Kyrill-Holz: Jetzt erst ist alles aufgearbeitet

NACHRODT-WIBLINGWERDE - „Wenn das 'rum ist, dann machen wir ein Fass auf!“ Dessen waren sich die Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft im Januar 2007 sicher. Denn was sie in ihren Wäldern nach Sturm Kyrill erwartete, hatten sie zuvor noch nie erlebt. Für viele schien es unvorstellbar, dass diese Massen an Holz überhaupt jemals aufgeräumt sein würden.

Nun, dreieinhalb Jahre später ist es geschafft, und das musste gefeiert werden. Rund 100 Waldbesitzer mit ihren Familien waren aus diesem Grund am Freitagabend auf dem Hof von Udo Kalthoff in Wörden zusammen gekommen. „Was wir am Morgen des 19. Januars erblickten war unvorstellbar“, erinnerte sich Ernst-Ulrich Pühl, Vorsitzender der Forst-Betriebs-Gemeinschaft (FBG). Der Vorsitzende zählte zu den Waldbesitzern, die es schlimmer erwischt hatte. „Ganze Wälder waren verschollen. Meterhoch türmten sich die Baumstämme.“ 75 der 100 Waldbesitzer der FBG hatte der Sturm schlimm getroffen. „Manche hatten Glück und kein einziger Baum war gefallen. Bei uns war das leider nicht so“, berichtete Pühl. Insgesamt vielen im FBG-Gebiet 60 000 Festmeter Holz. „Die erste Frage die sich stellte, wohin damit? Denn unter Vertrag hatten wir maximal 18 000 Festmeter und wir waren ja nicht das einzige Gebiet, das es getroffen hatte.“

Mächtig ins Schwitzen kam auch Revierförster Christof Schäfer. Auch er erinnerte sich noch gut an den Tag vor drei Jahren: „Wir mussten Prioritäten setzen. Als erstes wurden die Straßen frei geräumt. Besonders die K 24 nach Hohenlimburg hatte es schwer getroffen. Sie war auch nach den Aufräumarbeiten Monate gesperrt, da man Erdrutsche vermutete.“ Schwierig war zudem, dass die Unternehmen fast drei Monate gebraucht haben, um Arbeiter und schwereres Gerät nach Wiblingwerde zu schaffen. So begannen die eigentlichen Arbeiten erst im April. Für die Einsätze der Maschinen gab es eine klare Prioritätenliste. Zuerst die Wege, dann das wertvolle Holz und es galt die Örtlichkeiten zu berücksichtigen. „Zuerst das Holz auf den Köpfen und der Südseite. Denn das drohte schneller zu vertrocknen“, erklärte Pühl das Vorgehen. Aber auch, wenn die Maschinen schnell arbeiteten, gab es weitere Probleme: „Neben den Geräten fehlten auch Lagerplätze, denn die Maschinen arbeiteten schneller als die Abfuhrunternehmen nachkommen konnten. Genehmigungen für Lagerplätze und Nasslager haben ihre Zeit gedauert.“

Neben der Logistik, hatten die Waldbesitzer vor allem finanzielle Sorgen. Vor Kyrill bekamen sie für den Festmeter Holz 80 Euro, danach lediglich 50 Euro. „Das ist eine Differenz von 30 Euro. Wenn man bedenkt, dass manch einer einige tausend Festmeter verloren hat, erkennt man, dass es hier auch um Existenzen ging.“ Schnell bildeten sie einen Pool und verließen sich auf das Forstamt. „Das haben wir richtig gemacht. Die haben uns damals sehr geholfen“, lobte Pühl.

Mittlerweile ist alles aufgeräumt. Ein paar kleinere Holzstapel am Wegesrand erinnern noch an die Katastrophe, aber auch die werden in den kommenden Wochen abgeholt und verarbeitetet. „Drei Viertel der Kyrillflächen sind mittlerweile aufgeforstet. Allein in diesem Frühjahr haben wir rund 100 000 Pflanzen gesetzt. In vielen Gebieten gibt es auch Naturverjüngung“, erklärte Christof Schäfer den aktuellen Stand der Dinge. Doch die Natur meint es derzeit nicht nur gut mir den Waldbesitzern: Der lange und schwere Winter brachte jede Menge Verbissschäden. Denn die kleinen Baumspitzen waren die einzige Nahrung für die Rehe, da sie aus dem Schnee heraus ragten. Die lange Trockenheit im Sommer sowie der Dauerregen später hätten ebenfalls einige Opfer unter den Bäumen gefordert. „Ein großes Thema sei außerdem die Verkrautung, beispielsweise durch Brombeeren.

Die Flächen müssen regelmäßig und zeitintensiv gepflegt werden, damit die nächste Generation von den großen Bäumen profitieren kann“, so der Förster. 3000 bis 3500 Fichten würden beispielsweise pro Hektar gesetzt. Im Endbestand, nach regelmäßiger Durchforstung und mit Abzug der natürlichen Auslese, fänden sich lediglich 300 Fichten. ▪ lm

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