Kraftvolle Fotografien mit Charme

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NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Auf den ersten flüchtigen Blick wirken die Bilder von Björn Pretzel düster und melancholisch, betrachtet man sie allerdings genauer, strahlen sie eine ungeheure Kraft und Energie aus.

Seit 2007 ist der Nachrodter als Fotograf unterwegs. Marode Locations, wie leer stehende Fabrikgebäude oder Häuser ziehen ihn besonders an. Vor kurzem erschien ein erster Bildband mit seinen Werken. „Verlassene Orte faszinieren mich einfach. Sie können noch eine ungeheure Kraft ausstrahlen“, erklärt Pretzel. Keines seiner Bilder sei gestellt oder inszeniert. „Die Motive sind alle so, wie ich sie vorgefunden habe. Ich entnehme lediglich die Farbe und wandle sie meist in schwarz-weiß um“, erläutert der Hobbyfotograf seine Arbeit. Die meisten Motive stammen aus Belgien. Denn dort gibt es keinen Denkmalschutz. „Das ist das reinste Eldorado für Fotografen aus meiner Szene. Firmengebäude die verlassen werden, werden nicht bis ins letzte abgeriegelt und man findet oftmals die Orte so vor, wie sie vor 30 Jahren verlassen wurden.“ Das habe eine ganz besondere Atmosphäre. Die auch beim Betrachten seiner Bilder zu spüren ist. Da ist beispielsweise ein alter Kamin über dem noch alte Fotos und Deko-Figuren stehen, die langsam zerfallen. Lediglich das Portrait-Foto über dem Kamin hat seine Kraft nicht verloren und erinnert an Zeiten, in denen das Haus voller Leben und Energie war. Und da ist das Bett, das noch ordentlich gemacht wurde, die Weinflasche von der letzten Nacht im Haus steht noch verstaubt auf der Fensterbank, der Putz bröckelt von der Feuchtigkeit zerfressen von den Wänden. Seit Jahren hat niemand mehr diese Räume betreten, dennoch kann man sich vorstellen, wie es hier einmal gewesen sein mag. „Das ist es, was für mich diese Art der Fotografie so spannend macht. Es ist das Bild an der Wand, der gebrochene Lichtstrahl durchs zerbrochene Fenster, die dem Bild einem besonderen Charme verleihen.

In der Szene ist der Nachrodter mittlerweile vielen ein Begriff. „Die Szene wird größer, daher ist es immer schwerer Orte zu finden, die nicht verändert wurden“, so Pretzel. Für den 33-jährigen ist es wichtig, dass alles originalgetreu bleibt und nicht verändert wird und die Fotos so ihren Wahrheitsgehalt nicht verlieren. „Ich verändere nichts, wenn ich beispielsweise in einem Flur stehe, weiß ich genau, wie das fertige Bild später einmal aussehen wird.“ Bei ihm sei es nicht, wie bei vielen Malern oder anderen Künstlern, dass man erst im Laufe des Entstehungsprozesses des Werkes merke, was am Ende dabei raus kommt. „Im Laufe der Zeit habe ich einen Blick dafür entwickelt.“ Im Schnitt fährt er 1000 Kilometer am Tag, wenn er auf Foto-Tour ist. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mittlerweile gibt es einen Bildband mit seinen Fotos und den Fotos seines Kollegen und Freundes Sven Fennema aus Krefeld. „Wir haben den gleichen Stil, da passte das ganz gut. Mittlerweile gehen wir fast immer gemeinsam auf Tour“, erzählt der Nachrodter. Erschienen ist das Buch unter dem Titel „Anderswelten“ der Fotografen im Seltmann Söhne Verlag. - Lydia Machelett -

http://www.mindcage-fotodesign.de.

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