Travestiekünstler hat „Kreuz wie ein Holzfäller“

„Privat ziehe ich keine Frauenkleider an“, sagt Lars Giesen.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Er – also sie – trägt eine Strumpfhose aus dem Eiskunstlauf – blickdicht. Damit man die Haare nicht sieht. „Rasieren ist nicht mein Ding“, lacht Lars Giesen, der am Samstag  (20. Januar) als Danielle Thompson die Magie der Travestie in der Rastatt präsentiert. Im Vorfeld lüftet er – also sie – ein paar Geheimnisse.

 Alles, was das Showgeschäft zu bieten hat, soll am Samstag auf der Bühne zu hören und zu sehen sein: Schlager, Evergreens, Tanz, Gesang, Parodie. Es wird bunt, es wird schrill. Und Lars Giesen freut sich sehr auf das Nachrodter Publikum, dem er die größte Verwandlung, die ein Mann durchmachen kann, direkt vor Augen führen möchte.

„Plötzlich bin ich ein anderer Mensch“, sagt der Künstler. Sagt die Künstlerin. Die Bühnenfigur ist ein eigenständiger Charakter. Als Danielle Thompson ist er die Frau mit der bösesten Zunge des Ruhrgebiets. „Die Figur ist gnadenlos ehrlich“, schmunzelt Lars Giesen im AK-Gespräch und liebt auch deshalb die Verwandlung so sehr, weil „die starke Maskierung es ermöglicht, auch Dinge auszusprechen, die man sonst nicht aussprechen würde.“

Ein Vamp, der auch etwas Liebeswertes an sich hat – so könnte man es auf den Punkt bringen. Mann oder Frau. Frau oder Mann: Auf der Bühne stellt sich die Frage nicht. Da ist Lars Giesen Danielle Thompson. Der gelernte Maskenbildner hat 30 Bühnenoutfits, unter denen er einen hautfarbenen Body trägt, damit er seine Brustbehaarung behalten kann. Und auch die Tattoos sieht das Publikum nicht.

Ein gelungener Abend ist für ihn, wenn der Funke zum Publikum überspringt, wenn sich die Gäste in der Rastatt verzaubern lassen. Vorurteile, ja die gebe es natürlich immer noch. Und Halbwahrheiten auch. Die Travestieshow sei die Kunst der Verwandlung, schlicht eine Bühnenshow. „Privat ziehe ich keine Frauenkleider an“, lacht Lars Giesen, der auch Bartträger ist. „Der muss dann zur Show runter. Kostüme von der Stange kann er auch nicht tragen. Bei 1,96 Meter und einem „Kreuz wie ein Holzfäller“ muss eine eigene Kostümbildnerin Nadel und Faden anlegen.

Übrigens: Die Figur Danielle Thompson hat eigentlich gar kein Alter. Sie ist mal ein junger Hüpfer, dann eine gestandene Dame. „So kann sich jede Dame im Zuschauerraum mit ihr identifizieren“, verspricht Lars Giesen. Und so könne man die Figur auch altern lassen. Aus seiner Sicht haben Mary und Gordy, Georg Preuße (Mary) und Reiner Kohler (Gordy), die Travestiekunst salonfähig gemacht – und „aus dem Schmuddelimage herausgeholt.“ Und auch wenn sein Vater zu Beginn seiner Karriere eher skeptisch war, „so hat die Familie eigentlich immer hinter mir gestanden.“

Danielle Thompson schminkt sich auf der Bühne übrigens ab – ganz klassisch – und entpuppt sich als Lars Giesen. Beginn ist am kommenden Samstag, 20. Januar, um 20 Uhr, Einlass ist um 19 Uhr. Veranstalter ist der Kulturschock. Zu Nachrodt hat der Künstler, die Künstlerin übrigens eine ganz besondere Verbindung. 2009/2010 hat Lars Giesen das Bretten am drögen Pütt als Maskenbildner unterstützt.

„In der Lennehalle habe ich zum Beispiel für ‘Kleiner König Kalle Wirsch“ die Maske gemacht und teilweise auch die Kostüme genäht. Das hat Spaß gemacht.“ Bis heute sind bereits 110 Karten für die Show am Samstag verkauft. 30 bis 40 sind noch zu haben. Es gibt allerdings nur noch Tickets bei Edeka oder im Online-Ticketshop unter www.kulturschock-nawi.de. Die Karten kosten 17,70 Euro.

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