SPD gewinnt die Wahl – und muss trotzdem noch zittern

Strahlende Gesichter bei der SPD, die ihren Wahlsieg am Sonntagabend bei einer Party im Restaurant „Goretto's“ begoss. Die Sozialdemokraten sind stärkste Kraft im neuen Gemeinderat. Foto: Griese

Nachrodt-Wiblingwerde - Partylaune bei der SPD, Katerstimmung bei der CDU: Die Wahl des neuen Gemeinderates hat am Sonntag mit den Sozialdemokraten einen klaren Sieger hervorgebracht. Vollends entschieden ist sie indes noch nicht. Vielmehr wird sie noch ein Nachspiel haben.

40,8 Prozent der Stimmen holte die SPD bei der Wahl des Rates. Damit flossen ihr rein rechnerisch nicht nur die knapp 4,4 Prozent zu, die die bei der Wahl vor fünf Jahren noch angetretene OSL geholt hatte. Sie konnte sogar noch etwas drauflegen, ihr Ergebnis damit um insgesamt 5,1 Prozent steigern und acht Direktmandate erringen. Nun ist sie mit neun Sitzen stärkste Fraktion im neuen Rat. Die CDU holte 35,6 Prozent und konnte damit ihr Ergebnis von 35,7 Prozent fast halten, muss sich aber trotzdem als Verliererin der Wahl fühlen, denn sie konnte nur zwei Direktmandate gewinnen. Auch die UWG holte 23,7 Prozent fast den gleichen Stimmenanteil wie vor fünf Jahren und wird im neuen Rat wieder mit fünf Mandaten vertreten sein.

Für die größte Überraschung des Wahlabends sorgte gleich zu Beginn der Stimmenauszählung der erst 18-jährige SPD-Kandidat Aykut Aggül, der im Wahlbezirk 4 dem favorisierten CDU-Bewerber Lars Wygoda ein Stimmenpatt abtrotzte. 84 Stimmen holten beide, so dass nun in der Sitzung des Wahlausschusses am Dienstag, 27. Mai, (17 Uhr, Amtshaus) das Los darüber entscheiden muss, wer das Direktmandat erhält. „Damit hätte ich niemals gerechnet“, gab sich Aggül bei Bekanntgabe des Ergebnisses überrascht. Er könnte jüngstes Mitglied des neuen Rates werden. Allerdings hätte das bittere Folgen für Birgit Hirt: Weil bei dann neun Direktmandaten für die SPD deren Reserveliste nicht mehr zum Tragen käme, Hirt aber ihren Wahlbezirk 7 ganz knapp (103 zu 104 Stimmen) gegen Jens Philipp Olschewski (CDU) verloren hat, würde die bisherige stellvertretende Fraktionsvorsitzende dem neuen Rat nicht angehören. „Das wäre furchtbar traurig, wenn sie nicht mehr dabei wäre, denn Birgit Hirt ist eine tragende Säule unserer Fraktion“, kommentierte die SPD-Vorsitzende Susanne Jakoby diese für ihre Partei unglückselige Konstellation. Die SPD kündigte deshalb bereits am Abend an, die Stimmen der beiden betreffenden Wahlbezirke 4 und 7 im Wahlausschuss neu auszählen zu lassen.

Für Aufsehen sorgte auch der Wahlausgang im Stimmbezirk 2 (Amtshaus), wo die beiden Fraktionsvorsitzenden Susanne Jakoby (SPD) und Peter Herbel (CDU) aufeinandertrafen. Die Sozialdemokratin setzte sich hier mit 6,9 Prozent Vorsprung sicher durch und brachte dem CDU-Urgestein Herbel damit eine bittere Niederlage ein. Als Dritter der CDU-Reserveliste wird er dem neuen Rat aber dennoch angehören. Jakoby, die 41,5 Prozent der Stimmen geholt hatte, freute sich, ihre eigene Zielmarke übertroffen zu haben: „Ich hatte mir 40 Prozent gewünscht“, jubelte sie.

Wenig Anlass zum Jubel gab die Wahlbeteiligung: Mit 50,62 Prozent lag sie um fünf Prozent unter dem Wert der Kommunalwahl 2009. - Volker Griese

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