Büchereinutzer akzeptieren die Jahresgebühr

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Der Leserausweis, den Gabriele Beil hier präsentiert, verschafft den Inhabern Zutritt zu zwei Büchereien.

Nachrodt-Wiblingwerde - Ein Jahr der digitalen Medienerfassung liegt hinter Gabriele Beil. Viel Zeit hat die Leiterin der Gemeindebücherei darin investiert, Bücher zu erfassen, mit Strichcodes zu versehen und in das Bibliotheksprogramm am Computer einzupflegen. Damit hat sie die Kooperation mit der Stadtbücherei Altena gut vorbereitet. Auch für die Leser ändert sich mit der Abschaffung der Stempelkarte viel.

Eine Jahresgebühr von 24 Euro ist seit dem 1. Januar 2015 zu entrichten. „Die meisten Leser haben sich für die Einzugsermächtigung entschieden“, erklärt Gabriele Beil. „Damit kann man vier Euro sparen.“ Zähneknirschend hat diese Neuerung bislang kaum ein Nutzer wahrgenommen. Die Leser wissen: Nur als Zweigstelle der Stadtbücherei Altena hat die Gemeindebücherei Nachrodt eine Zukunft. Außerdem kann Gabriele Beil mit einigen Vorteilen punkten, die sie ihren treuen Lesern darlegt: Der neue Leseausweis ermöglicht den Zugriff auf den neuen Medienkatalog, der mit der digitalen Erfassung der Bücher, Zeitschriften und Hörbücher angelegt wurde. Von zuhause aus können Literaturfreunde sich mit ihrem Leseausweis auf www.bue-cherei-nawi.de einloggen und im gesamten Sortiment stöbern. Die jüngsten Ausleihen werden angezeigt. Und auch, ob ein Buch derzeit verfügbar oder ausgeliehen ist. Dann kann man es online vorreservieren – und auf gleichem Wege auch ein bereits ausgeliehenes Buch um eine Woche verlängern. Nutzer, die von einem Buch oder mehreren literarischen Werken schwer begeistert sind, können eine Literaturliste anlegen und diese auf Wunsch auch öffentlich machen. Zur allgemeinen Orientierung enthält der Online-Katalog auch sämtliche Cover und kurze Inhaltsangaben.

Antonius Gusik, Leiter der Altenaer Stadtbücherei, hat den Umstellungsprozess begleitet. Mit „Koha“ hat er ein freies Bibliothekssystem für die Gemeindebücherei gefunden, von dem er sehr angetan ist. Entwickelt wurde es in Skandinavien. „Das ist unheimlich praktisch und immer auf dem neusten Stand“ lobt er die Freeware.

Mit dem neuen Bibliotheksausweis im Scheckkartenformat haben die Nachrodt-Wiblingwerder Leser nun auch Zugang zur Onleihe Hellweg-Sauerland. Zahlreiche Medien können über E-Book-Reader, Smartphone oder den Computer darüber gratis online ausgeliehen werden. Zudem gibt’s Zugriff auf das Gutenberg-Projekt, das zahlreiche Literaturklassiker gratis zum Download zur Verfügung stellt. „Das sind Bücher, deren Autoren bereits so lange verstorben sind, dass keine Urheberrechte mehr gelten“, erklärt Antonius Gusik.

Offiziell steht er der Gemeindebücherei nun als Diplom-Bibliothekar vor, was für die Nachrodter Bücherei den Vorteil hat, dass er für die Zweigstelle nun Landesfördermittel beantragen darf. Die Leserausweise für Altenaer und Nachrodt-Wiblingwerder Kunden sind in beiden Büchereien gültig. Weil Gabriele Beil nun freitags für jeweils zwei Stunden in Altena tätig ist, kann sie Medien aus der dortigen Bücherei für Nachrodter Leser mitbringen. Um zu sehen, welches Angebot in Altena vorliegt, können Büchereinutzer aus der Doppelgemeinde auch auf den Altenaer Online-Katalog auf www.stadtbuecherei.de zurückgreifen. Auch die Rückgabe einzelner Altenaer Medien kann über Gabtiele Beil erfolgen. Sollte eine große interkommunale Ausleihwelle kommen, wollen Antonius Gusik und Gabriele Beil einen Bücherfahrdienst installieren. Bis dahin funktioniert das büchereiübergreifende Ausleihverfahren auf kurzem Dienstweg in Gabriele Beils Privatfahrzeug.

Die Dienstzeiten, die Gabriele Beil in Altena hat, werden allerdings in Nachrodt abgezogen: Der Mittwochnachmittag ist aus den Nachrodter Öffnungszeiten gestrichen worden. Mit dem Einsatz in Altena hat Gabriele Beil etwas bekommen, das sie jahrelang nicht hatte: Arbeitskollegen. Antonius Gusik hat seine Nachrodter Kollegin umgekehrt auch oft besucht. Zwei Stunden pro Woche stehen ihm für die Betreuung Nachrodter Bibliotheksangelegenheiten zur Verfügung – ohne, dass er dafür in Nachrodt präsent sein muss.

„Vieles klappt mittlerweile über Telefon und E-Mail“, schildert das Team seine Erfahrungen. Die Kooperation empfinden Gabriele Beil und Antonius Gusik als Gewinn: „Die Bücherei Nachrodt hat eine Zukunft. Und es könnten sich auch neue Möglichkeiten ergeben für beide Standorte, wenn die Leser entdecken, was diese Büchereien alles bieten können.“ - Ina Hornemann

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