Lärmschutz gegen Zuglärm: Emotionale Debatte

+
In Einsal will die Bahn Lärmschutzwände errichten.

Nachrodt-Wiblingwerde – Lärmschutzwände gegen Zuglärm: Die Meinung der Anwohner geht auseinander. Eine Probeabstimmung war jedoch eindeutig.

Der Plan der Deutschen Bahn, die Lärmbelastung für die Anwohner in Nachrodt durch Lärmschutzwände zu vermindern, löst kontroverse Reaktionen aus. Das wurde bei einer Anwohnerversammlung deutlich, in der die DB-Netz-Mitarbeiter Sabrina Reinecke und Andreas Tecklenburg die Pläne im katholischen Vereinshaus vorstellten. Letztlich zeigte eine Probeabstimmung: Diejenigen, die einen Schutz ablehnen, waren deutlich in der Minderheit. 
"Wie im Knast"

Aber das Hauptargument gegen den Lärmschutz hatte durchaus Überzeugungskraft: „Ich will nicht vor die Wände gucken. Das ist ja wie im Knast“, sagte ein Anwohner. Dieser Klage ist wenig entgegenzusetzen: Die besondere Lochstruktur des lärmschluckenden Materials lässt eine transparente Gestaltung nicht zu. 

Ein weiteres Argument gegen das Projekt war eher kurios: Die Planung für die Lärmschutzwand, die Einsal von der Bahnstrecke akustisch abkoppeln soll, sieht eine 19 Meter lange Lücke genau dort vor, wo der Bahnübergang Bachstraße die Siedlung mit der Altenaer Straße verbindet. Die Feststellung, dass dort „der ganze Lärm“ rausgehe, verband ein Anwohner mit dem Vorschlag, die Wand dort durchlaufen zu lassen. „Wir können leider den Bahnübergang nicht zumachen“, erwiderte Sabrina Reinecke. 

Farbe ist Frage der Fußball-Gesinnung 

Letztlich meldeten sich die Befürworter des Projekts aber erheblich entschlossener zu Wort: Lärmschutzwände seien doch eine „vernünftige ordentliche Lösung“, betonte eine Anwohnerin, die seit 40 Jahren an und mit der Bahnlinie lebt. Sie sagte, dass sie kein Verständnis für die Ablehnung des Projektes habe: „Etwas Besseres kann uns gar nicht passieren.“ 

Deutliche Mehrheit pro Lärmschutz.

Sehr deutlich äußerten Anwohner auch die Erwartung, dass ihre bahnnahen Grundstücke durch die Lärmreduzierung aufgewertet werden. Enttäuscht zeigte sich ein Anwohner aus den Häusern Altenaer Straße 64 und 66. Mangels Masse an Gebäuden soll auf dieser Seite der Bahntrasse keine Lärmschutzwand errichtet werden. 

Große Differenzen zeigten sich auch innerhalb der starken Fraktion der Befürworter. Denn deren farbliche Gestaltung ist noch weitgehend offen: Blau-weiß oder Schwarz-gelb? Das war die entscheidende Frage unter den Fußballfans. 

So sehen die Planungen aus

Die Planungen sehen vor, dass Nachrodt nördlich des Tunnels durch eine drei Meter hohe Lärmschutzwand, die sich bis Lasbeck erstreckt, vom Lärm abgeschirmt wird. Südlich des Tunnels soll eine weitere Wand Einsal vor Lärm schützen. Die Kosten für das gesamte Projekt in der Gemeinde bezifferten die DB-Netz-Mitarbeiter auf 4,2 Millionen Euro. 

Das Geld kommt aus einem freiwilligen Lärmschutz-Programm der Bundesregierung, die für solche Maßnahmen jährlich 150 Millionen Euro ausgibt. Baustart im Herbst 2021 möglich Sollte der Rat der Gemeinde den Plänen zustimmen, könnte die Genehmigung für die Baumaßnahme bis 2020 vorliegen. Im Herbst/Winter 2021/22 könnte dann mit den Arbeiten begonnen werden. Um sich ein Bild von den Meinungen der Anwohner zu machen, waren auch Bürgermeisterin Birgit Tupat und mehrere Ratsmitglieder gekommen.

Lesen Sie auch:

Darum will der Altbürgermeister keine Lärmschutzwand

Die Pläne der Bahn im Detail

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare