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Lennehalle: Möglicher Abriss und kleinerer Bau für Politik keine Option

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Würde eine Sanierung der Lennehalle Millionen verschlingen? Die Zahlen liegen noch nicht auf dem Tisch.
Würde eine Sanierung der Lennehalle Millionen verschlingen? Die Zahlen liegen noch nicht auf dem Tisch. © Fischer-Bolz, Susanne

Die „nackten Zahlen“ liegen noch nicht vor. Was würde eine Sanierung der Lennehalle kosten? Ist es so viel, dass sie tatsächlich abgerissen werden muss, was derzeit allerorts gemunkelt wird? Was genau liegt im Argen? Die Politik rauft sich die Haare, zeigt sich aber kämpferisch.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Fraktionsvorsitzenden von CDU, UWG und SPD schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Sie sorgen sich um das, was gerade auf sie zurollt. Aber sie zeigen sich auch kämpferisch. „Man kann den Bürgern nicht zumuten, auf noch mehr verzichten zu müssen“, sagt Jens-Philipp Olschewski, Fraktionsvorsitzender der CDU. Nachrodt ohne Lennehalle – undenkbar. Auch die Idee, wenn ein Abriss unumgänglich sein sollte, eine kleinere Halle zu bauen, stößt nicht auf Begeisterung: „Wer klein denkt, kann nicht groß werden“, findet Gerd Schröder. Fraktionsvorsitzender der SPD.

Nutzung nur bis Oktober

Fakt ist: Die Lennehalle wurde provisorisch ertüchtigt, wie es so schön heißt. Doch es wurden bei einer Bauwerksüberprüfung weitere Baumängel festgestellt. Welche, das erfahren die Mitglieder des Planungs- und Bauausschusses wahrscheinlich am Montag, 22 August. Die Sitzung ist öffentlich und beginnt um 17 Uhr in der Sekundarschule. Wie das AK erfuhr, sollen auch die Mitglieder des Sportausschusses zur Sitzung kommen. „Die Lennehalle kann zunächst bis Oktober genutzt werden, vor dem nächsten Schnee müssen aber weitere Maßnahmen ergriffen werden“, heißt es unter „Bericht über den aktuellen Sachstand laufender Baumaßnahmen“ in einer Vorlage.

„Die reißen hier alles ab“

„Wir hoffen, dass wir im Bauausschuss Zahlen auf den Tisch bekommen“, sagt Petra Triches, Fraktionssprecherin der UWG, und ergänzt: „Es ist zum Haare raufen. Keine Baustelle ist fertig und immer kommen neue dazu. Man weiß kaum noch, was man dazu sagen soll.“ Angenommen, die Sanierungskosten würden mehrere Millionen verschlingen, „dann muss alles neu überlegt werden. Wir wissen im Moment gar nichts. Wenn wir Millionen in eine Sanierung stecken müssten, dann wäre das aus meiner Sicht nicht richtig“, meint Petra Triches. Die Sportler würden auch den Boden in der Lennehalle nicht mögen. Gegenübergestellt würden nun Sanierungs- und Neubaukosten. Allerdings, so findet Petra Triches, gibt es nicht nur in Nachrodt-Wiblingwerde ein Bau-Drama nach dem Nächsten, „man muss nur in die Nachbarstädte gucken, da sieht es nicht besser aus. Das kriegt man nur nicht mit. In Altena, habe ich mal gehört, läuft das Wasser die Wände runter im Rathaus. Hätte man aufgrund des Feuerwehr-Neubaus keine Untersuchungen in der Lennehalle durchgeführt, wäre es gar nicht aufgefallen. Gut, dass wir es gemacht haben“, findet die UWG-Sprecherin. Alle Kommunen hätten in der Vergangenheit nur gespart und nicht die nötigen Sanierungen durchgeführt. „Wenn man ein Privathaus hat, muss man auch gucken, dass alles in Ordnung bleibt“, so Petra Triches, die findet, dass sie und ihre Mitstreiter sich wohl die schwierigste Zeit ausgesucht haben, in die Kommunalpolitik zu gehen. „Die reißen hier alles ab“ – das ist tatsächlich die vorherrschende Meinung in der Bevölkerung.

„Irgendwann fällt einem alles auf die Füße“

„Wir haben in Nachrodt viele Gebäude, die in den 60er- und 70er-Jahren entweder gebaut oder grundlegend saniert wurden. Das sind auch das Gartenhallenbad, die Turnhalle, die Sekundarschule. Wenn man jahrelang nicht investiert, dann fällt einem irgendwann alles auf die Füße. Das ist die Situation, in der wir uns befinden“, sagt Gerd Schröder. Die zehn Jahre Stärkungspakt seien zwar hilfreich gewesen, aber auch kontraproduktiv, weil man keine freiwilligen Sanierungsaufgaben hätte über nehmen können, geschweige denn Investitionen. „Da ist zehn Jahre nichts möglich gewesen. Und davor hatten wir die Stahl- und Finanzkrise. Im Grunde sprechen wir von 15 Jahren, in denen keine Sanierungsarbeiten durchgeführt werden konnten“, sieht der Sozialdemokrat durchaus Erklärungen für das Debakel. Dass man auf die Lennehalle verzichten könnte, glaubt Gerd Schröder indes nicht.

Mit Statikuntersuchungen begann das Dilemma
Mit Statikuntersuchungen begann das Dilemma © Fischer-Bolz, Susanne

Die neue Feuerwehr am Standort der jetzigen Lennehalle, eine kleinere Halle für 300 Besucher daneben: Das ist offensichtlich eine Diskussionsgrundlage. „Ich habe Probleme damit, sich kleiner zu setzen. Wir sind zwar eine kleine Gemeinde, könnten aber mehr gebrauchen“, findet Gerd Schröder. Unzählige Veranstaltungen hätten vor Corona dort stattgefunden. „Da ist immer viel passiert. Der Kulturschock hat sie reichlich genutzt.“ Aber auch Sportveranstaltungen, der große Hallentrödel oder Grundschul- und Sekundarschulfeste gehörten zum normalen Tagesgeschehen in der Lennehalle.

Nachrodt lebt auch von Sport und Kultur

Doch das Damoklesschwert hängt über dem Gebäude. „Uns liegt offiziell noch nichts vor, auch kein Gutachten. Klar ist aber eins: Wir müssen Sportmöglichkeiten und Veranstaltung in der Größe erhalten. Ob das jetzt Sanierung oder Neubau sein wird: Da müssen die Bestrebungen hingehen“, sagt Jens-Philipp Olschewski. Von Sport oder Kultur lebe auch Nachrodt-Wiblingwerde. „Wir sind eine Wohngemeinde, in der sich die Menschen auch wohlfühlen müssen“, so der Christdemokrat. Es gehe kein Weg daran vorbei. „Da sollten wir alle an einem Strang ziehen. Ich bin kein Fan davon, jetzt zu sagen, dass wir kleiner denken müssen“, so Jens-Philipp Olschewski. Ob jetzt rechts oder links auf dem Grundstück das Gebäude stehe, sei ihm erst einmal egal, aber er sei nicht für eine Verkleinerung oder Verschlechterung.

Halle für die nächsten 40 Jahre

„Dass immer mehr Freizeitqualität in Nachrodt verloren geht, kann man niemanden erklären.“ Die Menschen müssten heute auf vieles verzichten, die finanziellen Belastungen für die Haushalte würden steigen, man müsse unbedingt Struktur aufrecht erhalten. „Wir planen oder sanieren eine Halle nicht für fünf Jahre, sondern für die nächsten 30 oder 40 Jahre.“ Die CDU hatte in der Vergangenheit immer wieder Immobilienbegehungen angefragt, „nicht weil wir der Gemeinde auf die Nerven gehen wollten. Ich glaube, dass diese Begehungen immer deutlich gemacht haben, was ansteht und was wichtig ist. Da haben wir in den letzten Jahren auch schon viel erreicht“, findet Jens-Philipp Olschewski.

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