Steiniger Weg bis an die Leader-Fördertöpfe

Manfred Hupfer, mit der Erstellung der Bewerbungsunterlagen beauftragter Planer, erläuterte am Mittwochabend in Wiblingwerde, wie das handlungsfeld Bürgerschaftliches Engagement bearbeitet werden kann.  Foto: Hornemann

Nachrodt-Wiblingwerde - Der Weg zur Leader-Region wird für die Lenneschiene steinig: Die angeschlossenen Kommunen müssen in einen Identitätsfindungsprozess einsteigen, um Projekte zu entwickeln, die Zukunft haben. Nur so können die EU-Gelder für Maßnahmen im ländlichen Raum abgegriffen werden. Am Mittwoch schrieben sich die Teilnehmer der Wiblingwerder Leader-Werkstatt das Thema bürgerschaftliches Engagement auf die Fahne.

Das ist nur ein Baustein von vielen im Gesamtkonzept, der in der Bewerbung zur Leader-Region berücksichtigt werden muss. Teilnehmer aus Lennestadt, Plettenberg, Iserlohn und Nachrodt-Wiblingwerde wirkten an der Konferenz mit. Deutlich wurde in der Diskussion: Bürgerschaftliches Engagement braucht eigentlich mehr hauptamtliches Personal, das die vielfältigen Aufgaben koordiniert. Das, so erklärte Manfred Hupfer von dem mit der Erstellung der Bewerbungsunterlagen beauftragten Büro WGF Landschaft (Nürnberg), wird von der EU-Initiative aber nicht gefördert. „Leader sieht nicht vor, dass einzelne Personen mit den Fördergeldern Geld verdienen“, erläuterte der Leader-Beauftragte für die Lenneschiene, der mit Josephine Lenk vom ebenfalls involvierten Planungsbüro Bioline (Lichtenfels) durch den Abend führte. Die meisten Ideen für den Themenbereich kamen im Laufe des Abends aus Lennestadt: Dort sind bereits Konzepte entstanden für Projekte, die vom vereinsgebundenen Ehrenamt wegführen sollen. Die Idee ist mit „Lokalitäter“ überschrieben. Des weiteren stammt aus Lennestadt die Idee, in Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen Ehrenamtsschulungen zu veranstalten. Darin sieht die Stadt eine Möglichkeit, Nachfolgen für Vereinsvorstände zu regeln und bislang nicht in Ehrenämtern tätige Menschen zu interessieren.

„Eine super Idee“, lobte Jan Schneider, der sich in Nachrodt für den Arbeitskreis Weihnachtsmarkt, die Feuerwehr und den Förderverein der Sekundarschule engagiert. Er sieht selbst das unausgeglichene Verhältnis von Haupt- und Ehrenamt, das viele engagierte Menschen haben: „Meistens sind es Leute, die ohnehin Vollzeit arbeiten und dann auch noch ihre Freizeit für Ehrenämter opfern. Daran müsste sich dringend etwas ändern.“

Manfred Hupfer schlug vor, Zeitbörsen einzurichten: Menschen, die sich nicht an den Turnus von vereinsinternen Monatsversammlungen halten können, könnten in ihrer Kommune angeben, an welchen Tagen sie wie viele Stunden zur Verfügung stellen können und auf diesem Weg ihre Talente anbieten.

Kommunale Ehrenamtsbörsen sollten sich möglichst untereinander vernetzen und auch Möglichkeiten finden, junge Leute an das Thema bürgerschaftliches Engagement heranzuführen. „Ein junger PC-Freak könnte ja vielleicht über den Zeitraum von einem Jahr eine Vereinshomepage gestalten. Auch das schafft Identität mit den Menschen, für die er dann tätig ist – ohne, dass Jugendlichen damit gleich eine Bürde aufgeladen wird”, so Hupfer.

Identifikation mit ihrer Region sei für junge Leute aber auch problematisch, gab Stefan Herbel zu bedenken. „Unsere Jugendlichen hier in Nachrodt müssen zu einem großen Teil in andere Städte fahren, um Schulbildung zu erhalten. Ihre Freizeitaktivitäten verlagern sich entsprechend, wenn sie sowieso schon den ganzen Tag aus Nachrodt-Wiblingwerde weg sind.”

Dieser Einwurf ist einer von vielen, die den Identifikationsprozess für die LenneSchiene erschweren dürften: Von der Idee „Freifunk Lenneschiene“, die private W-Lan-Kontingente zu einem langen öffentlichen Hotspot bündeln würden, hätten viele Kommunen zum Beispiel nichts, weil sie gar kein halbwegs nutzbares Internet erreicht.

Sämtliche Kommunen müssten aber hinter einem bestimmten Projekt stehen, um es durchzubekommen. Wird die Lenneschiene Leader-Region, weil sie eine überzeugende Bewerbung einreicht, muss ein Verein gegründet werden, der die Projekte genehmigt und bis zu 65 Prozent der Kosten für ein Projekt bewilligen kann. Den Rest müssen die Projektträger aufbringen – in Eigenleistung oder über Sponsoren.

Die Bürger der Kommunen müssen jetzt selbst kreative Ideen einbringen, damit die Lenneschiene als Leader-Region anerkannt wird – und dabei immer im Hinterkopf behalten, dass Bürger von Lennestadt bis Letmathe den Geist einer Idee zu spüren bekommen. Zu senden sind alle konstruktiven Einfälle per E-Mail an an leader@lenneschiene.com oder per Post ins Amtshaus. - Ina Hornemann

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