Windräder Veserde: Ist der Kampf dagegen richtig? Die Parteien und Kandidaten in Nachrodt antworten

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Ein Dauerbrenner-Thema: die Windräder in Veserde.

Windräder in Veserde, Sanierung des Amtshauses, zwei Teile, eine Kommune: Wie stehen die Parteien, Gruppierungen  und Einzelkämpfer zu den Themen, die in Nachrodt-Wiblingwerde bewegen? Sie stehen Rede und Antwort.

Drei Fragen stellen wir den für den Nachrodter Rat kandidierenden Parteien, Gruppierungen und Einzelkämpfern im Vorfeld der Kommunalwahl. 

Das zweite Thema: Mehr als 100 000 Euro hat die Gemeinde seit 2016 für das Verfahren gegen zwei weitere Windräder in Veserde ausgegeben. Jetzt klagt die Gemeinde gegen den Märkischen Kreis. Ist der Weg der richtige? Die Antworten im Überblick:

Kommunalwahl in Nachrodt: Die Antwort der CDU

"Für uns ist der eingeschlagene Weg der richtige, da wir nicht ständig heute so oder morgen so argumentieren wollen. Wir haben in Partei und Fraktion lange kontrovers diskutiert, letztendlich einen Entschluss gefasst und dabei bleiben wir."

Kommunalwahl in Nachrodt: Die Antwort der SPD

"Die Gesellschaft möchte alternative Energiequellen und dazu gehört auch die Windkraft; aber niemand möchte die Windräder im Sichtfeld haben. 

Die Umwelteinflüsse sind nicht von der Hand zu weisen, und auch die Minderung der Lebensqualität im Umfeld der Windräder darf nicht unterschätzt werden. 

Frage der Entscheidungsfreiheit

Es ist eben auch kompliziert, wenn eine Gemeinde auf dem eigenen Grund durch Genehmigungsverfahren übergeordneter Behörden in der Entscheidungsfreiheit der eigenen Region übersteuert wird. 

Der SPD geht es darum, hier festzustellen, ob die gemeindliche Entscheidungsfreiheit eingeschränkt werden darf."

Kommunalwahl in Nachrodt: Die Antwort der UWG

"Wie bereits in der Ratssitzung gesagt, halten wir eine Klage gegen den Beschluss der Windräder für falsch. Insbesondere unsere jungen, umweltbewussten Bürger wünschen sich Alternativen zu Kernkraft und Kohle. 

Im Zuge der Energiewende müssen erneuerbare Energien ausgebaut werden, wir sehen uns hier in der Verantwortung für die zukünftigen Generationen. Hier muss dann auch mal Farbe bekannt werden und nicht immer nur nach der eleganten Lösung gesucht werden, um bloß keinem auf die Füße zu treten. 

Klage produziert zu hohe Kosten

Die geplanten Windräder sind in einer Vorrangzone geplant. Sie könnten alle Nachrodt-Wiblingwerder mit Strom versorgen. 

Auch wenn es so aussieht, wurde in Gesprächen klar, dass nicht alle Veserder gegen die Windräder sind. Darüber hinaus hat der Rechtsanwalt der Gemeinde von einer Klage abgeraten, da sie keine Erfolgsaussichten hat. 

Die Kosten eines solchen Rechtsstreites, in dem Begründungen und Gutachten zu liefern sind, sind hoch. Sollten wir verlieren, bestünde die Möglichkeit, dass im gesamten Gemeindegebiet Windräder gebaut werden, ohne dass wir dann noch ein Mitspracherecht hätten. 

Gefahr für mehr Betroffene  

Dann vielleicht auch an Stellen, an denen dies viel deutlicher sichtbar wäre und noch viel mehr Bürger der Gemeinde betroffen wären. Den betroffenen Bürgern steht der Weg der Klage nun ja auch selbst offen. 

Wie die Geschichte letztendlich ausgeht, können wir nicht sagen, außer, dass es uns bis dahin viel Geld und Arbeit kosten wird."

Kommunalwahl in Nachrodt: Die Antwort von Einzelbewerberin Rita Joergens

"Ich war und bin gegen den Klageweg, auch wenn ich schließlich mit der SPD gestimmt habe. Aber als Einzelkandidatin kann ich jetzt meine persönliche Meinung vertreten. 

Rita Joergens kandidiert als fraktionslose Einzelkämpferin im Wahlbezirk 7.

Ich glaube, dass die Windräder gebaut werden und kein Weg daran vorbeigehen wird. Die Klage ist nicht erfolgversprechend und wird deshalb herausgeschmissenes Geld sein. Gut, am Kohlberg gibt es einen Baustopp. 

Windräder stören in Veserde nicht

Aber in Veserde ist die Situation eine andere. Dort stören sie weniger – und noch viel weniger – als wenn überall im Gemeindegebiet Windräder aufgestellt und eine Verspargelung zu befürchten wäre. 

Nach aktuellen Umfragen sind rund drei Viertel der deutschen Bevölkerung generell für Windkraftanlagen – auch wenn diese in der Nähe der Wohnbebauung stehen. Und ich gehöre dazu."

Kommunalwahl in Nachrodt: Die Antwort von Einzelbewerber Matthias Lohmann

"Niemand von uns möchte ein Atomkraftwerk oder ein Braunkohlekraftwerk vor der Haustür haben. Ich persönlich hätte kein Problem damit gehabt, in Veserde drei kleine Windräder in der vorhandenen Bauart zusätzlich statt der zwei riesigen Windräder zuzulassen. 

Matthias Lohmann kandidiert als fraktionsloser Einzelkandidat im Wahlbezirk 11.

Die riesigen Windräder versprechen eine größere Rendite. Das ist das einzige Argument, das im Raum steht. Ein ökologisches Argument habe ich dazu noch nicht gehört. Aus Sicht der Veserder Bürger drehen sich bei den geplanten Windrädern Rotoren, die jeweils die Fläche eines Sportplatzes beschreiben. Unzumutbar! 

Betreiber plant einfach weiter

Viele Argumente gegen den Bau sind vor Jahren vorgebracht worden. Die Veserder Naturstrom GmbH hat trotz heftigen Gegenwindes aus der Bevölkerung und aus zwei großen Gruppierungen des Rates ihre Planung weiter fortgesetzt. 

Die Frage, wer die 100 000 Euro Kosten zum Schutze der Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger verursacht hat, wird da schon fast philosophisch. 

Jedes Jahr Kampf lohnt sich

Zurück zur Fragestellung: Wir befinden uns nicht in einem Kampf, sondern in der juristischen Überprüfung von Rechtslagen. Ich bin kein juristischer Hellseher, und es wäre vermessen, den Ausgang des Verfahrens vorauszusagen. Wir wissen auch nicht, wie sich die Gesetzgebung zum Thema Windenergieanlagen und Schutzzonen entwickelt. 

Aus meiner Sicht lohnt es sich um jedes Jahr zu kämpfen, in dem den Bewohnern die riesigen Windräder erspart bleiben. Vielleicht kann die Veserder Naturstrom GmbH ja doch nochmal über drei Windräder der vorhandenen Dimension nachdenken."

Die Einzelkandidaten Melisa Atasever, Aykut Aggül und Karl Daniel Patrick Heyermann haben sich auf die Anfrage der Redaktion zu diesem Thema nicht geäußert.

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