Spaziergänger hört Schüsse

Krähenjagd sorgt für Streit im Netz

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Die Krähen in Eilerde wurden bejagt.

Nachrodt-Wiblingwerde – "Kreuzfeuer in Eilerde": Unter diesem Titel tobt auf Facebook ein Streit. Hintergrund ist eine Krähenjagd.

Die Jäger sind sauer. Mehr noch, sie sind wütend und enttäuscht. Auf Facebook läuft derzeit eine hitzige Debatte. Der Grund: eine Krähenjagd in Eilerde. 

Unter dem Titel „Eilerde im Kreuzfeuer“ ist die Diskussion ausgeartet. Mehr als 120 – mehr oder weniger sachliche – Kommentare sind dort zu lesen. Ein Spaziergänger war am 1. März mit seinen Hunden zwischen Eilerde und Eilerder Feld spazieren. Es fielen Schüsse. 

„Wie sicher können wir uns jetzt noch fühlen?“, fragte der Spaziergänger in der Gruppe, hinzu kamen Bilder der Jäger. Sofort entstand eine rege Diskussion zwischen Jägern, Jagdgegnern und vermeintlich neutralen Schlichtern. 

Streit zieht weite Kreise

Der Spaziergänger kontaktierte daraufhin Bürgermeisterin Birgit Tupat. „Wir haben ihn an die Untere Jagdbehörde verwiesen. Es konnte ja keiner ahnen, was daraus wird“, sagte Bürgermeisterin Birgit Tupat. Und fügte hinzu: „Wir haben uns die Situation inzwischen schildern lassen. Da hat eine Jagd stattgefunden, bei der aus unserer Sicht alles richtig gelaufen ist“, erklärte Birgit Tupat. 

Im Rahmen der Sitzung der Jagdgenossenschaft appellierte sie an die Anwesenden, dass die Jäger an die Medien herantreten sollen, um das klarzustellen. Birgit Tupat: „Ich denke, alle unsere Jäger üben die Jagd verantwortungsbewusst aus und es gab keine Gefährdung in irgendeiner Form.“ 

Jagdbehörde eingeschaltet

Die betroffenen Jäger hatten zunächst versucht, den Ball flach zu halten. Sie kontaktierten von sich aus die Untere Jagdbehörde, um den Fall zu schildern und Diskussionen zu verhindern. 

Die Untere Jagdbehörde teilte dem Spaziergänger darauf hin schriftlich genau das mit. In dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, heißt es: „Der Verantwortliche hat sich heute Morgen von sich aus bei mir gemeldet und mir die Jagdsituation geschildert. Diese stimmt mit den von Ihnen eingereichten Kartenausschnitten überein. Laut Aussage des Jagdausübungsberechtigten habe eine Jagd auf Krähen stattgefunden. Auf eine sichere Schussabgabe sei stets geachtet worden.“ 

Im Netz hieß es später, der Jäger habe eine Selbstanzeige erstattet. Und die Vorwürfe seien somit korrekt gewesen. „Das ist absoluter Blödsinn. Hier hat sich niemand angezeigt. Warum auch? Es war alles korrekt“, erklärte Berufsjäger Heiko Cordt, der als Experte die Situation beurteilt. 

Kein Eingreifen nötig

Die drei Jäger, die an der Jagd beteiligt waren, betonten auf Anfrage, dass es nie ein Risiko für die Bevölkerung gegeben habe. Zum einen sei in die Luft geschossen worden, zum anderen seien Schussbahnen im Vorfeld genau ausgemessen und die entsprechenden Abstände eingehalten worden. 

Die krähen haben die Silos zerstört und die Silage unbrauchbar gemacht.

Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises, betont: „Es gab für uns, die Untere Jagdbehörde, keinen Anhaltspunkt, um jagdrechtlich einzugreifen. Wir haben hier einen Spaziergänger, der sich unsicher fühlt. Diese Sorge nehmen wir ernst und haben sie den Jägern auch mitgeteilt. Wir haben hier niemandem Recht gegeben. Zudem haben wir an die Jäger appelliert, dass künftig vielleicht Warnschilder aufgestellt werden. Am einfachsten wäre es jedoch sicherlich gewesen, diese Debatte direkt miteinander zu führen und nicht in den sozialen Medien.“ 

Jäger wütend

Cordt macht der Shitstorm auf Facebook wütend. „Wir jagen was, wann und wo wir wollen – im Rahmen der jagdrechtlichen Verordnung.“ Die Krähenjagd sei schließlich keine Spaßübung aus Freude am Schießen gewesen. 

„Wenn die Wildschweine die Gärten umgraben, wird gesagt, die Jäger tun nichts. Wenn wir etwas tun, ist es auch nicht richtig“, schimpft Heiko Cordt. 

Bei der Krähenjagd ging es darum, dem ansässigen Landwirt zu helfen. Die übermäßige Population der Tiere bereite extreme Probleme. Die Vögel beschädigten unter anderem die Siloplanen und machten das Futter – das aufgrund der extremen Sommer eh knapp sei – unbrauchbar.

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