Raub-Opfer leiden unter traumatischem Ereignis

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Maskiert und bewaffnet hat der Bankräuber am 25. Februar die Sparkassenfiliale in Nachrodt überfallen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Weit schwerer als der finanzielle Verlust wiegen nach einem Raubüberfall die Seelenschmerzen und die umfassende Verunsicherung der davon Betroffenen. Im Prozess gegen den 35-jährigen Bankräuber aus Nachrodt zeichnet sich nach ersten Zeugenaussagen ab, wie schlimm die Mitarbeiter der Sparkassenfiliale an der Hagener Straße von dem Überfall getroffen wurden.

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„Ich sitze heute noch mit schweißnassen Händen bei der Arbeit“, berichtete eine 46-jährige Mitarbeiterin der überfallenen Nachrodter Sparkassen-Filiale. „Das Leben ist einfach nicht mehr so, wie es vor dem 25. Februar war.“ Tapfer folgte die Mitarbeiterin dem Rat eines Psychologen: „Je länger wir dem Arbeitsplatz fernbleiben, desto schwieriger wird es, dort wieder hinzugehen“, gab sie die Warnung an die Betroffenen wieder.

Ein besonderes Problem für die Zeugin war das Verhalten des Täters: Weil der mit der Waffe auf sie und eine Kollegin zielte, fühlte sich die 46-Jährige persönlich gemeint. „Ich bin davon ausgegangen, dass er in diesem Moment schießt.“ Besonders übel nahm sie dem Täter seine „Brutalität“: „Warum musste der hinterher nochmal die Waffe auf unsere Büros richten?“ Es war deshalb nicht überraschend, dass die Zeugin eine Entschuldigung des Angeklagten zurückwies: „Was Sie mir und meinen Kollegen angetan haben, ist unentschuldbar.“

Eine 57-jährige Sparkassenangestellte berichtete davon, wie sie das Geld in einen mitgebrachten Beutel füllen musste. „Den Tattag habe ich noch ganz gut überstanden. Nach dem Tag der Festnahme ging es aber los.“ Die Zeugin berichtete von Schlaflosigkeit und nächtlichen Muskelkrämpfen. Auch sie wollte nicht krankgeschrieben werden: „Ich musste da auch hin, um meine Angst zu bekämpfen. Ich musste wieder an meinen Arbeitsplatz.“ Die Kontakte dort waren hilfreich: „Auch durch die Anteilnahme der Kunden war das Ganze für mich zu verarbeiten.“ Sehr verändert habe sich das Leben in der Geschäftsstelle. „Vielleicht geht es mir noch am besten von allen.“

Die Bemerkung betrifft vor allem zwei Kollegen, die am ersten Verhandlungstag noch nicht befragt wurden: Von einer Angestellten habe man „seit dem Überfall weder etwas gehört, noch etwas gesehen“, und ein weiterer Kollege habe versucht zu arbeiten – vergeblich: „Er hat sich von dieser Panik nicht befreien können.“ Das persönliche Fazit der 57-Jährigen verhieß nichts Gutes: „Für mich war es sehr belastend, wenn ich gesehen habe, wie die Kollegen leiden.“

Der Angeklagte hatte über solche psychischen Folgen für die Opfer in keiner Weise nachgedacht: „An so etwas denkt man gar nicht – dass so etwas passieren kann“, sagte er im Gerichtssaal. Durchweg beschrieben die Zeugen das Handeln des 35-Jährigen als sehr zielgerichtet und gut durchdacht: „Er war sehr nervös, aber dennoch hatte ich das Gefühl, dass er sehr genau wusste, was zu tun ist“, sagte eine der Zeuginnen. „Rein zu mir, Geld gegriffen und – zack – wieder raus.“

Der Prozess wird am 12. Juni ab 9.30 Uhr im Landgericht Hagen mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt. - Thomas Krumm

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