L692 wird gesperrt: Umleitung nichts für schwache Nerven

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Das Highlight der Umleitungsstrecke am Kreinberg kurz vor der scharfen Rechtskurve.

Nachrodt-Wiblingwerde – Endlich geht's los: Die L692 wird ab Montag, 3. August, saniert. Die Umleitung hat es aber in sich.

Böse Zungen behaupten, dass die inoffizielle Umleitung durch die Pampa, die unzählige Menschen aufgrund der Sperrung der L 692 ab Montag (3. August) nutzen werden, gruselig ist. Männer würden das wahrscheinlich aber nie zugeben. 

Es ist düster-mystisch, teilweise wunderschön – und man macht zehn Kreuze, wenn der Wagen ohne aufgesetzt zu haben und ohne abgewürgt worden zu sein, irgendwann wieder auf die Landstraße einbiegt. Bis dahin schwitzt Frau – Mann natürlich nicht – Blut und Wasser. 

180-Grad-Kurve nur im ersten Gang

Kreinberg: An den Fischteichen windet sich der kleine Weg wie eine Schlange zwischen den Bäumen entlang: Braune Fichten, vom Borkenkäfer befallen, sind entweder bereits gefällt oder warten stumm darauf. Ein Trauerspiel. 

Ein Himmelreich für die Einbahnstraßenregelung. Eine Bank im Nirgendwo auf der rechten Seite könnte ein Stopp sein. Nur anhalten ist nicht möglich. Es wird einsam. Wenige Lichtstrahlen erreichen den Weg, der plötzlich eine 180-Grad-Wendung macht. Erster Gang. Die Reifen quietschen. 

Knackige Kurven gibt es auch bergab.

Wer sich verfährt, landet im Eickhoff. Im Schotter. Ende im Gelände. Also doch lieber zurück. Nach einer zweiten 180- Grad-Biegung nach links erreicht man eine Lichtung. Der Hof Knipps ist in Sicht. Zivilisation. 

Das macht Mut, der sich aber sehr schnell in Entsetzen wandelt: „Das glaub’ ich nicht“, fluche ich, denn nach dem Hof Knipps geht es etwa 100 Meter rechts plötzlich steil bergauf mit einer scharfen Rechtskurve. Das Highlight sozusagen. Jetzt mit Schwung. Im zweiten Gang nicht zu schaffen. 

Gegenverkehr? Dann wird's brenzlig

Dass tatsächlich einer von oben kommt, macht fassungslos. Keine Ausweichmöglichkeit. Ich rolle zurück, sehe vor meinem geistigen Auge mein überschlagenes Auto am Abhang liegen. 

Aber wie sagt man so schön? „Et hätt noch immer jot jejange.“ Weiter bergauf: Eine weitere scharfe Linkskurve ist im Vergleich zu den Vorgängern fast ein Spaziergang, bei einer weiteren 160-Grad-Kurve sollte man weit ausholen, damit der Wagen nicht aufsetzt. Wie macht der Bauhof hier den Winterdienst? 

An den Fischteichen geht es in den Wald - auf schmaler Straße.

Noch nie war ich so dankbar, zwei Strommasten auf einer Anhöhe zu sehen. Denn dann ist es fast geschafft. Luft schnappen. Ein Blick übers Tal. Ein kleiner Traum, auch wenn die toten Fichten nirgendwo zu übersehen sind. 

Steiles Gefälle von 10 Prozent

Zurück geht es etwas entspannter, wobei die Betonung auf etwas liegt. Ein Stückchen „normal“ des Weges Richtung Lüdenscheid, dann links zum Oevenscheid abbiegen. Die etwa 370 Höhenmeter Unterschied zwischen dem oberen und unteren Gemeindegebiet müssen jetzt bergab bewältigt werden. 

Wildwechsel wird angekündigt. Mit einem schönen Blick ins Tal geht es wieder in den Wald. Natürlich schlängelt sich die Straße. Jetzt nicht zum Grennigloh abbiegen – das ist eine Sackgasse, sondern 160 Grad nach rechts. Halleluja. 

Steiles Gefälle, etwa zehn Prozent. Ich habe Angst, nach rechts ‘runter zu gucken. Wer im Winter ins Rutschen kommt, ist erledigt. Nach einer lang gezogenen Linkskurve ist eine 180-Grad-Biegung zu schaffen. Ich zähle die Kurven nicht mehr mit. 

Das Motto „Augen zu und durch“ dürfte das Schlechteste sein, was hier erfolgversprechend ist. Was kostet die Welt die nächsten Monate? Nerven.

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