Kontakt im Corona-Lockdown

Waldkindergarten geht neue Wege

Trauen sich vor die Kamera: Marina Hoheisel und Britta Podworny vom Waldkindergarten in Wiblingwerde nehmen regelmäßig Videos für die Kinder auf.
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Trauen sich vor die Kamera: Marina Hoheisel und Britta Podworny vom Waldkindergarten in Wiblingwerde nehmen regelmäßig Videos für die Kinder auf.

Viele Kinder sind seit dem Lockdown kein einziges Mal im Waldkindergarten gewesen. Ihnen fehlt der Kontakt ebenso wie den Eltern. Die Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich. Das Team findet besondere Wege.

Nachrodt-Wiblingwerde – Der Waldkindergarten sticht ein wenig aus der Statistik heraus. Während des eingeschränkten Regelbetriebs nutzen wirklich nur sehr wenige Eltern und Kinder das Angebot – doch auch das stellte die Erzieherinnen und den Vorstand vor eine große Herausforderung.

„Das war eine wirklich lange Zeit. Irgendwann mussten wir uns einfach etwas überlegen, um die Kinder nicht aus den Augen zu verlieren“, erklärt Marina Hoheisel, Leiterin des Kindergartens. Gemeinsam mit dem Vorstand wurde ein Konzept erarbeitet, wie die Kommunikation im Lockdown funktionieren kann.

Kinder müssen sich wieder an Kindergarten gewöhnen

„Es ist total wichtig, für die Kinder weiter präsent zu sein. Gerade für die etwas schüchternen und zurückhaltenden“, erklärt Britta Podworny, pädagogische Leiterin des Waldkindergartens.

Denn manche Kinder hatten sich gerade erst an den Kindergartenalltag gewöhnt, dann kam der Lockdown. „Wir wollen ja keine Fremden sein. Außerdem vermissen viele Kinder den Waldkindergarten und uns Erzieherinnen“, stellt Britta Podworny fest. Auch der Vorstand der Elterninitiative hatte mit Kommunikationsproblemen zu kämpfen. „

Man merkte einfach an allen Ecken, dass es immer wieder Probleme oder Unverständnis gab. Und das alles nur, weil der persönliche Austausch fehlte“, erzählt Ina Litz, Vorstandsmitglied.

Eltern wollen keine zig Videokonferenzen am Tag

Doch wie sollte man das Problem lösen? Persönlicher Kontakt war nicht möglich, gleichzeitig wollten die Kinder ihre Erzieherinnen aber sehen. Die Eltern wünschten sich mehr Informationen, aber möglichst ohne die tausendste Videokonferenz am Tag. Gleichzeitig musste der Arbeitsaufwand so sein, dass der Alltag im Kindergarten nicht gestört wurde.

„Wir haben uns dann für zwei Wege entschieden: einen wöchentlichen Newsletter und regelmäßige Videos aus dem Kindergarten mit den Erzieherinnen“, berichtet Geraldine Hegemann-Malkus aus dem Vorstandsteam.

Mit Erfolg. Inzwischen warten Eltern und Kinder gleichermaßen montags auf den neuen Newsletter. „Inhaltlich war uns wichtig, nicht nur die heile Welt darzustellen. In einem Teil für die Eltern ging es auch darum zu zeigen, dass die Situation wirklich schwer ist und alle berechtigterweise mal verzweifelt sind. Keiner sollte das Gefühl haben, mit der Überforderung allein zu sein. Gleichzeitig wollten wir aber auch Mut machen, nicht aufzugeben.

Ehrliche Worte und Mitmach-Aktionen

Die persönlichen Worte haben, glaube ich, den Nerv vieler Eltern getroffen“, sagt Geraldine Hegemann-Malkus. Ein weiterer wichtiger Baustein waren Informationen aus der Vorstandsarbeit. „Wir sind nun einmal eine Elterninitiative und es ist uns wichtig, die Eltern immer mitzunehmen. Das ist uns in den vergangenen Wochen vermutlich besser gelungen, als viele Wochen zuvor. Einfach, weil jeder bewusst darauf geachtet hat“, freut sich Ina Litz.

Die Erzieherinnen kümmerten sich derweil um die pädagogischen Inhalte. Es gab Rätsel rund um den Wald, Bewegungsangebote, Basteltipps und jede Menge Bilder aus dem Kindergarten. Kindgerecht aufgearbeitet und immer mit dem Aufruf zur Interaktion. „Wir haben die Kinder animiert, uns Bilder zu malen, Videos zu drehen oder uns Fotos ihrer Kunstwerke zu schicken. So haben wir einen schönen Kontakt mit dem einen oder anderen aufbauen können“, erzählt Marina Hoheisel.

Erzieherinnen trauen sich vor die Kamera

Als klar war, dass der Lockdown noch länger dauern würde, gingen die Erzieherinnen noch einen Schritt weiter. „Wir wollten, dass die Kinder zuhause etwas vom Kindergartenalltag mitbekommen und uns auch sehen und hören“, erzählt Podworny. Und so stellten sich die Erzieherinnen einmal in der Woche vor die Kamera.

Mit Fingerspielen, Klangreisen oder anderen Mitmachangeboten begeisterten sie das junge Publikum. „Wir waren schon jedes Mal ein wenig nervös. Und manches Video mussten wir auch mehrmals drehen. Aber es hat auch uns Spaß gemacht, den Kindern diesen Gruß zu senden“, erzählt Marina Hoheisel. Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

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