Kupferbetrug: Nachrodter soll Mitarbeiter 93-mal bestochen haben

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Ein Nachrodter muss sich wegen Bestechung derzeit vor Gericht verantworten.

Nachrodt-Wiblingwerde – 93-mal soll ein Nachrodter (66) den Mitarbeiter eines Metallverwerters bestochen haben.  Es ging um den Betrug mit Kupfer.

Mit der erneuten Verlesung der Anklage gegen zwei der ursprünglich drei Angeklagten ist im Landgericht Hagen ein Wirtschaftsprozess neu gestartet worden, in dem es um Betrügereien rund um die Lieferung minderwertigen Messingschrotts geht. 

Ein 66-jähriger Nachrodter, der bei einem Schalksmühler Entsorgungsunternehmen arbeitet, soll in den Jahren 2011 bis 2015 im Auftrag seiner Firma den Mitarbeiter (49) eines großen Ennepetaler Metallverwerters 93-mal bestochen haben, damit dieser von der aus Schalksmühler Firma gelieferten Messingstaub als selbst gezogene Materialproben deklarierte. 

12 bis 24 Lieferungen pro Jahr 

Dadurch soll kaschiert worden sein, dass das aus Schalksmühle gelieferte Material gestreckt war und erheblich weniger Kupfer enthielt, als die Proben vorgaben. Die Anklage listet für die Jahre 2011 bis 2015 jeweils zwischen zwölf und 24 Lieferungen auf, deren Metallgehalt zwischen acht und 20 Prozent unter den vorgetäuschten Werten gelegen haben soll. 

Die Ennepetaler Firma soll durch diese Betrügereien einen finanziellen Schaden von 638 665 Euro erlitten haben. 

Beim ersten Anlauf zur Aufklärung der Vorwürfe im März war zunächst der angeklagte Geschäftsführer des Schalksmühler Unternehmens aufgrund einer schweren Erkrankung nicht prozessfähig. Dann setzte die 1. große Wirtschaftsstrafkammerdas Strafverfahren wegen der Corona-Krise vorläufig aus. 

Nachrodter schweigt

Nun haben die Richter noch einmal 13 Verhandlungstage zur Aufklärung der Vorwürfe angesetzt. Der 66-jährige Angeklagte aus Nachrodt-Wiblingwerde blieb bei seiner Linie und schwieg zu den Vorwürfen. 

Der ehemalige Mitarbeiter des Ennepetaler Metallhandelsunternehmens legte hingegen erneut ein umfassendes Geständnis ab und belastete seinen Mitangeklagten. Dieser habe ihm im Auftrag des Schalksmühler Schrotthandels pro Lieferung 150 Euro Schmiergeld gezahlt, erklärte der 49-Jährige. 

Die Initiative für die Zahlungen sei dabei von dem Nachrodter ausgegangen. „Er fragte, ob man da nicht was machen könne.“ Nach kurzem Zögern sei er wegen eigener finanzieller Probleme auf dieses Angebot eingegangen. 

Auf eigene Probe verzichtet

Offenbar beruhigte sich der Bestochene damit, dass angeblich nur zwei bis drei Prozent weniger Kupfer in den gelieferten Messingstäuben enthalten sein sollten. 

„Haben Sie nicht darüber nachgedacht, dass sich der ganze Aufwand für so einen kleinen Prozentsatz nicht lohnt?“, wunderte sich der Vorsitzende Richter Andreas Behrens. 

Der 49-Jährige berichtete, dass sich die beiden Männer zur Übergabe des Geldes im Ennepetaler Büro oder in der Nähe des dortigen Metallverwerters getroffen hätten. Daraufhin habe er auf das Ziehen einer Materialprobe aus den Lieferfahrzeugen verzichtet und stattdessen vorbereitete Proben zur Analyse gegeben, die gleich aus Schalksmühle mitgeliefert wurden. 

Auf diese Weise sei das Ennepetaler Unternehmen über Jahre hinweg über den minderen Wertstoffgehalt der angelieferten Messingstäube getäuscht worden.

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