Gastronomie leidet unter Wust von Vorschriften

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Der Landtagsabgeordnete Thorsten Schick (links) war auf Einladung des stellvertretenden Dehoga-Hauptgeschäftsführers Lars Martin (2.v.l.) Tagespraktikant im Schlosshotel.

Nachrodt-Wiblingwerde - Servietten werden gebrochen, nicht gefaltet. Kunstvoll, versteht sich. Und Thorsten Schick stellte sich gar nicht mal ungeschickt an. Besonders gut kann er allerdings saugen. Bis in die letzten Ecken. Bewiesen hat der CDU-Landtagsabgeordnete seine hauswirtschaftlichen Fähigkeiten gestern im Rahmen eines Kurz-Praktikums im Schlosshotel Holzrichter.

 Denn statt im Podium zu diskutieren – mit vielleicht unzufriedenen Gastronomen – wollte der Hotel- und Gaststättenverband Westfalen (Dehoga) einen neuen Weg beschreiten, um mit der Politik ins Gespräch zu kommen. Zu diskutieren und zu bemängeln gibt es nämlich viel.

 „Wir kämpfen gegen einen Wust von Verwaltungsvorschriften, die uns das Leben schwer machen“, sagt Lars Martin, stellvertretender Dehoga-Hauptgeschäftsführer. Die Überregulierung sorge dafür, dass der kleine Gastronom, der eigentlich nur eine Suppe kochen wolle, mehr als die Hälfte seiner Zeit damit verbringe, irgendwelche Formulare auszufüllen. „Kreativität, für die unsere Branche steht, wird im Keim erstickt.“

Zudem gebe es keine Möglichkeit, sich gesetzeskonform zu verhalten. „Ich bin automatisch gezwungen, gegen Gesetze zu verstoßen. Das ist bei der Datenschutzgrundverordnung so, das ist beim Thema Arbeitszeiten so. Wir haben das Problem, dass die Arbeitszeit im Vorfeld feststehen muss.“ Was gerade im Gastgewerbe fast unmöglich ist – wenn beispielsweise die Hochzeitsfeier nicht wie gedacht um 1 Uhr nachts, sondern erst um 5 Uhr zu Ende ist.

Der Gastronom und Hotelier müsse sich immer wieder entscheiden: für den Gast oder für das Gesetz. Die Branche leidet aber auch unter dem Fachkräftemangel und dem Image: schlechte Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung.

Da ist Thomas Holzrichter froh, ganz anderes berichten zu können: „Wir sind so gut aufgestellt, dass ich keine Mitarbeiter einstellen könnte, auch wenn ich wollte. Das ist aber die Ausnahme. Ich wüsste sonst keinen im Umfeld, der nicht sucht“, so Thomas Holzrichter. Lars Martin bestätigt dies: „Am Montag haben mich drei Gastronomen angerufen, die Köche suchen.“

„Wir müssen umdenken, müssen die Mitarbeiter, die wir haben, deutlich mehr wertschätzen und eine Personaldecke vorhalten, damit uns nicht permanent graue Haare wachsen“, so Thomas Holzrichter. „Mir sind unsere Mitarbeiter sehr, sehr wichtig. Da macht man auch Klimmzüge.“ Viel weniger Regulation, viel weniger Kontrolle: Das ist das, was sich Thomas Holzrichter von der Politik wünscht. Flexibilität bei den Arbeitszeiten. Für Thorsten Schick war der Vormittag eine spannende Erfahrung. Auf hochtrabende Versprechungen verzichtet er.

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