„Wir brauchen eine Brücke, und zwar schnell“

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Die altehrwürdige Lennebrücke ist aktuell nur einspurig befahrbar. Jetzt sprach sich der Rat mehrheitlich für einen Neubau 70 Meter weiter Richtung Rastatt aus.

Nachrodt-Wiblingwerde -  „Der Beschluss wird nicht als Sternstunde in die Geschichte eingehen“, meinte der Christdemokrat Peter Herbel und erntete Applaus von den Gästen der Ratssitzung. Eine neue Brücke am „Standort 3“ verschandele die Landschaft und entwerte das Grundstück an der Rastatt. Doch weder Peter Herbel noch die SPD verhinderten den Beschluss. Denn: „Wir können nicht weiter ‘rumeiern“, meinte Michael Schlieck (CDU). „Wir brauchen eine Brücke, und zwar schnell.“

Mit den Stimmen von CDU und UWG, zwei Gegenstimmen von Peter Herbel und Matthias Lohmann und sechs Enthaltungen von der SPD haben sich die Mitglieder des Rates für den Bau einer neuen Lennebrücke 70 Meter oberhalb des jetzigen Bauwerks ausgesprochen – es ist die sogenannte Variante 3. Vorausgegangen waren spannende Debatten und der Versuch der Sozialdemokraten, die Beratung von der Tagesordnung zu nehmen. Das scheiterte bei der Abstimmung relativ knapp.

„Ein Votum des Rates ist nicht relevant“

„Es ist in den vergangenen Wochen mehr als deutlich geworden, dass der Rat der Gemeinde auf diese Planung keinen Einfluss hat. Planung und Planfeststellungsverfahren werden ausschließlich von Straßen.NRW betrieben. Ein Votum des Rates ist dabei unerheblich und nicht relevant“, argumentierte Gerd Schröder, Fraktionsvorsitzender der SPD, für eine Absetzung des Themas.

 Es habe immer nur eine alternativlose Planung gegeben, und dass Straßen.NRW nun unter Handlungsdruck stehe, sei dem Rat nicht anzulasten. „Wir erwarten von Straßen.NRW zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen eine temporäre zweispurige Befahrbarkeit der jetzigen Brücke innerhalb der Planungs- und Bauphase gewährleistet werden kann und diese auch im Rahmen der Verhältnismäßigkeit der Mittel zu ermöglichen“, forderte Gerd Schröder. Die SPD sei kein Verhinderer und Nein-Sager. „Wir wollen und benötigen eine neue Brücke. Wir bemängeln lediglich mit dieser Planung eine unglückliche städtebauliche und landschaftsbildliche Entwicklung.“

Nachdem der Versuch, die Lennebrücke thematisch ins Nirwana zu schicken, gescheitert war, ergriff Christian von Löbbecke unter „Anfragen und Anregungen der Einwohner“ das Wort, um wie bereits im Planungs- und Bauausschuss seine Bedenken zum Brückenbau am vorgesehenen Standort vorzubringen.

 „Zerstörung der Idylle“

Christian von Löbbecke sprach unter anderem von der Zerstörung der Idylle der Dümplerleie mit seltenen Pflanzen und Tieren, von zusätzlichem Verkehrsaufkommen, von einem Bauwerk mit 24 Metern Breite und beidseitigem Fuß- und Radweg, der auf beiden Seiten südlich der Brücke keinerlei Anbindung hätte und von erheblich beeinträchtigten Nutzungsmöglichkeiten des Rastatt-Geländes. Nach Ansicht von Christian von Löbbecke diktiert Straßen.NRW seine Pläne der Gemeinde auf, ohne Rücksprache mit Beteiligten zu nehmen, bevor deren Eigentum überplant werde. Von Löbbecke appellierte an die Mitglieder des Rates, „mit der Ablehnung ein deutliches Signal Richtung Straßen.NRW zu senden, das Variante 3 weder gewünscht noch mehrheitsfähig ist.“

„Wir sind allen Menschen verpflichtet“

Es kam allerdings anders: Während der Debatte verdeutlichte Jens Philipp Olschewski, Fraktionsvorsitzender der CDU, dass die aktuell einspurige Brücke die Bürger belaste und auch eine Beeinträchtigung für die wirtschaftlichen Betriebe sei. „Es muss nun eine schnelle Lösung her. Wir sind allen Menschen in Nachrodt-Wiblingwerde verpflichtet und müssen bei unseren Entscheidungen abwägen, welche Konsequenzen entstehen und welche Alternative die geringsten negativen Folgen mit sich bringt.“

 Die Varianten 1 und 2 würden ebenso weitreichende Eingriffe mit sich bringen. Das Ortsbild würde in umfassender Weise negativ beeinflusst. „Auch wenn unser Beschluss lediglich Signalwirkung hat, so sind wir den Bürgern verpflichtet und müssen eine möglichst schnelle Lösung unterstützen.“

Belastung für Bürger kann nicht so bleiben“

Die UWG schloss sich dieser Meinung an. In ihrer Stellungnahme forderte Sonja Hammerschmidt für die UWG, „dass der von Matthias Lohmann gemachte Vorschlag weiter verfolgt wird, die alte Brücke während der Bauzeit temporär zweispurig befahrbar zu machen. Unserer Meinung nach kann die Belastung für die Bürger und die Industrie und Wirtschaft nicht weiter so bleiben. Um unseren Ort auch für Industrie und Geschäfte attraktiv zu halten, ist es unumgänglich, dass möglichst schnell eine neue Brücke gebaut wird.“ Bei einem Brückenneubau an der jetzigen Stelle müssten Häuser und damit das Zuhause einiger Nachrodter abgerissen werden. „Natürlich haben auch wir uns die gegen den geplanten Brückenneubau entsprechenden Punkte angesehen und finden sie auch nachvollziehbar. Sicherlich haben wir dort eine einmalige Landschaft und die Brücke prägt das Ortsbild sehr. Diese Einwände hätten aber viel eher vorgebracht werden müssen, damit sie die Planungen hätten beeinflussen können.“

Entscheidungen herbeiführen, keine Hinhaltetaktik: Deshalb stimmte die UWG für die Brückenneubau 70 Meter oberhalb der jetzigen Lennebrücke. Dass viele nun eine schnelle Lösung wollten, konnte Peter Herbel (CDU) nicht nachvollziehen. Durch die Ampel würde kein Betrieb später beliefert. „Ich glaube auch nicht, dass die Mehrheit der Bürger den Brückenschlag an dieser Stelle will.“

Auch Ronny Sachse (SPD) versuchte die Mitstreiter der anderen Fraktionen noch umzustimmen: „Wir geben Straßen.NRW einen Freifahrtschein, den ich nicht bereit bin, auszustellen. Straßen.NRW interessiert sich gar nicht für unsere Meinung. Die Vorschläge, die Brücke an der alten Stelle zu bauen, wurden auch nur halbherzig aufgenommen. Eine richtige Alternative hat uns Straßen.NRW doch gar nicht geboten.“

Die CDU-Fraktion Nachrodt-Wiblingwerde im Rat. Michael Schlieck (2.v. r.) hatte für weitere Verzögerungen beim Thema Lennebrücke kein Verständnis.

 Dafür und dagegen: Hin und her ging die Diskussion, bei der Michael Schlieck (CDU) augenscheinlich der Hut hochging. „Diese Rumeierei sehen wir überall an den Gebäuden. Und wenn wir jetzt nicht dafür sind, dass die Brücke schnell gebaut wird, dann verstehe ich die Welt nicht mehr.“

Matthias Lohmann ist aktuell als fraktionsloser Kommunalpolitiker im Rat. „Ich finde, dass Straßen.NRW nicht alle Chancen genutzt hat, den jetzigen Standort zu überdenken.“ Mit etwas ingenieurtechnischer Fantasie solle man doch mal an den vorhandenen Standort gehen. „Es geht mir nicht darum, Zeit zu schinden, aber das einschneidende Bauwerk, das gerade in der Planung ist, finde ich auch sehr ortszerstörend.“

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