Beauty-Kur für Milchkuh „Goldfee“

+
Günter Buttighoffer (hinten) beobachtet, wie Fabian Hedfeld (l.) seine Holsteiner-Kuh „Goldfee“ für die Kreistierschau herausputzt.

Nachrodt-Wiblingwerde - Ganz ruhig steht sie da, die Holstein-Friesian-Kuh von Günter Buttighoffer – obwohl ihr Fabian Hedfeld gerade mit einem elektrischen Rasierer das Fell schert. Sie soll ja schön aussehen, wenn sie am Sonntag, 20. Juli, bei der Kreistierschau in Hemer den Juroren vorgestellt wird.

Was Landwirte und Pressevertreter auf dem Hof Buttighoffer in Wiblingwerde erleben, nennt sich Kuh-Fitting. „Wir heben die Stärken des Tieres hervor und verdecken seine Schwächen“, erklärt Fabian Hedfeld, worauf es ankommt, wenn er eine Kuh hübsch macht für besondere Anlässe. Wenn der Junglandwirt und Kuhfitter aus Kierspe in Aktion tritt, genießen die Wiederkäuer ein regelrechtes Beautyprogramm: Sie werden gewaschen, gekämmt, geschoren und geföhnt. Schließlich sollen sie bei top aussehen und einen guten Eindruck hinterlassen, wenn sie einer Jury vorgeführt werden.

Die Prozedur steht auch Günter Buttighoffers Kuh „Goldfee“ bevor, obwohl der Besitzer von den Qualitäten seines viereinhalbjährigen Tieres überzeugt ist: „Sie ist eine der besten in unserem Stall, deshalb bringen wir sie ja auch zur Kreistierschau“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes. Doch die Vorzüge eines Tieres müssen eben auch richtig zur Geltung gebracht werden, und dafür ist dann Fabian Hedfeld da. Das Fell der Kuh schert er bis auf wenige Millimeter herunter, damit die Wertungsrichter den Körperbau des Tieres besser beurteilen können. Das Euter wird sogar fast kahl rasiert, damit ein freier Blick auf dieses wichtige Organ der Milchkuh möglich ist.

Andere Maßnahmen dienen eher dazu, leichte Makel zu kaschieren, denn nicht jede Kuh ist eine perfekte Schönheit. Beispielsweise gilt ein gerader Rücken als Idealbild für eine Holstein-Kuh. Hat die Natur in diesem Punkt einen anderen Geschmack gehabt als die Juroren, muss Fabian Hedfeld mit legalen Tricks nachhelfen: Mit Bürste und Fön sorgt er dann dafür, dass die Haare der Oberlinie so aufgerichtet sind, dass die Rückenlinie gerade erscheint.

Fein herausgeputzt wird sich „Goldfee“ also am 20. Juli im Sauerlandpark Hemer mit anderen Stall-Beauties aus dem Kreis messen. In vier Kategorien, unterschieden nach der Zahl der von ihnen geborenen Kälber, treten die Milchkühe der heimischen Züchter gegeneinander an. Dazu wird dann noch die beste Euterkuh gekürt – und nicht zuletzt die „Miss Hemer“, die beste Kuh aller Klassen. Für Günter Buttighoffer ist klar, wie seine „Goldfee“ abschneiden wird: „Sie wird den 1. Preis holen, das ist doch klar“, sagt er augenzwinkernd.

Was auf Laien wie ein Spaßwettbewerb wirkt, hat für die Züchter einen durchaus ernsten Hintergrund. Bei Tierschauen gut bewertete Kühe sind wertvoller, was auch für die mit ihnen gezüchteten Nachkommen gilt. „Wir haben einige sehr gute Zuchtbetriebe, für die ist das ein ernsthafter Wettbewerb“, betonte Thomas Gülicher, Vorsitzender der Tierzüchtervereinigung Märkischer Kreis/Ennepe-Ruhr/Hagen. Er ist auch stolz darauf, dass die Züchter mehr als 70 Tiere für die Rassenschau im Sauerlandpark angemeldet haben. Rainer Jahn, Geschäftsführer der Tierzüchter, ahnt, dass das auch eine logistische Herausforderung wird. „Es ist nicht ganz leicht, mit den Tieren anzureisen, sie vorzubereiten und einen sicheren Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten.“

Die Kreistierschau soll aber nicht nur eine Leistungsdemonstration fürs Fachpublikum werden. Vielmehr laden die heimischen Landwirte jedermann dazu ein, sich am 19. und 20.Juli im Sauerlandpark ein Bild von ihrer Arbeit zu machen. „Interessierte können viel über die Landwirtschaft im Sauerland erfahren“, betonte Helmut Eckern, Landwirt aus Meinerzhagen und Vorsitzender im Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit des Landwirtschaftlichen Kreisverbands. Deshalb wird die Tierschau auch in einen großen Bauernmarkt mit rund 60 rustikalen Ständen eingebettet. Eine historische Käserei gehört dabei zu den Highlights. Und weil der Bauernmarkt Lernen und Spaß verbinden soll, können Kinder auch selbst Butter herstellen.

Der Bauermarkt im Sauerlandpark ist am 19. und 20. Juli jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 3,50 Euro. Kuhfitting können die Besucher samstags um 13 und um 15.30 Uhr erleben, die Kreistierschau beginnt am Sonntag um 11 Uhr, die Siegerehrung ist für 15 Uhr vorgesehen. - Volker Griese

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare