Liebevolles Schrauben an der Knutschkugel

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Helga Woitkowski hat die Sitze der Isetta mit neuem Stoff bezogen, Ehemann Ulrich ist mit dem Ergebnis zufrieden.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Der Tag, an dem Ulrich Woitkowski vom Telegraph nahe Veserde nicht „schrauben“ und kann, ist nicht sein Tag. Und jeder Tag, an dem Ehefrau Helga in nicht unterstützen kann – insbesondere mit einer Nagelschere –, ist auch nicht ihr Tag. Denn beide teilen seit Jahrzehnten eine Leidenschaft, und die hat einen Namen: Isetta.

Dieser kleine, von der Firma BMW in Lizenz hergestellte Kabinenroller prägte die 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Doch die Geschichte der Woitkowskis begann rund 30 Jahre später, im Jahr 1987. Sie besuchten damals eine Motorradschau in Dortmund, und dort wurde eine Isetta ausgestellt. Ulrich und Helga nahmen Platz in dem kleinen Auto, nur so zum Spaß. Doch das kleine Auto, im Volksmund auch Knutschkugel genannt, schlich sich sofort in ihr Herz und hat es bis heute nicht verlassen. Die Woitkowski wussten, dass man ein solches Fahrzeug nicht mehr kaufen konnte, weil die Produktion schon Jahrzehnte zuvor eingestellt worden war. Ihnen war klar, dass man nur ein Fahrzeug erwerben konnte, das man dann in mühsamer Kleinarbeit wieder aufbauen musste. Doch das Vorhaben musste sich in einem finanziellen Rahmen bewegen.

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„Ich habe damals für – glaube ich – 2200 Mark meine erste Isetta gekauft“, erinnert sich Ulrich Woitkowski. „Was wir da bekamen“, ergänzt Ehefrau Helga, „kann man eigentlich nur als Edelschrott bezeichnen.“ In ihrer Garage standen der Rahmen und die Karosserie einer Isetta. Sie war einschließlich des Motors und des Getriebes komplett in alle Einzelteile zerlegt. Nun ist Ulrich Woitkowski im „Schrauben“ nicht ganz ungeschickt. Zusammen mit seiner Ehefrau Helga gelang es ihm, das kleine Auto innerhalb eines halben Jahres nicht nur fahrbereit zu machen. Auch die Lackierung stimmte. Während sich Ulrich Woitkowski um den technischen Aufbau kümmerte, zeichnete Helga Woitkowski für den Wiederaufbau des Innenraumes verantwortlich. Die Seitenverkleidungen, insbesondere aber die Sitze, hat sie komplett überarbeitet und neu bezogen. Die Stoffe dafür nähte sie von Hand zu. Ulrich Woitkowski reinigte in der Zwischenzeit sämtliche Motor- und Getriebeteile. Dann wurden Motor und Getriebe wieder zusammengesetzt. Und hier kommt die Nagelschere in's Spiel: Weil die damaligen Motoren noch nicht über Dichtungen aus Kunststoff, sondern vielmehr aus einer speziellen, widerstandsfähigen Pappe verfügten, musste Helga Woitkowski, sie mit der Nagelschere auszuschneiden.

Helga und Ulrich Woitkowski kennen ihre Isettas von innen und außen. 

Beide haben in den letzten zwei Jahrzehnten schon unzählige Isettas wieder aufgebaut. Derzeit beschäftigen sie sich allerdings mit einem BMW 600, einer „großen“ Isetta. Sie bietet im Gegensatz zum Original vier Personen Platz. Und natürlich waren sie mit diesem Fahrzeug schon unterwegs. Doch nach jeder Ausfahrt wird die „600er“ auf Herz und Nieren geprüft. „Wir wollen ja schließlich lange etwas von ihr haben“, sagt das Ehepaar unisono. Und eines ist jetzt schon klar. Das ist nicht das letzte Fahrzeug, dass unter ihren Händen zu neuem Leben erwacht. Vielmehr liebäugeln beide schon mit dem nächsten Objekt – natürlich wieder eine Isetta. Und die wird nach der „Spezialbehandlung“ durch die Woitkowskis einen höheren Qualitätsstandard haben, als das Original. ▪ hb

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