Gemeinde soll Platz schaffen für Behinderte

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NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Mit der Optimierung des Schülerverkehrs und der Forderung nach gemeinsamem Unterricht für Schüler mit und ohne Behinderung hatte sich der Schulausschuss der Gemeinde am Montagabend auseinanderzusetzen.

„Das ist doch 'ne Lachnummer“, kommentierte die Schulausschussvorsitzende Susanne Jacoby (SPD) die Pläne des Märkischen Kreises für den Schulbusverkehr. Der Kreis hatte ein Berliner Verkehrsplanungsunternehmen mit der Optimierung des Schülerverkehrs beauftragt – mit dem Ergebnis, dass der Unterrichtsbeginn an den Grundschulen in der Doppelgemeinde, aber auch an der Albert-Schweitzer-Hauptschule und der Sekundarschule ab dem Schuljahr 2013/14 deutlich voneinander unterscheiden sollten (wir berichteten). Rund 400 000 Euro jährlich könne der Kreis durch die favorisierte Variante kreisweit einsparen, berichtete Gemeindekämmerin Gabriele Balzukat den Ausschussmitgliedern und wies darauf hin, dass über die Kreisumlage auch die Gemeinde von einer solchen Einsparung profitieren könne. Von einer Einsparung zulasten der Familien und Kinder wollte Johannes Illerhaus, Schulleiter der Grundschule Nachrodt, allerdings nichts wissen. „In dieser Form werde ich das niemals mitmachen“, kündigte er an.

Als Schulleiter hat er allerdings so gut wie kein Mitspracherecht. Allerdings gehe sie davon aus, dass die Schulträger, also in aller Regel die Städte und Gemeinden, den Veränderungen zustimmen müssten, sagt Balzukat. Und da hat sich die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde bereits deutlich positioniert und gegenüber dem Märkischen Kreis und dem Berliner Unternehmen Bedenken angemeldet. Bis jetzt habe zumindest erreicht werden, berichtete die zuständige Sachbearbeiterin Claudia Meulenberg, dass die Pläne noch einmal überarbeitet werden sollen.

Außerdem musste sich der Schulausschuss am Montag mit der Frage auseinandersetzen, wie demnächst behinderte Schüler in den ganz normalen Schulunterricht integriert werden sollen. Mit dem 9. Schulrechtsänderungsgesetz verfolgt die Landesregierung das Ziel, das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen auszubauen. Behinderte sollen zukünftig in der Regel an allgemeinen Schulen unterrichtet werden, wenn sich die Eltern nicht ausdrücklich für eine Förderschule entscheiden.

Die Sekundarschule könnte schon im nächsten Schuljahr vor der Aufgabe stehen, auch behinderte Schüler unterrichten zu müssen. Das jedenfalls habe der Märkische Kreis der Schulleitung signalisiert, teilte die Gemeindeverwaltung dem Schulausschuss am Montag mit. Sowohl die Schulleiterin als auch die Gemeinde haben darauf zunächst skeptisch reagiert und auf die räumliche Enge in dem Schulgebäude im Holensiepen verwiesen. In der Ausschusssitzung am Montag relativierte Kämmerin Gabriele Balzukat diesen Einwand: „Bauliche Veränderungen sind nicht zwingend erforderlich“, sagte sie. Gudrun Reinecke-Bartelt, stellvertretende Leiterin der Sekundarschule, sah die gemeinsamen Unterricht an ihrer Schule mit gemischten Gefühlen. Einerseits bezeichnete sie das gemeinsame Lernen als „Chance für alle Kinder“. Andererseits sah sie aber durchaus Schwierigkeiten für den Fall, dass hörgeschädigte Kinder unterrichtet werden sollten. Außerdem verwies sie darauf, dass die Klassen nicht zu groß sein dürften.

Die Klassengröße könnte am Ende der entscheidende Faktor in der Frage sein, wie an der Sekundarschule gemeinsamer Unterricht umgesetzt werden kann. Dieses Problem sah auch Gabriele Balzukat: „Wir müssen bis zu 90 Kinder in den Eingangsklassen aufnehmen, haben aber keinen Platz für eine vierte Klasse“, rechnete sie vor, dass unter dem gemeinsamen Dach mit der Hauptschule höchstens drei Klassen zu je 30 Schülern gebildet werden könnten. Der Märkische Kreis fordere aber die Umsetzung des Schulrechtsänderungsgesetzes, betonte Balzukat. Wie genau das Problem in der Doppelgemeinde gelöst werden soll, blieb zunächst noch offen. ▪ Volker Griese

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