Lennebrücke: Bombensuche verzögert Bauprojekt

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Hält die alte Lennebrücke noch durch bis zum Neubau? Die Bauausschuss-Mitglieder sind besorgt.

Nachrodt-Wiblingwerde – Beschwerden, Schulterzucken, Fragen: Was ist mit der Lennebrücke? Die bleibt noch lange Baustelle.

„Monatelang hört man gar nichts“, meinte SPD-Ratsherr Christian Pohlmann während der Sitzung des Planungs- und Bauausschusses. Und auch die Bürger sind augenscheinlich stinksauer. 

„So langsam sollte mal was an der Brücke gemacht werden“, fluchten einige in den sozialen Medien, als sie in dieser Woche wieder einmal Ewigkeiten im Stau standen. Aufgrund einer Sperrung der A45 stand der Verkehr erneut still in Nachrodt. 

„Straßen.NRW hat die Brückenplanung fertig“, erklärt Bauamtsleiter Dirk Röding. Los geht es aber trotzdem noch nicht. Alles dreht sich aktuell um zwei Düker, die Suche nach möglichen Bomben und einen landschaftspflegerischen Begleitplan. 

"Ein Jahr verloren"

„Wir haben ein Jahr verloren, weil wir keine Freigabe für Kampfmittel bekommen haben“, so Dirk Röding. 

Im August 2018 beauftragte die Gemeinde einen Geologen, um die Baugrundverhältnisse für den geplanten Düker zu untersuchen. Denn die Rohre, die aktuell neben der Lennebrücke „hängen“, sollen jetzt in zwei Dükern durch die Lenne geführt werden, eingegraben ins Flussbett sozusagen. 

Dabei ist ein Düker für die Gasleitung, der zweite für das Abwasser und weitere Versorger wie Stadtwerke und Enervie. Diese Planung ist zwar theoretisch unabhängig von der Planung der neuen Lennebrücke, aber die komplette Maßnahme (Brücke/Düker) wird in einem Guss zur Genehmigung bei der Bezirksregierung eingereicht. 

Luftbilder zu schlecht

Dass es bislang nicht voranging, hatte mit Vorsichtsmaßnahmen zu tun. Denn der Geologe wollte nur bohren, wenn er sicher sein konnte, dass an Ort und Stelle keine Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg für unliebsame Überraschungen sorgen würden. 

Die Luftbildauswertung, die die Bezirksregierung zur Verfügung stellte, war zu ungenau: schlechte Bildqualität, Schatten, Bewuchs. „Damit wollte sich der Geologe verständlicherweise nicht zufriedengeben“, so Bauamtsleiter Dirk Röding. 

Seit fast drei Jahren nur noch einspurig befahrbar: die Lennebrücke.

Weitere Anfragen bei der Bezirksregierung seien im Sande verlaufen. Mittlerweile war es Februar 2019, als sich das Ordnungsamt der Gemeinde noch einmal mit der Bezirksregierung in Verbindung setzte, sodass schließlich eine Bohrlochdetektion stattfand. 

Während der Bohrung wurden mit einer speziellen Sondiertechnik Messwerte erfasst, die auf Kampfmitteln in der Umgebung des Bohrloches hinweisen würden. „Im Mai 2019 lag das Ergebnis vor: Keine Hinweise auf Blindgänger“, erzählt Dirk Röding. 

Nun geht's um Natur

Diese Ergebnisse gingen an den Geologen, der im August 2019 seine Untersuchungen vorlegte. Die Dükerplanungen mussten noch einmal überarbeitet werden und sind jetzt in trockenen Tüchern, sodass man sich dem landschaftspflegerischen Begleitplan widmet. 

„Ich hoffe, dass das relativ schnell geht“, so Bürgermeisterin Birgit Tupat. Der Düker hat Auswirkungen auf die Natur, sodass „man bei einem Eingriff der Natur auf der anderen Seite wieder etwas Gutes tun muss“, sagt Dirk Röding. Was und wo das genau sein wird, ist eine Frage, mit der sich Experten aktuell beschäftigen, die auch den landschaftspflegerischen Begleitplan für die Brücke gemacht haben.

Klagen möglich

Alle Antragsunterlagen für die neue Lennebrücke und die beiden Düker inklusive Begleitpläne werden gemeinsam bei der Bezirksregierung eingereicht. „Ein Planfeststellungsverfahren dauert in der Regel eineinhalb bis zwei Jahre. In der Zeit werden Anregungen und Bedenken entgegengenommen. Ich denke, dass die auch kommen werden. Und gegen den Plan kann auch geklagt werden“, erläutert Bürgermeisterin Birgit Tupat das Prozedere. 

Sorge um Brücke

Weitere Jahre könnten also ins Land ziehen. Hält die alte Brücke so lange aus? Die Bauausschussmitglieder sind besorgt. „Es kann ja der Tag kommen, an dem alte die Brücke nicht mehr befahrbar ist“, meinte CDU-Ratsfrau Marion Kreuder-Rathmann. „Wir reden über eine Brücke, die das Nadelöhr des Lennetals ist“, so Christian Pohlmann (SPD), der nachmöglichen Ideen für den Ernstfall fragte. 

Straßen.NRW wäre schmerzfrei und würde die Straße einfach sperren, glauben die Kommunalpolitiker. „Ähnlich wie bei der B 236 in Werdohl“, so der Bauausschussvorsitzende Ulrich Gülicher.

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