Kongolesische Delegation bei Festgottesdienst vermisst

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Der evangelische Kindergarten Wiblingwerde verdiente sich ein paar Euros durch den Verkauf von Waffeln vor dem Gemeindehaus. ▪

NACHRODT ▪ Gern hätten die Wiblingwerder einer kongolesischen Delegation ihr Leben im Dorf und in der Gemeinde vorgestellt. Doch der Partnerschaftskreis des evangelischen Kirchenkreises Iserlohn wurde bitter enttäuscht: Die Gäste durften nicht einreisen.

Den besonderen Familiengottesdienst ließen die Wiblingwerder deshalb jedoch nicht ausfallen.

Pfarrer Dr. Thorsten Jacobi bat gestern die jüngsten Gäste des Familiengottesdienstes zu sich nach vorn und ließ sie auf einer großen Weltkarte nach dem Kontinent Afrika Ausschau halten. Der Kongo gilt als Herzstück Afrikas. Dort finden sich Brüder und Schwestern im Glauben, zu denen der evangelische Kirchenkreis Iserlohn seit Jahren freundschaftliche Kontakte pflegt. Ein Ausschuss mit Mitgliedern aus den angeschlossenen Gemeinden hält den Kontakt zum Partnerschaftskreis Boende und Lofoy im Kongo. Drei Wochen lang wollten die Märker ihre afrikanischen Gäste beherbergen und ihnen Land und Leute vorstellen. Doch das „Schengen-Haus“ in der kongolesischen Metropole Kinshasa vergab keine Visa an die Delegation.

Jenes Haus der belgischen Kolonialmacht soll seit dem 1. März dieses Jahres eigentlich die Einreise nach Europa vereinfachen und „Visa-Shopping“ bei verschiedenen Konsulaten verhindern. Die afrikanischen Christen reisten zwei Mal von Boende und Lofoy nach Kinshasa um Pässe und Visa zu beantragen. Die jeweils 1500 Kilometer lange Fahrt, deren Kosten der Kirchenkreis übernommen hatte, war letzlich für die Katz: Trotz gültiger, ebenfalls vom Kirchenkreis bezahlter, Flugtickets, die im Schengen-Haus vorgelegt wurden, wurde den Partnern keine Einreisegenehmigung erteilt.

Das scheint Usus zu sein im Schengen-Haus, regte sich der Letmather Pfarrer Burckhardt Hölscher, Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses, auf.

Die Wiblingwerder hatten gestern einen besonderen Gottesdienst eingeplant, um die Delegation auch bei sich einmal willkommen zu heißen. Kantor Johannes Köstlin hatte vor dem Gottesdienstbeginn kongolesische Musikstücke mit der Gemeinde geprobt, der Kinderchor sang und Ina Pühl erzählte in der Kirche vom typischen Hofleben in Wiblingwerde. Bleiben die Einreisestatuten im Kongo so streng, wird es noch lange dauern, bis sich die Christen aus den Partnergemeinden auf den Weg zu ihren Glaubensbrüdern machen können. Bis dahin können sie sich vom Sauerland nur aus der Ferne berichten lassen. ▪ Ina Hornemann

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