Mieter

Langenstück: Deftige Mieterhöhung nach Sanierung

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Harald Langer vor seiner Wohnung an der Niemöllerstraße.

Nachrodt-Wiblingwerde - Wohnen im Glanz der Jahrhundertwende. Es ist eine herrliche Wohnsiedlung mitten in Nachrodt. Viele Nachrodter fühlen sich eng verbunden, haben fast ihr ganzes Leben dort verbracht. Auch Harald Langer. Aber jetzt macht ihm eine deftige Mieterhöhung zu schaffen.

Ihm – und vielen anderen auch.

Die Werkssiedlung Langenstück wurde zwischen 1904 bis 1913 für die Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb erbaut und später dann, 1988, unter Denkmalschutz gestellt. Es hat Flair. Dort zu wohnen ist durchaus etwas Besonderes. „Als ich klein war, stand hier eine Zinnwanne“, schmunzelt Harald Langer und zeigt auf die Eckbank in der Küche. Dort war die integrierte Badewanne. 

Komfort gab es in den 60er Jahren so gar nicht. Aber das war nicht ungewöhnlich. Der Kohleofen sorgte für Wärme. Erst viel später, 1989, wurden Nachspeicherheizungen eingebaut. Harald Langer lebt immer noch gern an der Niemöllerstraße 29 – heute mit seiner Frau Carmen und den drei erwachsenen Kindern. 98,2 Quadratmeter ist die Wohnung groß, hat Einfamilienhauscharakter mit schönem Garten. 

Glück hatte er mit einer Mietbindung von 1989, zahlte eine Grundmiete von 279,75 Euro. Anfang des Jahres gab es eine Mieterhöhung von 15 Euro, sodass Harald Langer 294,75 Euro zahlte. Jetzt soll er von heute auf morgen 480,20 Euro Miete berappen. Das sind 71 Prozent mehr. Eine Katastrophe für die Familie. Grund ist eine Modernisierung der Werkssiedlung. Von den Modernisierungskosten darf der Vermieter elf Prozent auf die Jahresmiete umlegen. 

Bei der Berechnung des Vermieters gibt es einige Fehler, meint Langer

Doch Harald Langer versteht die Welt nicht mehr. „Eine Dämmung wurde bei uns nicht eingebaut. Eine wärmegedämmte Haustür, die wir bekommen haben, gehört nach Auffassung meines Rechtsanwaltes zum Standard, und die alten Nachtspeicherheizungen hätten aus Altersgründen ohnehin ausgetauscht werden müssen.“ Außerdem, so sagt der 57-Jährige, gebe es bei der Berechnung des Vermieters – LEG Wohnen – auch einige Fehler. 

Denn wenn der Einbau der Gaszentralheizung 31 480 Euro gekostet habe und man seine Quadratmeterzahl zu Gunde lege, dann komme man auf 16 487,62 Euro für seine Wohnung. Das wiederum mal elf Prozent geteilt durch zwölf Monate seien 151,13 Euro pro Monat. „Für mich ist das alles ein Witz, denn die ortsübliche Vergleichsmiete liegt bei 3,78 Euro und ich soll jetzt 4,89 bezahlen“, schimpft Harald Langer und weiß von einigen Nachbarn, die ein ähnliches Problem haben und einen Rechtsanwalt eingeschaltet haben. 

Das möchte der Familienvater erst einmal vermeiden. Er hat telefonisch einen Ansprechpartner gesucht, hing aber „stundenlang in der Warteschleife.“ Nun hat er sein Anliegen per E-Mail geschickt und hofft auf Antwort. Mit den Betriebskosten liegt die Familie nun bei 766,40 Euro Warmmiete – statt 580 Euro wie zuvor. „Es ruiniert uns zwar nicht, aber es ist doch nicht hinnehmbar.“ Harald Langer möchte eigentlich nicht weg vom Langenstück. 

Es gibt durch ständig wechselnde Besitzer keinen wirklichen Ansprechpartner

„Aber wenn die Kinder ausziehen, ist es eigentlich auch zu groß für mich und meine Frau.“ Zu groß und zu teuer. Und durch die ständig wechselnden Besitzer habe man auch nicht wirklich einen Ansprechpartner. Seit einem Jahr gehören die Häuser der LEG, zuvor war es das Wohnungsunternehmen Vonovia, davor Deutsche Annington Immobilien, die in Vonovia aufgegangen ist, davor das Unternehmen Viterra. 

Besonderes Merkmal der Siedlung ist die einfache Kubatur mit plastischen Putzfassaden und Natursteinsockeln. Die jüngeren Häuser haben Zierfachwerk und eine Giebelverbretterung. Die Siedlung ist ein Schmuckstück. Die jetzt saniert wurde und immer noch saniert wird. 

Das Unternehmen scheint wenig beeindruckt vom Kummer der Mieter. Nach Anfrage des Altenaer Kreisblattes schreibt Mischa Lenz aus dem Bereich Unternehmenskommunikation der LEG: „Die von den Maßnahmen betroffenen Gebäude an der Schillerstraße, Goethestraße, Niemüllerstraße und Ebertstraße hat die LEG Mitte des Jahres 2016 erworben und deren Bewirtschaftung übernommen. 

Laut Gesetzgeber können pro Jahr maximal 11 Prozent der Modernisierungskosten auf den Mieter umgelegt werden

Die Modernisierung bzw. der erste Bauabschnitt, aus dem die Mietanpassung resultiert, wurde noch vom Voreigentümer durchgeführt, berechnet und den Mietern ordnungsgemäß und entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen mitgeteilt. Die Kosten der Modernisierung betrugen insgesamt rund eine Millionen Euro. 

Generell wird eine Mietanpassung aufgrund einer Modernisierungsmaßnahme auf Basis von BGB §559 berechnet. Laut Gesetzgeber können demnach pro Jahr maximal elf Prozent der Modernisierungskosten auf den Mieter umgelegt werden. Wir werden selbstverständlich jede Klage ernst nehmen, durch unsere Fachleute prüfen lassen und eventuell die nötigen juristischen Schritte einleiten. 

Aktuell setzen wir den zweiten und letzten Bauabschnitt der Maßnahme um. Die Wohnanlage wird im Zuge der Modernisierung ans Fernwärmenetz angeschlossen. Darüber hinaus erneuern wir die Haustüren und streichen die Fassaden neu. 

In dem Beispiel steigt die Miete aufgrund der bereits oben genannten anteiligen Umlage der Modernisierungskosten auf Basis von BGB §559. Daher kann es durchaus zu einer Mietanpassung in der zitierten Höhe kommen. Es ist ja keine Mietanpassung an die ortsübliche Vergleichsmiete auf Basis von BGB §558. 

Diese beiden Fälle müssen wir selbstverständlich unterscheiden, um vor diesem Hintergrund Missverständnisse zu vermeiden.“

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