, kann sich unter Telefon 02352/92690 bei Christa van der Beck oder unter 02352/540390 bei Grazyna Kowalski melden.

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