Kunst gegen die Angst vor dem Zahnarzt

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Kunst im Behandlungszimmer: Doris Schulte (links) stellt ihre Bilder aktuell in der Praxis von Zahnärztin Michaela Christodoulakis aus.

Nachrodt-Wiblingwerde – Blau beruhigt. Nicht schlecht, wenn man gerade auf dem Behandlungsstuhl in der Zahnarzt-Praxis Platz nimmt. Bei Zahnärztin Michaela Christodoulaki gibt es nun Kunst zur Entspannung.

Das weiße Neckholderkleid flattert ungestüm im Wind – ebenso wie die langen, dunklen Haare der schönen Frau, die mit nackten Füßen am brausenden Meer steht. Einmal stürmt sie geradezu auf die blauen Wellen zu, im zweiten Bild wendet sie sich vom Sturm ab. Ganz besonders ist die Technik mit Japanpapier, sodass das Kleid aus dem Bild heraus weht. 

Die Strandlady im Doppelpack ist so faszinierend anzusehen, dass die Patienten im Behandlungsstuhl einen Moment innehalten. Kunst als Beitrag zum Wohlfühlen in einer Umgebung, die man nicht unbedingt sofort mit Kunst und nicht mit Begeisterung in Verbindung bringt. 

Denn die Bilder von Doris Schulte sind bei Zahnärztin Michaela Christodoulakis an der Altenaer Straße 47 zu sehen. Im Wartezimmer und in den Behandlungsräumen sind Werke der Nachrodt-Wiblingwerder Künstlerin aufgehängt. „Wir haben uns sofort sehr gut verstanden“, sagt Doris Schulte, die als Patientin in die Praxis für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde kam.

„Wir haben die Bilder so aufgehangen, dass die Patienten sie gut sehen können“, sagt Michaela Christodoulakis, die gern Blautöne mag. „Blau wirkt sehr entspannend und beruhigend“, weiß die Zahnärztin. Und so beginnt das Schauen und Staunen direkt im Wartezimmer, wo ein Europabild von Doris Schulte hängt. 

Gemalt für eine Ausstellung des Kunstvereins Iserlohn, dem Doris Schulte seit fünf Jahren angehört, sind Geldscheine – auch längst vergessene – aus allen 28 Mitgliedsstaaten der EU zu sehen. Von vielen Reisen mitgebracht, sind die Noten nun verewigt – mit Spachteltechnik. Auch Zeus und die Göttin Europa sind zu sehen.Ein bisschen griechische Mythologie in der Praxis erscheint geradezu passend, hat doch Michaela Christodoulakis griechische Wurzeln.

Seit Anfang Juli ist die Kunst von Doris Schulte in der Praxis ausgestellt – und auch käuflich zu erwerben. Die 70-Jährige hat vor elf Jahren ihre Liebe zum Malen entdeckt. „Es bedeutet für mich Entspannung“, sagt die sympathische Nachrodterin, die zu Hause in ihrem Atelier, aber auch zwei Mal in der Woche beim Kunstverein Iserlohn malt.

 „Die Lehrerin steht mit der Peitsche hinter mir“, sagt Doris Schulte lachend. Sie malt mit Acryl oder Pastellkreide, ihre Lieblingsthemen sind Menschen, „aber ein bisschen abstrakt“. Manchmal werden auch Bilder direkt in Auftrag gegeben, wie aktuell zwei Katzen und ein Garten als Überraschungsgeschenk. 

„Aber jedes Mal, wenn ich ein Bild für jemanden male, muss er es nicht nehmen. Ich habe zu Hause alle Wände bestückt. Und für Ausstellungen benötige ich immer 20, 25 Bilder.“ Neun Ausstellungen im Jahr sind für Doris Schulte schon gang und gäbe. Aktuell sind Bilder von ihr auch in einem Altenzentrum in Iserlohn zu sehen, ab August dann in Schwerte. 

Nachrodt-Wiblingwerde ist ein wenig kulturelles Ödland – findet Michaela Christodoulakis. „Man muss etwas hier- hin holen.“ Nicht nur für ihre Patienten, auch für sich selbst und ihre Mitarbeiterinnen Annette Scharschmidt, Diana Siemens und Ceren Caliskan sieht die Zahnärztin eine Bereicherung durch die gezeigte Kunst in der Praxis. 

Auch zu bewundern: Frankreich. Normandie. Steilküste. Wer dieses Bild von Doris Schulte betrachtetet, wird erstaunt sein. Es hat zwei Wetterlagen. „Wenn das Licht an ist, dann sieht es nach einem Sommertag aus“, sagt die Zahnärztin, „ist das Licht aus, haben wir einen Regentag.

Man hat das Gefühl, dass das Bild lebt“, freut sich Michaela Christodoulakis und bekommt auch nur positive Rückmeldungen von ihren Patienten. Diese werden übrigens schon am Eingang recht ungewöhnlich begrüßt: von Erzengel Michael mit dem Schwert. Er ist der Schutzpatron für Michaela.

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