Landgericht urteilt

Sparkassen-Räuber muss für sechs Jahre hinter Gitter

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Mit großem Aufgebot hatte die Polizei im Februar nach dem Nachrodter Bankräuber gefahndet.

Nachrodt-Wiblingwerde - Der Räuber, der die Sparkasse an der Hagener Straße überfallen hat, muss für sechs Jahre ins Gefängnis. Mit dieser Entscheidung der 4. großen Strafkammer des Landgerichts Hagen ging am Dienstag der Prozess gegen einen 35-jährigen Nachrodter zu Ende.

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Nachdem der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte, konnte sich das Gericht ausführlich der Frage widmen, wie zurechnungsfähig er am 25. Februar war. Im Ergebnis sahen die Richter es als nicht erwiesen an, dass der Angeklagte durch Drogen- und Alkoholkonsum ernsthaft in seiner Steuerungs- und Handlungsfähigkeit eingeschränkt war.

Hinweisen des Angeklagten, er sei nach der Trennung von seiner Freundin „nur noch berauscht und betrunken“ und zum Tatzeitpunkt „wie betäubt“ gewesen, schenkte die Kammer keinen Glauben: „Diese Einlassung ist widerlegt“, sagte die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen und stellte fest, dass die Angaben des Angeklagten zu seinem Drogenkonsum „sehr schwankend“ gewesen seien.

Seinen inkonstanten Aussagen stellte die Kammer die Fakten entgegen, so wie sie sich aus den Zeugenaussagen ergaben. Deren Tenor war recht eindeutig: Der 35-Jährige hat ab und zu mal was konsumiert, aber das war letztlich für ihn noch kein Problem. Er machte Kraftsport, war nicht ausgemergelt und hatte in den ersten Tagen der Inhaftierung kein unwiderstehliches Schlafbedürfnis, wie es nach längerem regelmäßigen Konsum von Aufputschmitteln zu erwarten gewesen wäre. Die Kammer hörte auch sehr aufmerksam die Aussage seiner Freundin, die noch im Gerichtssaal vom abwechslungsreichen Leben mit dem Angeklagten geschwärmt hatte.

Dazu kamen die Umstände der Tat selber, die überhaupt nicht auf einen zugedröhnten Täter am Rande des Wahnsinns hindeuteten: Der Räuber änderte seine Statur durch höhere Absätze und mehrere Lagen Kleidung, die „Korpulenz vortäuschten“. Er lieh sich zielgerichtet eine Waffe und bastelte nach der Rückkehr aus der Sparkasse zu einem Freund an einem Alibi.

Auch die Angestellten in der Sparkasse beobachteten einen Täter, der äußerst zielgerichtet vorging und keinerlei Auffälligkeiten in Gangart oder Sprache zeigte. All dies passte zu dem, was der Angeklagte kurz nach seiner Festnahme gegenüber der Polizei gesagt hatte. In den ersten Vernehmungen hatte er selbst gesagt, dass die von ihm nur gelegentlich konsumierten Drogen für ihn kein Problem seien.

Für eine Einstufung der Tat als „minderschwerer Fall“ gab es deshalb keinerlei Anlass. Bei der Einordnung der Tat in das zur Verfügung stehende Strafmaß von drei bis 15 Jahren hielt die Kammer dem Angeklagten vor allem sein frühes Geständnis „erheblich strafmildernd“ zugute. Strafschärfend wirkte jedoch der immense Schaden, den der Angeklagte in den Seelen der überfallenen Sparkassenangestellten angerichtet hatte: Zwei der Opfer seien durch das Erlebte so stark geschädigt, „dass sie ihrem normalen Leben nicht mehr nachkommen können“, beklagte die Vorsitzende.

„Die Zeugen hatten Angst um ihr Leben, und diese Angst ist sehr nachhaltig.“ Kritisch äußerte sich Richterin Heike Hartmann-Garschagen zu der Neigung des Angeklagten, „die Schuld anderen zuzuschieben – der Ehefrau, der Freundin, dem Alkohol und den Drogen“.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. - von Thomas Krumm

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