Kritiker befürchten einen „Verkauf auf Raten“

Interkommunale Zusammenarbeit: Bei der Einwohnerversammlung am 10. Januar sprachen die Fraktionsvorsitzenden – jetzt melden sich die Gegner aus der Bevölkerung zu Wort. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ So einfach, wie es zunächst schien, wollen die Bewohner der Doppelgemeinde wohl doch nicht hinnehmen, dass sie sich demnächst einen Teil ihrer Infrastruktur mit der Stadt Altena teilen sollen.

Nach der Bürgerinformation Anfang Januar sind bei der Gemeindeverwaltung mehrere Schreiben eingegangen, in denen die Pläne zur interkommunalen Zusammenarbeit kritisiert werden.

Dass die Gemeinde Einsparungen vornehmen muss, um ihren maroden Haushalt in den Griff zu bekommen, sehen die meisten Menschen in Nachrodt-Wiblingwerde offenbar ein. Allerdings glauben sie nicht, dass die Einsparungen, die die Kooperation mit Altena mit sich bringen soll, hoch genug sind, um die Übernahme von Teilen der Verwaltungsarbeit und insbesondere der Arbeit des gemeindlichen Bauhofes durch die Nachbarstadt zu rechtfertigen. In einem Schreiben wird ein „Verkauf auf Raten an Altena“, in einem anderen ein „Ausverkauf an die Stadt Altena“ befürchtet.

In den Zuschriften, die der Verwaltung bis Ende Januar zugegangen sind, wird immer wieder kritisiert, dass die Bauhöfe von Nachrodt-Wiblingwerde und Altena zusammengelegt werden sollen. Die Einrichtung der Doppelgemeinde leiste insbesondere im Winter vorzügliche Arbeit, betonen mehrere Kritiker der interkommunalen Zusammenarbeit. Einige befürchten, dass ein gemeinsamer Bauhof der beiden Nachbarkommunen die Befahrbarkeit der Straßen bei Eis und Schnee nicht mehr so gut gewährleisten könnte. Auch wird der Gemeinde angelastet, zu viele Arbeiten, die eigentlich der Bauhof erledigen könnte, an private Unternehmen zu vergeben.

Auch die Tatsache, dass die Gemeinde mit der Gaststätte Zur Rastatt über einen eigenen Gastronomiebetrieb verfügt, wird kritisiert. Es wird gefordert, die Immobilie zu verkaufen. Hinter der Tatsache, dass dies nicht längst schon gesehen ist, vermutet ein anderer Kritiker „persönliche Emotionen“ und vermisst „rationales Denken“. Ein weiterer flüchtet sich in Sarkasmus: „So lange sich die Gemeinde eine eigene Gastronomie leisten kann, können die Probleme nicht groß genug sein“, schreibt er.

Einsparmöglichkeiten sehen einige Einwohner der Doppelgemeinde auch im personellen Bereich. So wird – wie auch schon in der Bürgerversammlung – kritisiert, dass die Gemeinde über drei stellvertretende Bürgermeister verfügt. Allerdings ist zu vermuten, dass viele das hier liegende Einsparpotenzial überschätzen: die drei stellvertretenden Bürgermeister, die ausschließlich repräsentative Aufgaben übernehmen, erhalten lediglich eine Aufwandsentschädigung von insgesamt rund 1125 Euro im Monat. Der 3. stellvertretende Bürgermeister erhält somit rund 3300 Euro im Jahr.

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Geteilter Meinung sind die Nachrodt-Wiblingwerder offensichtlich, was die Zusammenlegung der Standesämter und der Fachbereiche Soziales angeht. Teilweise wird dieses Vorhaben begrüßt, vielfach werden aber auch längere Warte- und Bearbeitungszeiten und schlechterer Service befürchtet.

In vielen Zuschriften beklagen die Verfasser auch, dass die Verwaltung bisher nicht genau genug beziffern konnte, wieviel Geld durch die interkommunale Zusammenhang überhaupt eingespart werden könnte. Die bisherigen Angaben seien zu vage, zu wenig transparent, wird immer wieder beklagt. Darüber hinaus regen einige an, die Bevölkerung am weiteren Planungsprozess stärker zu beteiligen. Sogar von einem Arbeitskreis ist die Rede, in dem kompetente und am Thema interessierte Einwohner ihr Fachwissen unentgeltlich einbringen könnten.

Mit den Zuschriften aus der Bevölkerung wird sich der Gemeinderat in seiner nächsten öffentlichen Sitzung am Montag, 13. Februar, ab 17 Uhr in der Gaststätte Zur schönen Aussicht befassen. Dann stehen auch schon Beschlüsse über den Abschluss von öffentlich-rechtlichen Vereinbarungen auf der Tagesordnung, in denen die Kooperation Nachrodt-Wiblingwerdes mit der Stadt Altena auf den Gebieten Schule und Standesamt/Soziales geregelt werden soll. ▪ vg

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