Diebe mögen vermeintlich sichere Geldverstecke

Kriminalhauptkommissar Frank Enser gab bei der Evangelischen Frauenhilfe Wiblingwerde Tipps, wie man dafür sorgen kann, dass ungebetene Gäste tatsächlich draußen bleiben. Foto: Griese

Nachrodt-Wiblingwerde - Frank Enser kennt viele der so genannten besten Verstecke für Geld und Wertsachen: Die Mehl- oder Zuckerdose in der Küche, die schmutzige Wäsche im Schlafzimmer oder die Schrankrückwand im Wohnzimmer. Für die Evangelische Frauenhilfe Wiblingwerde hatte der Kriminalhauptkommissar aber bessere Tipps parat.

Der 57-jährige Polizeibeamte war nach Wiblingwerde gekommen, um mit den Frauen über die Gefahren zu sprechen, die an der Haustür lauern. „Durch richtiges eigenes Verhalten lässt sich zu fast 100 Prozent verhindern, dass man Opfer solcher Straftaten wird“, versicherte Enser den ungläubig blickenden Frauen. Und er hielt ihnen zur Bestätigung den Spiegel vor: Aus reiner Höflichkeit wird dem Fremden, der um eine Gefälligkeit bittet, nicht die Tür vor der Nase zugemacht, der angebliche Stadtwerke-Mitarbeiter wird nicht nach seinem Dienstausweis gefragt und der Mann vom Wasserwerk wird arglos allein in den Keller geschickt. Dabei könnten alle drei es nur darauf abgesehen haben, an das Geld oder die Wertsachen der Bewohner zu gelangen – entweder selbst oder mit Hilfe eines Komplizen. „Diese Leute entwickeln immer neue Ideen, um an das Geld anderer Leute zu kommen“, wusste Enser, dass die Spielarten solcher Beutezüge mannigfaltig sind. Ein gesundes Misstrauen Fremden gegenüber sei deshalb angebracht. „Sie alleine entscheiden, wer Ihre Wohnung betreten darf – und wann“, schrieb der Kriminalbeamte den Frauen ins Stammbuch. Auf Diskussionen darüber müsse man sich nicht einlassen, und auch Drohungen müsse man nicht akzeptieren. „Bei einem Verdacht sollten Sie stattdessen immer die Polizei rufen, auch wenn Ihnen nichts passiert ist“, riet Enser. „Denn vielleicht bewahren Sie dadurch Ihre Nachbarn davor, zum Opfer zu werden.“

Frank Enser wies auch auf bauliche Möglichkeiten hin, die verhindern können, dass Kriminelle in der Wohnung Beute machen können. Ein Türspion beispielsweise können schon vor dem Öffnen der Tür verraten , wer davor steht und wer sich eventuell noch im Verborgenen hält. Eine Türkette – oder noch besser und stabiler: ein Kastenzusatzschloss – ermögliche, die Tür einen Spalt weit offen stehen zu lassen, ohne dass ungebetene Gäste eindringen können. „Das alles kostet nicht viel Geld“, betonte Enser und fügte mit Blick auf Weihnachten hinzu: „Man kann es sich aber auch schenken lassen!“

Ratsam sei auf jeden Fall, keine größeren Geldbeträge in der Wohnung aufzubewahren, sagte Enser. Sollte das dennoch notwendig sein, seien sie in einem Möbeltresor und zumindest in einer fest angeschraubten – und verschlossenen – Geldkassette besser aufgehoben als in anderen vermeintlich sicheren Verstecken.

Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnehmen doch einmal zur Konfrontation mit einem Dieb, riet Enser dazu, nicht den Helden zu spielen. „Lassen Sie den Dieb unter allen Umständen laufen, verständigen Sie dann aber umgehend die Polizei“, lautete sein Rat. - Volker Griese

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