Brettken-Ensemble beklagt Besucherschwund

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Dr. Michael Podworny (M.), hier in der Rolle von Kommissar Scholz in der aktuellen Produktion, ist die bisher niedrige Besucherzahl ein Rätsel.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Die bisherige Besucherbilanz des Amateurtheaters Brettken am Drögen Pütt fällt bescheiden aus: Gerade einmal etwas mehr als 120 Theaterfreunde haben die ersten drei Aufführungen der Kriminalkomödie „Heiße Bräute machen Beute“ verfolgt.

Nicht nur der Vorsitzende des Kulturverbandes Nachrodt-Wiblingwerde, Hans-Jürgen Hohage, ist alarmiert. Er habe sich am Wochenende eine Aufführung angesehen, berichtete Hohage gestern dieser Zeitung. „Das Stück ist gut, aber es waren nur rund 30 Besucher da“, wunderte er sich über die schwache Resonanz. „Natürlich kann man niemanden zwingen, sich das anzusehen, aber der eine oder andere sollte sich mal überlegen, was es bedeutet, wenn Vereine so etwas auf die Beine stellen“, sagte Hohage und könnte sich durchaus mehr Solidarität unter den kulturschaffenden Vereinen vorstellen. „Wenn unser Chor ein Konzert gibt und kaum jemand kommt, überlegen wir uns doch auch, ob wir das noch einmal machen!“

Auch die wirtschaftlichen Folgen für das Theaterensemble gab Hohage zu bedenken. „Von den Eintrittseinnahmen müssen die doch sämtliche Kosten decken“, dachte er an die ehrenamtlichen Schauspieler. Tatsächlich ist es so, dass das Amateurtheater mit Kosten von rund 300 Euro pro Aufführung kalkulieren muss. Aufführungsrechte, Versicherungen, Raummieten, technische Ausstattung, Kulissen und Kostüme – all das kostet Geld. Regisseur Dr. Michael Podworny, der seit Jahren über die Besucherzahlen Statistik führt, wäre mit einer Besucherzahl von 400 bis 450 bei den insgesamt sechs Aufführungen schon zufrieden. Nach drei Aufführungen ist aber noch nicht einmal ein Drittel davon erreicht. Nach dem ebenfalls nur durchwachsenen Publikumserfolg des Märchens „Der kleine Muck“ im vergangenen Winter droht nun eine richtige Pleite. Podworny ist zwar noch relativ gelassen („Erfahrungsgemäß sind die ersten Aufführungen immer schwächer besucht.“), aber die zur Halbzeit zu Buche stehenden Besucherzahlen enttäuschen ihn doch. „Mit 60 bis 70 Zuschauern pro Aufführung habe ich schon gerechnet“, gibt er zu.

Neben den finanziellen Schwierigkeiten, die eine so schlechte Besucherresonanz für die kleine Schauspieltruppe nach ziehen würden, drücken leere Stuhlreihen auch auf die Stimmung der Akteure, die rund ein halbes Jahr Probenarbeit in die Aufführungen gesteckt haben. „Es fehlt ganz einfach die Atmosphäre, weil sich fast niemand traut, einmal laut zu lachen oder Szenenapplaus zu spenden“, beschreibt Podworny die Stimmung im Saal der Rastatt. Und nicht zuletzt seien hohe Besucherzahlen für die Laiendarsteller auch Wertschätzung und Anerkennung ihrer kulturellen Arbeit für die Allgemeinheit.

Woran es liegt, dass das Brettken-Ensemble seit einiger Zeit vor so vielen leeren Stühlen spielen muss, kann sich Podworny nicht erklären. Die Ursache dürfte vielschichtig sein. So leidet das Amateurtheater ganz sicher unter mangelnder Popularität in der Doppelgemeinde. „Wir hatten schon Besucher aus Wuppertal, die ihre Bekannten hier erst darauf aufmerksam machen mussten, dass es uns gibt“, wundert sich Podworny. Auch könnte sich gerade wieder ein Wechsel des Stammpublikums vollziehen. „Das hatten wir vor ein paar Jahren schon einmal, dass plötzlich ganz viele regelmäßige Besucher nicht mehr gekommen sind“, erinnert sich der Regisseur. Neue Besucher hätten diese Lücken aber wieder gefüllt.

Darauf hofft Podworny auch diesmal. „Eigentlich brauchen wir jedes Jahr fünf bis zehn Prozent Zuwachs“, lautet seine Rechnung für Erfolg, doch er ahnt auch: „Wenn alles so weiter bröckelt wie bisher, gibt's hier in zehn Jahren nichts mehr!“

Noch drei Mal führt das Brettken-Ensemble „Heiße Bräute machen Beute“ auf: am Mittwoch, 10. Juli, am Samstag, 13. Juli, und am Sonntag, 14. Juli, jeweils ab 20 Uhr (Einlass: 19 Uhr) in der Rastatt. Vorher und in der Pause gibt‘s Getränke und einen Imbiss. Platz ist für 110 Zuschauer. Der Eintritt kostet 8 Euro, für Kinder und Jugendliche 4 Euro. ▪ Volker Griese

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