Schandfleck in Nachrodt

Kreckelhaus verkauft - an umtriebigen Investor    

Das Kreckelhaus in Nachrodt
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Das Kreckelhaus in Nachrodt wurde verkauft.

Wie geht‘s weiter mit dem Kreckelhaus in Nachrodt? Den Schandfleck hat Christian von Löbbecke an eine Immobilienfirma verkauft. Deren Chef ist berühmt-berüchtigt - und hüllt sich in Schweigen.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Hier schaffen Sie eine altersgerechte Seniorenresidenz“: Mit diesen Worten und jeder Menge Ruinenfotos bot Anastasia Spettmann von der Gelago Immobilien GmbH das Kreckelhaus in Nachrodt an – für sage und schreibe 999 999 Euro.

Und jetzt ist es weg. Das Angebot bei „Immo Scout 24“ wurde gelöscht. Hat das Kreckelhaus einen neuen Besitzer gefunden, der das Gebäude tatsächlich sanieren will? Oder der es abreißen möchte?

Neuer und alter Besitzer schweigen

„Dazu möchte ich mich nicht äußern“, sagt Anastasias Vater Karl Leo Spettmann, der Chef der Immobilienfirma. Nicht jeder, so erklärt er, würde eben etwas sagen wollen. Und so geht das Kreckelhaus in seine nächste geheimnisvolle Runde.

Fakt ist zumindest: Christian von Löbbecke hat das Grundstück samt Kreckel-Klotz an Familie Spettmann verkauft. Er ist es also los. Auf Anfrage der Redaktion gibt es allerdings auch von ihm keine Stellungnahme dazu.

Immobilienfirma: Chef saß im Gefängnis

Zwei Männer, keine Antwort, aber jede Menge „wilder Geschichten“, denn Karl-Leo Spettmann ist kein Unbekannter. Wie der Fokus berichtet, kauft er Bruchbuden, vermarktet sie und verkauft sie weiter. „Der Reiz des Wahnsinns“, sagte er dem Fokus. „Andere Leute reisen in den Urwald, ich kaufe mir eben solche Häuser.“ 18 Berichte hat die Sächsische Zeitung mittlerweile zum Thema „Spettmann“ veröffentlicht.

Das Kreckelhaus in Nachrodt verkommt mehr und mehr.

Nach den SZ-Recherchen saß Karl Leo Spettmann zehn Jahre im Gefängnis. Überall in Deutschland kaufe er Ruinen, um sie möglichst gewinnbringend weiterzuverkaufen. Er gehe dabei nie in die großen Städte, wo die Preise hoch seien, sondern stets in den ländlicheren Raum, bevorzugt in den neuen Bundesländern.

Spektakuläre Immobilien gekauft

Zu seiner Sammlung gehörten übrigens spektakuläre Gebäude: von der ehemaligen Staatsbank der DDR bis hin zu einem Frauengefängnis. Spezialgebiet: total vermüllte und verwilderte Grundstücke. Da reiht sich das Kreckelhaus geradezu perfekt ein.

„Ich bin ganz gespannt auf die Pläne und hoffe, dass etwas Tolles für Nachrodt entsteht“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. Sie würde gern mit dem neuen Besitzer sprechen und hofft auf eine Kontaktaufnahme. Das hat bisher nicht geklappt.

Kreckelhaus: Wechselvolle Geschichte

Das Kreckel-Gebäude, das seit Ewigkeiten vor sich hingammelt und längst ein nicht zu übersehender Schandfleck in der Gemeinde ist, war zuletzt 2019 in der Diskussion, als es als Standort für die Verwaltung in der politischen Diskussion war. Nach Besichtigungen vor Ort wurde die Idee fallengelassen, da eine Wiederherstellung des Gebäudes unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten augenscheinlich keinen Sinn macht. Abrisskosten: etwa 500 000 Euro.

Das Kreckelhaus heißt Kreckelhaus, weil es in den 1970er Jahren vom Bauunternehmer Kreckel gebaut wurde. Später war der Märkische Kreis mit seiner Bauverwaltung dort ansässig. Der Kreis zog aus. Das Bürogebäude stand leer, bis die Firma CMS dort unterkam, allerdings dann wieder verschwand. 2003 plante ein Investor, dort ein Alten- und Pflegeheim unterzubringen. Und schließlich wollte die Firma Mencosano im Kreckelhaus ein Heim für Intensivpatienten einrichten. Zwischen all den Plänen wurde aus dem Riesenhaus eine Riesensauerei.

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