Kuscheliges Heim für gefiederte Waisenkinder

Sandra Renford weiß inzwischen, wie sie junge Mauersegler aufziehen kann.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Bei Sandra und Urs Renford haben es gefiederte Findelkinder gut. Das Ehepaar aus Wiblingwerde zieht mit Erfolg Jungvögel auf, die aus dem Nest gefallen sind. Sogar in Ornithologen-Kreisen gelten sie inzwischen als anerkannte Mauersegler-Experten.

Mauersegler sind in Wiblingwerde insbesondere im Umfeld der Kirche zu finden. Und genau dort fanden Tom und Max, die Söhne der Renfordts, im Mai oder Juni des vergangenen Jahres einen kleinen Vogel, der offensichtlich aus dem Nest gefallen war. Sie berichteten ihrer Mutter von ihrem Fund, und die machte sich mit einem Schuhkarton auf zur Fundstelle, wo sie einen winzigen Vogel vorfand, an dem so gut wie kein Gefieder zu erkennen war. Vorsichtig verstaute sie ihn im Karton nahm ihn mit nach Hause. Doch wie sollte es nun weitergehen?

Beim Futter wählerisch

Am nächsten Tag suchte Renfordt einen Tierarzt auf, der ihr erklärte, dass es sich bei ihrem Fund um einen kleinen Mauersegler handele. Vom Tierarzt erhielt sie auch Fütterungstipps. Allerdings gingen die an den Vorstellungen eines kleinen Mauerseglers offenbar gänzlich vorbei. So machte sich das Ehepaar im Internet kundig und erfuhr, dass sich kleine Mauersegler von Heimchen ernähren, einer kleinen Heuschreckenart. Doch die Fütterung des Vogels sollte sich als problematisch erweisen. „Denn“, so Sandra Renfordt, „kleine Mauersegler öffnen im Gegensatz zu allen anderen Vogelarten nicht den Schnabel“. Und so musste sie dann das kleine Tier ganz vorsichtig in der einen Hand halten, um ihm gleichzeitig mit der anderen den Schnabel zu öffnen und dann zu füttern. Ihr gelang es, den Mauersegler entgegen allen Erwartungen durchzubringen und aufzuziehen. Nach rund zwei Monaten konnte sie ihn in die Freiheit entlassen.

Trennung fällt schwer

Mittlerweile haben die Renfordts drei Mauersegler aufgezogen. Den ersten fanden die Kinder, den zweiten Vogel brachten Bekannte, den dritten ein Ornithologe mit der Bitte, auch dieses kleine Tier aufzuziehen. Der dritte Kandidat war am anhänglichsten, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nach jeder Fütterung sprang er auf die Hand seiner Ziehmutter, krabbelte den Arm hinauf und hielt sich dann an der Schulter fest. Von dort war er dann auch nicht mehr weg zu kriegen.

Alle drei Mauersegler hat Sandra Renfordt regelmäßig alle drei Stunden gefüttert, beim ersten Exemplar sogar nachts. „Die anderen beiden waren schon etwas größer“, sagt sie. „Die habe ich dann nur noch tagsüber gefüttert.“ Mauersegler Nummer drei durfte ihr sogar zur Arbeit folgen. „Meine Chefin hat mir das erlaubt“, sagt Renfordt. „Und ich hab den Kleinen dann immer zwischendurch gefüttert.“ Doch vor knapp zwei Wochen schlug auch für ihn die Stunde des Abschieds. Der inzwischen fast ausgewachsene Mauersegler wurde freigelassen. Renfordt: „Es musste sein. Diese Vögel können in einem Haus nicht existieren. Sie würden eingehen. Und dafür habe ich ihn ja nicht aufgezogen.“

Doch das Großziehen der Vögel hat ihr Spaß gemacht. Und vielleicht finden Tom und Max ja im nächsten Jahr wieder eines der kleinen Tiere, die der Hilfe der Renfords bedürfen. „Ich werde meine Jungs im nächsten Jahr täglich auf Kontrollgang rund um die Kirche schicken“, schmunzelt Renford. Doch da sie ein großes Herz für Tiere hat, würde sie auch andere Findelkinder aufnehmen. Ihr Haus solle zwar jetzt nicht unbedingt eine Aufzuchtstation werden, aber es wäre ihr ein persönliches Anliegen, jedem kleineren Tier „über den Berg“ zu helfen. ▪ hb

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