1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

Bald ist Anne Rohdes letzter Schultag

Erstellt:

Von: Susanne Fischer-Bolz

Kommentare

Anne Rohde
Anne Rohde an ihrem Schreibtisch in der Sekundarschule. © Fischer-Bolz, Susanne

„Heute mache ich erst einmal nichts und dann warte ich ab“: Diese Idee für den Ruhestand dürfte wahrscheinlich die Unzutreffendste sein, die man für Anne Rohde finden kann. Die Leiterin der Sekundarschule, die vor Energie und Tatendrang nur so sprüht, verabschiedet sich mit 64 Jahren vom Schuldienst und freut sich auf die vielen Dinge, die schon in der Planung sind: auf Zeit mit den Enkelkindern, auf noch mehr Zeit für den Sport im SV Altena, auf Zeit fürs Segeln und ganz besonders auf mehr gemeinsame Stunden mit ihrem Mann, der zeitgleich als Oberstufenkoordinator vom Burggymnasium in den Ruhestand geht. Der Beruf „Lehrer“ war eine Berufung für beide, eine Arbeit mit Herz und Seele, mit Enthusiasmus.

Altena/Nachrodt - Als vor zehn Jahren die Sekundarschule Altena/Nachrodt-Wiblingwerde als erste interkommunale Sekundarschule in NRW gegründet wurde, übernahm Anne Rohde das Zepter. Zuvor war sie 17 Jahre an der Richard-Schirrmann-Realschule in Lüdenscheid und davor zwei Jahre am Gymnasium Philippinium in Marburg tätig. Für die Sekundarschule hinterlässt sie nun ein „gut bestelltes Feld“, eine Schule, die sich weiterentwickelt und Anerkennung gefunden hat. Anne Rohde kann mit einem Lächeln für das Erreichte und Errungene gehen – und wird offiziell am Donnerstag, 23. Juni, ab 16 Uhr in der Burg Holtzbrinck in Altena verabschiedet.

Mein Mann und ich wollten zusammen aufhören.

Anne Rohde

„Mein Mann und ich wollten zusammen aufhören und freuen uns, dass wir uns jetzt der Familie mehr widmen können“, sagt Anne Rohde, die zwei kleine Enkelkinder hat. Im Moment ist sie dabei, alles für das neue Schuljahr vorzubereiten, „damit die Schule schön weiterlaufen kann und man gar nicht merkt, dass ich weg bin“, erzählt sie lachend. Einen Nachfolger gibt es zunächst nicht. Ihr Team mit der Stellvertreterin Gudrun Reinecke-Bartelt, der didaktischen Leiterin Jennifer Cormann, der Abteilungsleiterin 5 bis 7 Martina Krickmeyer und dem Abteilungsleiter 8 bis 10 Frank Schölzel übernimmt das Ruder.

Es gab kaum Lehrerstellen

Anne Rohde hat in Marburg am ersten Tag ihres Studiums ihren Mann kennengelernt. „Er meint, er hätte mich kennengelernt“, erzählt sie schmunzelnd. Beide studierten Biologie und Sport, machten fortan alles gemeinsam und heirateten auch während ihres Studiums. Im Referendariat bekam Anne Rohde ihre Tochter Christina. „Wir waren der geburtenstärkste Jahrgang überhaupt. Es gab in Hessen und Bayern, was unser angedachtes Ziel war, überhaupt keine Lehrerstellen. Es wurde niemand eingestellt. In NRW aber gab es eine Aktion mit 3000 Lehrerstellen. Da hat mein Mann eine Stelle am Burggymnasium bekommen.“ Anne Rohde beendete ihr Referendariat und folgte ihrem Mann. Dann kam Sohn Johannes zur Welt. Für Anne Rohde war es eine Herzensangelegenheit, die ersten drei Jahre bei jedem Kind zu Hause zu sein. Als der Nachwuchs dann im Kindergarten war, wurde die Fächerkombination Bio/Sport gesperrt. Doch dadurch, dass Anne Rohde aber auch in der Sonderpädagogik den Studiengang Motologie mit aufgebaut hatte, bekam sie mit ihrer Qualifikation einer Bewegungstherapeutin im Altenheim in Werdohl eine Stelle und blieb dort drei Jahre. Dann kam Tochter Linda. „Es ging nie um eine klassische Rollenverteilung, dass die Frau zu Hause bleibt. Aber mir als Mutter war das wichtig, ich habe das gerne gemacht.“

Erst die Familie, dann die Karriere

Die Familie, nicht die eigene Karriere lag ihr am Herzen. Die durfte dann aber auch starten: Anne Rohde bekam von der Bezirksregierung eine Stelle an der Richard-Schirrmann-Realschule angeboten und wurde dort ziemlich schnell Konrektorin. Als sie gebeten wurde, Leiterin der Sekundarschule zu werden, hat sie gerne zugesagt. „Es ist eine schöne Aufgabe, spannend und herausfordernd. Besonders anstrengend und kräftezehrend ist die Situation mit den zwei Standorten und zwei Schulträgern, die bettelarm sind“, sagt Anne Rohde.

Dass es bei der Gründung der Sekundarschule viele Widerstände seitens der Schulen gab, die aufgelöst wurden, findet Anne Rohde verständlich. „Die wollten das partout nicht. Es war am Anfang auch sehr schwierig, in einem Haus zu unterrichten, Man musste viele Kompromisse suchen.“

Behüteter Standort am Holensiepen

Schule. Das ist ein ganz sensibles Thema. Und eines, das mehr denn je Eltern auf den Plan ruft. „Jeder möchte für sein Kind das Bestmögliche haben. Eltern glauben oft, dass das Gymnasium für ihre Kinder die besten Möglichkeiten bietet, das tut es aber nicht“, sagt Anne Rohde. Stolz ist sie auf alle ihre Schüler, nicht nur auf diejenigen, die „fantastisch in den Oberstufen der Kooperationsschulen zurechtkommen. Die machen alle einen glänzenden Abschluss und das führt dazu, dass die Geschwisterkinder dann auch zu uns kommen.“ Dass in Nachrodt die Kleineren sind, in der Nette die älteren Schüler, hat für die Kinder Vorteile: ein behüteter Standort am Holensiepen, viel Platz zum Toben und ein Schwimmbad nebenan. „Wir sind stolz darauf, dass die vielen Nichtschwimmer, die wir bei den Anmeldephasen haben, nach einem halben Jahr schwimmen können“, sagt Anne Rohde, die sich seit acht Jahren im Landessprecherrat der Gesamt-, Sekundar-, Gemeinschafts- und Primusschulen für die Belange des gemeinsamen Lernens einsetzt. Die Treffen mit schulpolitischen Akteuren im Landtag gehörten sicher zu den beruflichen Besonderheiten im Werdegang von Anne Rohde. Am meisten jedoch wird ihr Herzblut für die Schule und die Schüler in Erinnerung bleiben.

Auch interessant

Kommentare