Philipp Olschewski ist neuer CDU-Fraktionsvorsitzender

Lars Wygoda gibt Ratsmandat ab

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Lars Wygoda (rechts) – hier mit Kathrin Püschel (Mitte) und Elfriede Sickart – hat mit einem Paukenschlag seinen CDU-Fraktionsvorsitz abgegeben und gleichzeitig sein Ratsmandat niedergelegt.

Nachrodt-Wiblingwerde - Ist Peter Herbel der „Königsmörder“? So könnte man es vermuten, wenn man Lars Wygoda hört. Nachdem dieser sein Ratsmandat niedergelegt und seinen kompletten Rücktritt erklärt hat, stehen die Zeichen in Nachrodt-Wiblingwerde auf Sturm. Überraschte Gesichter allerorts, vielfach Ratlosigkeit, eine CDU, die sich neu formiert, und ein scheidender Fraktionsvorsitzender, der sich mit einem Paukenschlag verabschiedet: „Quasi vom ersten Tag an hat Peter Herbel, der seinen Zenit schon lange überschritten hat und der Entwicklung der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde und auch der CDU nachhaltig geschadet hat, quer getrieben und gegen mich intrigiert.“

Ob der Leserbrief zum Thema Friedhofsweg das Fass zum Überlaufen gebracht hat, ist nicht eindeutig bestätigt. In der Fraktion hat es schon seit Monaten offen rumort. „Für den Großteil meiner Fraktionskollegen tut es mir leid, allerdings ist bis zur nächsten Kommunalwahl im Jahr 2020 genügend Zeit, sich neu aufzustellen. Ich stehe da nun niemanden mehr im Weg“, sagt Lars Wygoda. 

Er erklärt seinen Rückzug so: „Der Job des Fraktionsvorsitzenden erfordert viel Einsatzbereitschaft und Nervenstärke. Ich bin mit einem klaren Masterplan angetreten, unsere Fraktion erfolgreich zur nächsten Wahl zu führen und nach der letzten kommunalen Wahlschlappe zu deutlich mehr Sitzen im Rat zu verhelfen. Dazu gehören ein modernerer Auftritt, Schulungen, Entwicklung und Umsetzungen von Ideen etc. Bei allen Bestrebungen sollte aber stets unsere Heimat Nachrodt-Wiblingwerde im Vordergrund stehen. Leider ist es nun mal so, dass bei einzelnen Ratsmitgliedern eher persönliche Befindlichkeiten im Vordergrund stehen. Da wir aktuell nur noch die zweitstärkste Fraktion bilden, habe ich es für sinnvoll erachtet, hier auf einer gesunden Ebene auch mit den beiden anderen Fraktionen zusammenzuarbeiten."

Wygoda: Herbel ist skrupellos

Und weiter: "Gerade mit der SPD-Fraktionsspitze war der Austausch zuletzt sogar sehr vertrauensvoll. Ich habe sehr viel Zeit für dieses Ehrenamt geopfert und habe dafür auch eine Menge Power übrig gehabt. Schwierig wird es aber dann, wenn ein einzelnes Fraktionsmitglied in einer Art und Weise gegen mich intrigiert, wie es seinesgleichen sucht. Es ist unwahrscheinlich schwer, so etwas über einen längeren Zeitraum zu ertragen. Dieser Mann ist sogar so skrupellos, dass er vor der letzten Kommunalwahl (ebenfalls durch eine Intrige) seinen eigenen Sohn kommunalpolitisch kaltgestellt hat. Aufgrund längst vergangener Verdienste haben wir uns (und auch ich) immer schwergetan, hier mal konsequent durchzugreifen. Nur ist dieser Mann ein unberechenbares Pulverfass und nur weil er das gleiche Parteibuch hat wie ich, bin ich nicht bereit, das länger zu ertragen. Im Gegensatz zu Peter Herbel halte ich mich aber nicht für unverzichtbar. Daher ziehe ich mich komplett aus der Kommunalpolitik zurück und habe auch nicht die Farben gewechselt oder im Sinn gehabt, als Einzelkämpfer im Rat zu sitzen. Denn meine politische Heimat ist nunmal die CDU.“ 

Herbel: "Die Zusammenarbeit war sehr schwierig"

Der so gescholtene Peter Herbel geht auf die Vorwürfe nicht ein, sagt aber: „Als Fraktionsvorsitzender habe ich mich immer als Erster unter Gleichen gefühlt. Aber Lars Wygoda wollte das nicht begreifen. Er wollte kein Erster unter Gleichen sein, er wollte der Erste sein und neben ihm durfte keiner eine andere Meinung vertreten. Deshalb war die Zusammenarbeit sehr schwierig. Mein Bedauern über seinen Weggang hält sich in Grenzen.“ 

Wenn zwei sich streiten, freut sich in diesem Fall keiner: „Es ist schade, dass zwei Mitglieder der CDU-Partei in der Fraktion so wie es offensichtlich aussieht, persönliche unüberbrückbare Streitigkeiten haben“, sagt Klaus-Dieter Jacobsen, Vorsitzender des Gemeindeverbandes. 

Die CDU guckt nach vorn, hat am Donnerstagabend Jens Philipp Olschewski zum neuen Fraktionsvorsitzenden ernannt. Ulrich Gülicher ist nach wie vor Stellvertreter, sodass ein junger Kommunalpolitiker nun neben einem erfahrenen die neue Aufgabe angehen kann. 

Jens Philipp Olschewski ist 29 Jahre alt, studierter Wirtschaftswissenschaftler und er wurde einstimmig gewählt. Nachrücker im Rat für den scheidenden Lars Wygoda ist Sebastian Brinker. Er erfuhr im Urlaub davon. 

Sprachlos ist die SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Jakoby über den plötzlichen Rückzug von Lars Wygoda. „Es gab keine Anzeichen dafür. Ich hatte vielmehr das Gefühl, dass Lars Wygoda seinen Weg und sein Standing gefunden hat.“ 

Entwicklung zum verlässlichen Partner der SPD

Für die SPD habe sich Wygoda langsam zum verlässlichen Gesprächspartner entwickelt. Dass das Amt des Fraktionsvorsitzenden nicht immer so einfach ist, gibt auch Susanne Jakoby zu. „Man muss die Leute zusammenhalten. Und die Fraktion muss dem Vorsitzenden auch vertrauen, dass dieser in die richtige Richtung geht. Man kann sich nicht für alles das Okay holen, was man sagt.“ 

Der Punkt, an dem man aufhöre, sei dann vielleicht gekommen, wenn man das Gefühl habe, dass die Fraktion nicht hinter einem stehe. Auch für Petra Triches kam Wygodas Komplettrückzug sehr überraschend. „Ich habe nicht damit gerechnet. Wir waren ja zum Thema Brücke zusammen in Düsseldorf. Da hat er nichts angedeutet. Wir haben, so finde ich, gut zusammengearbeitet.“ 

Übrigens: Lars Wygoda hat die Rücktrittserklärung und Mandatsniederlegung per Post an die Gemeindeverwaltung geschickt. Ein persönliches Gespräch mit Bürgermeisterin Birgit Tupat hat es nicht gegeben, was diese bedauert.

Zweiter Rückzug nach 2006

Vor elf Jahren hatte sich Lars Wygoda schon einmal aus der politischen Arbeit in Nachrodt-Wiblingwerde verabschiedet und sein Mandat niederlegt. „Zu 2006 gibt es keinerlei Parallelen. Damals war ich nicht selbstständig, sondern im Angestelltenverhältnis tätig. Mein damaliger Arbeitgeber war von meinem politischen Engagement nicht sonderlich angetan, ferner kam in dem Jahr meine zweites Kind zur Welt. Es war nur eine kurze Auszeit und ich bin zur Wahl darauf wieder angetreten“, so Wygoda.

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