Wie bringt man beide Ortsteile zusammen? Die Parteien und Kandidaten in Nachrodt antworten

+
Nachrodt (r.) und Wiblingwerde (l.): Eine Kommune, zwei Ortsteile. Wie können sie besser zusammenwachsen?

Windräder in Veserde, Sanierung des Amtshauses, zwei Teile, eine Kommune: Wie stehen die Parteien, Gruppierungen und Einzelkämpfer zu den Themen, die in Nachrodt-Wiblingwerde bewegen? Sie stehen Rede und Antwort.

Drei Fragen stellen wir den für den Nachrodter Rat kandidierenden Parteien, Gruppierungen und Einzelkämpfern im Vorfeld der Kommunalwahl.

Das dritte Thema: Nachrodt und Wiblingwerde – augenscheinlich liegen zwei Welten in einer Gemeinde. Woher kommen die Animositäten? Die Bürger von unten fahren nicht hoch und von oben nicht nach unten. Was kann Politik machen, um das zu ändern?

Kommunalwahl in Nachrodt: Die Antwort der CDU

"Man kann da nur Mutmaßungen anstellen. Bei vielen jüngeren Bürgerinnen und Bürgern habe ich dieses Gefühl des nicht Hoch- oder Runterfahrens nicht so ausgeprägt festgestellt. 

In der Partei und Fraktion haben wir auch Mitglieder von oben und unten, da gibt es keinerlei Probleme. Es gibt auch weitere positive Beispiele wie den Zug 5 des Kelleramts der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft. 

Bürger selbst gefragt

Die Politik kann da nicht irgendwie regulierend einschreiten. Das wird nicht funktionieren. Wir können nur Angebote, Investitionen, Veranstaltungen steuern und in die verschiedensten Ortsteile bringen. 

Besuchen, nutzen und annehmen müssen diese Angebote und Möglichkeiten die Bürgerinnen und Bürger selbst. Das ist aber kein leichter Weg, wenn man an die Diskussionen zu den Veranstaltungen am Volkstrauertag denkt."

Kommunalwahl in Nachrodt: Die Antwort der SPD

"Animositäten sehen wir so nicht. Wir sehen eine geographische Barriere, die durch die natürlichen Gegebenheiten vorliegt. 

In vielen Lebenslagen stehen die Einwohner eben auch näher zu den Angelegenheiten nah vor ihrer Haustür, und so bleibt der mühsame Weg von „oben nach unten oder andersherum“ als natürliche Hemmschwelle auch erhalten. 

Barrieren durch Themen abbauen

Die Politik der SPD trägt dieser Situation Rechnung und versucht, Themen der Gemeinde auch über diese Barriere hinweg zu vermitteln. 

Wir versuchen ein Gleichgewicht in der politischen Vertretung durch Personen sowohl aus dem oberen als auch unteren Teil der Gemeinde zu erhalten, um ausgewogen Themen vertreten zu können."

Kommunalwahl in Nachrodt: Die Antwort der UWG

"Unserer Meinung nach bestehen keine Animositäten. Der Grund ist unserer Meinung nach insbesondere in der großen Entfernung zwischen den beiden Ortschaften zu finden. 

Jede Ortschaft hat ihre eigene Infrastruktur (Kindergarten, Schule, Vereine) und ist damit relativ unabhängig vom anderen Ortsteil. So sehen viele keine Veranlassung, den anderen Ortsteil aufzusuchen. Nachrodter Bürger sind anscheinend eher in Richtung Iserlohn orientiert, Wiblingwerder in Richtung Lüdenscheid. 

Verschiedene Blickrichtungen

Ein Beispiel dafür: Im Sportbereich gehört Wiblingwerde traditionell zum Kreis Lüdenscheid, Nachrodt zu Iserlohn. Auch in schulischer Hinsicht orientieren sich die Nachrodter in Richtung Iserlohn und Altena, die Wiblingwerder nach Hohenlimburg oder Lüdenscheid (mit Ausnahme unserer Sekundarschule), auch dies ist den Entfernungen und Busverbindungen geschuldet. 

Gemeinsame verbindende Angebote wie „Lenne lebt“ und der Weihnachtsmarkt sind wünschenswert und existieren bereits. Mit Einbindung der Schulen und Kindergärten beider Ortsteile, wäre dann auch dafür gesorgt, dass die Bürger*innen den anderen Ortsteil aufsuchen. 

Keine Parallel-Termine

Wichtig ist auch, dass Veranstaltungen nicht zeitgleich in beiden Ortsteilen stattfinden. Dies sollte durch die Verwaltung im Auge behalten werden. 

Politik kann hier unserer Meinung nach nur bedingt eingreifen. Dass ein gutes Miteinander der Nachrodter und Wiblingwerder funktioniert, kann man an unserer Fraktion sehen. Dort sind wir bunt gemischt und verstehen uns bestens."

Kommunalwahl in Nachrodt: Die Antwort von Einzelbewerberin Rita Joergens

"Für mich persönlich stellt sich die Frage nicht, weil ich finde, dass Wiblingwerde und Nachrodt natürlich zusammengewachsen sind, natürlich zusammengehören. Und dass dies auch die Bürger so sehen. 

Rita Joergens kandidiert als fraktionslose Einzelkämpferin im Wahlbezirk 7.

Ob bei Veranstaltungen im oberen oder unteren Gemeindebezirk: Ich persönlich gehe immer überall hin, empfinde keine Animositäten. Vielleicht ist es in den letzten Jahren etwas auseinandergedriftet, vielleicht ist es eine Generationenfrage. 

Vereine gerne unter sich

Anders ist es aber, wenn es um Vereine geht: Da gibt es oft eine enge Verbundenheit mit dem eigenen Verein, weniger mit anderen. Man bleibt gerne unter sich. Aber es gibt natürlich auch Gegenbeispiele: In Altena hat eine Fusion geklappt."

Kommunalwahl in Nachrodt: Die Antwort von Einzelbewerber Matthias Lohmann

"Köln gilt als eine weltoffene und geschichtsträchtige Stadt. Köln hat eine „schäl Sick“. So bezeichnen die Kölner die rechte Rheinseite der Stadt. 

Auch in Düsseldorf gibt es die richtige und die falsche Rheinseite. Dort ist es allerdings die linke Rheinseite, die nicht so recht akzeptiert wird. Zwischen Holland und Niedersachsen sind alle sichtbaren Grenzen gefallen. Man sollte meinen, es gäbe eine sprachliche Annäherung. 

Weihnachtsmarkt: Absage Fehlentscheidung

Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Sprachen entwickeln sich immer weiter auseinander, weil die niedersächsische Jugend kein Plattdütsch mehr spricht. 

Wie soll Politik daran etwas ändern? Mindestens einmal wurde bei uns durch Verwaltung und Politik eingegriffen. Der Wiblingwerder Weihnachtsmarkt wurde vor zehn Jahren gestrichen. Eine Fehlentscheidung! 

Matthias Lohmann kandidiert als fraktionsloser Einzelkandidat im Wahlbezirk 11.

Über die Männergesangsvereine von Nachrodt und Wiblingwerde wurde berichtet,dass sich beide Vereine ausdrücklich gegen eine Fusion aussprechen, aber gerne zu gegebenen Anlässen gemeinsam auftreten. Geht doch! 

Aus der Not eine Tugend gemacht

Seit der Schließung der Rastatt kommt ein Spielstammtisch aus Nachrodt regelmäßig nach Wiblingwerde in die Schöne Aussicht, um sich dort zum Spielen treffen zu können. Das Ganze unterstützt durch den Service des Bürgerbusses. 

Auch wenn zu dieser Gruppe zwei langjährige Ratsherren gehören, ist dieses nicht auf politischer Grundlage, sondern aus persönlichen Bedürfnissen entstanden. In vielen Bereichen scheinen diese Bedürfnisse nicht zu existieren. Wie soll Politik da eingreifen?"

Die Einzelkandidaten Melisa Atasever, Aykut Aggül und Karl Daniel Patrick Heyermann haben sich auf die Anfrage der Redaktion zu diesem Thema nicht geäußert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare