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Kriegsgräber können nicht verlegt werden

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Kaum zu erkennen, deshalb sollen auch die Inschriften auf den Grabplatten erneuert werden.
Kaum zu erkennen, deshalb sollen auch die Inschriften auf den Grabplatten erneuert werden. © Fischer-Bolz, Susanne

Man steigt durch Gestrüpp, vorbei an drei Kreuzen und einem Haufen vergessener, zerbrochener Grabsteine. Ganz hinten auf dem ehemaligen, „abgeräumten“ Friedhof am Langenstück sind sie dann, die Kriegsgräber. Sie können nicht verlegt werden.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die russische Föderation gibt ihre Zustimmung nicht. Der Plan war, die Gräber an einen würdigen Platz nach Wiblingwerde zu verlegen. Doch auch im zweiten und dritten Anlauf gab es keine Zustimmung. Gekümmert hatte sich die Bezirksregierung und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Und so bleiben die Gräber am Langenstück. Nun gibt es eine kleine Lösung, um die Umstände vor Ort zu verbessern.

Zwangsarbeiter

Die Ewigkeitsgräber: Begraben sind dort sechs Zwangsarbeiter, fünf russische und ein polnischer, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren haben. Die Namen stehen auf den Grabsteinen, sind aber fast nicht mehr zu entziffern. „Die Schriftzüge werden aufgearbeitet“, sagt Manon Schacht-Dietz, Verwaltungsmitarbeiterin im Bauamt, die mit dem stellvertretenden Fachbereichsleiter Roland Roczniok vor Ort war. Getroffen haben sie sich auch mit Pastor Kube und Presbyter Rolf Stiebing. „Das Gelände wird von der evangelischen Kirchengemeinde noch überarbeitet“, sagt Manon Schacht-Dietz.

Würdige Ruhestätte

Sodann soll es eine Zuwegung zu den Kriegsgräbern geben und auch einen Zaun, der sie vom Rest des Geländes abtrennt. Die Kosten für den Weg und die Zäune werden von der Bezirksregierung übernommen, die Gemeindeverwaltung kümmert sich um ein Schild am Eingang, das auf die Kriegsgräberstätte hinweist. In Nordrhein-Westfalen gibt es mehr als 200000 Einzel- und Sammelgräber, in denen Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft bestattet sind. Ihre Ruhestätte haben dort 22000 Opfer, zumeist Soldaten, des Ersten Weltkrieges und 310000 Opfer des Zweiten Weltkrieges – 70000 Soldaten, 67000 deutsche Zivilisten, 173000 Kriegsgefangene und ausländische Zwangsarbeiter – gefunden. Alle Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft bleiben bestehen. Jedes Grab muss eine würdige Ruhestätte sein. Daran muss in Nachrodt gearbeitet werden.

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