Klimawandel bedroht den „Brotbaum“ der Forstwirte

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Dr. Christoph Mathias Niesar vom NRW-Landesbetrieb Wald und Holz erläuterte den Waldbauern, wie sich der Klimawandel auf den Waldschutz auswirken wird.

Nachrodt-Wiblingwerde - „Die Preise sind gut. Was fehlt, ist Holz.“ So ist die aktuelle Situation des Waldbauernverbands Märkischer Kreis knapp auf den Punkt gebracht. Vorsitzender Franz Schulte-Berge (Menden) begrüßte am Montag knapp 40 Waldbauern zur Jahreshauptversammlung in Veserde, um über aktuelle Themen zu sprechen.

Dr. Christoph Mathias Niesar aus dem Schwerpunktbereich Waldschutzmanagement im NRW-Landesbetrieb Wald und Holz erklärte, dass jetzt die Weichen für die Zukunft des Waldes gestellt werden müssen.

Franz Schulte-Berge begrüßte auch Mitglieder aus Kreisverwaltung und Landtag zur Versammlung, um auch die Politik auf die Probleme der Zukunft aufmerksam zu machen. Die stellvertretende Landrätin Renate Schulte-Fiesel, die Kreistagsmitglieder Detlef Seidel, Hermann Reyher und Dieter Grafe verfolgten die Versammlung ebenso wie die Landtagsabgeordnete Inge Blask. Franz Schulte-Berge fasste sich kurz in seinem Jahresbericht. Die Landesregierung sei im vergangenen Jahr mit der Änderung des Landesforstgesetzes und des Landesjagdgesetzes ordentlich in Schwung gekommen. Der Vorsitzende der Kreis-Waldbauern will die örtlich relevanten Themen an die Politik herantragen.

Was jetzt für den heimischen Wald wichtig ist, erläuterte Dr. Christoph Mathias Niesar in seinem Vortrag über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Waldschutz. Zunächst warf der Referent ein Szenario an die Wand: Sinke die globale Durchschnittstemperatur um 5 Grad Celsius, könnte Nordeuropa bequem zu Fuß über eine dicke Eisschicht erwandert werden. Einen solchen Temperatursturz hat die internationale Politik durchaus im Blick – nicht so krass dargestellt, wie in der Hypothese, aber ausreichend, um Wäldern in Europa noch eine Chance zu geben.

„Ein milder Winter, wie wir ich gerade hinter uns haben, wird im letzten Drittel dieses Jahrhunderts die Regel sein”, erklärte der Waldschutzmanager. Dass Witterungsextreme wie niederschlagsreiche Winter und trockene Sommer zur Regel würden, sei statistisch abgesichert. Der Mensch müsse sich dem anpassen und den Wald bereits jetzt vorbereiten. Eschen beispielsweise überlebten nicht auf Böden mit einem PH-Wert unter 4,8. Neue Kulturen dieser Baumart anzupflanzen lohne kaum, insbesondere nicht auf feuchten Standorten. „Setzen sie auf natürliche Verjüngung“, riet Dr. Christoph Mathias Niesar seinen Zuhörern. Bäume mit verlichteten Kronen seien idealerweise zu entfernen. Starke Eschen seien vor anderen Bäumen, die sie in ihrem Wachstum bedrängen können, zu schützen. „Langfristig wird die Buche über die Esche gewinnen“, prognostiziert Niesar mit Bedauern. Ein Baum mit hervorragendem Holz werde sukzessive aus dem Wald verdrängt.

Einer ähnlichen Gefahr sei auch die Fichte ausgesetzt: Der „Brotbaum“ der Forstwirtschaft sei stark vom Klimawandel bedroht. Temperaturextreme und ein gutes Brutraumangebot machten es dem Borkenkäfer in seinem Bestreben, sich zu vermehren, ganz einfach. „Monitoring“ sei das Stichwort in dieser Angelegenheit: Der Mensch müsse die Vorkommen der Schädlinge genau beobachten und selbst eingreifen. Eine Fichte schaffe es innerhalb von 100 Jahren gerade mal eine Generation aufzubauen – ein Borkenkäfer in der gleichen Zeit 300 Generationen.

Nicht jeder tote Baum sei allerdings schlecht für den Wald, erklärte Niesar: Waldbauern, die Totholz stehen ließen, erhöhten durch die Schaffung von Lebensraum für andere Waldbewohner die Biodiversität im Umfeld. In welchem Umfang Totholz erhalten werde, sei allerdings eine persönliche Gewissensfrage. Der Referent riet den Waldbauern dringend, sich auf den Internetseiten des NRW-Landesbetriebs Wald und Holz über die aktuell notwendigen Waldpflegemaßnamen zu informieren, um den heimischen Lebensraum fit für die Zukunft zu machen. - Ina Hornemann

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