Streitbarer Geist will sich den Mund nicht verbieten lassen

+
Auch mit 75 fühlt sich Peter Herbel noch nicht zu alt für die Politik. Jedenfalls will er sich auch in Zukunft nicht zurückhalten, wenn er glaubt, etwas kritisieren zu müssen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Ein kommunalpolitisches Urgestein der Gemeinde feiert am Donnerstag Geburtstag: Peter Herbel, Vorsitzender der CDU-Fraktion, wird 75 Jahre alt. Von 1971 bis 1975 war der gelernte Schlosser vier Jahre Abgeordneter des Kreistages, seit 1975 sitzt er ununterbrochen im Rat der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde.

AK-Redakteur Volker Griese hat sich mit Peter Herbel unterhalten: über seine politischen Ambitionen, über seine NPD-Vergangenheit und über seinen Versuch, ein Bundestagsmandat zu gewinnen:

Herr Herbel, Sie sind 75 Jahre alt, haben mehr als 40 Jahre Kommunalpolitik auf Kreis- und Gemeindebene gemacht. Trotzdem sind Sie im Mai noch einmal zur Wahl des Gemeinderates angetreten. Warum tun Sie sich das noch an?

Die Antwort ist relativ einfach: Eigentlich hatte ich nicht die Absicht, noch einmal anzutreten, aber wir befinden uns uns schwierigen Zeiten. Und es wenn es schwierig wird, darf man sich nicht in die Büsche schlagen, sondern muss versuchen, das Bestmögliche zu erreichen.

Sie legen sich ganz gerne mit der Gemeindeverwaltung an, haben ihr nach einem Sturz auf winterlicher Straße sogar schon einmal mit einer Klage gedroht. Streiten Sie gerne?

Ja, ich streite gerne, das ist richtig. Allerdings ist der Rat ja in letzter Konsequenz auch das Kontrollorgan der Verwaltung. Wenn dort etwas schief läuft, muss man das auch öffentlich sagen dürfen. Das richtet sich ja nicht gegen Personen. Aber mir schwillt der Kamm, wenn die Verwaltung beispielsweise nicht flexibel reagieren kann.

Vor der konstituierenden Ratssitzung im Juni haben Sie öffentlich die UWG kritisiert. Offensichtlich haben Sie damit nicht die in der CDU-Fraktion vorherrschende Meinung vertreten. Ist Ihr Verhältnis zur Fraktion dennoch intakt oder gibt es da einen Riss?

Lesen Sie auch:

▪ CDU-Fraktionschef Herbel bereitet seinen Abgang vor

▪ Herbel sieht interkommunale Zusammenarbeit skeptisch

▪ CDU-Gemeindeverband ehrt treue Weggefährten

▪ Ratsherr Herbel will die Gemeinde verklagen

▪ Herbel geht es nach Sturz ums Prinzip

Das Verhältnis ist noch intakt, keine Frage! Ansonsten wäre ich ja wohl auch nicht mehr Fraktionsvorsitzender. Natürlich gibt es immer auch mal Meinungsunterschiede, aber wir wären ja auch ein trauriger Verein, wenn man darüber nicht diskutieren könnte.

Es gibt Zeitgenossen, die mit Ihrer konservativen, manchmal auch nationalen Haltung nicht viel anfangen können. Was halten Sie denen entgegen?

Ich habe nie ein Hehl aus meiner national-konservativen Einstellung gemacht. Das bedeutet ja nicht, dass ich nationalistisch oder gar nationalsozialistisch bin, sondern dass ich für meine Landsleute das Beste erreichen möchte. Dass man daran Anstoß nimmt, kann ich nicht verstehen. Ich bin gerne Deutscher, denn das Deutschland nach 1945 genießt hohes Ansehen. Was nach 1945 in Deutschland geleistet wurde, darauf kann man stolz sein. Wer dagegen sein Vaterland verächtlich macht, mit dem habe ich nichts gemein.

Da gab es ja auch einmal eine NPD-Episode in Ihrem Leben...

Ja, das stimmt. In die NPD bin ich 1964 eingetreten. Meine Motivation war damals, dass ich glaubte, dass sich eine Partei rechts von CDU/CSU etablieren sollte. Zu solch einer Law-and-Order-Party wollte ich dazugehören. Es gab ja damals auch diese Studentenproteste. Nach der Bundestwagswahl 1969 habe ich dann aber festgestellt, dass die NPD nicht mehr das war, was sie sein sollte. Die haben damals ja jeden Idioten aufgenommen, und es kam zu ersten Schlägereien.

Später, zur Bundestagswahl 1998, hatten Sie dann einmal Ambitionen, für den Bundestag zu kandidieren. Malen Sie sich manchmal noch aus, was daraus hätte werden können?

Ach, nein. Mein Blick richtet sich immer nach vorne. Das war für mich aber eine lehrreiche Episode. Ich konnte damals durch alle Kommunen des Wahlkreises ziehen und meine Standpunkte darlegen. Aber am Ende hat die CDU dann ja einen anderen Kandidaten aus dem Hut gezaubert (Anmerkung der Redaktion: Gemeint ist Gerhardt Schmidt aus Menden). Für mich ist dieses Kapitel abgeschlossen.

Gut, dann schauen wir nach vorne: Was – außer jeder Menge Erfahrung – kann ein 75-jähriger Kommunalpolitiker seiner Gemeinde noch geben?

Ich habe manchmal den Eindruck, dass Altwerden ein Makel ist. Da wird dann schon mal gefragt: Was will der Opa denn noch? Aber ich fühle mich physisch und psychisch in Bestform. Ich kann noch das eine oder andere leisten!

Ende 2015 wollen Sie den Fraktionsvorsitz im Gemeinderat abgeben. Was kommt danach? Wird Ihr kommunalpolitisches Engagement ausklingen?

Das wird mit Sicherheit nicht langsam ausklingen. Ich werde zwar keine parteiinternen Ämter mehr übernehmen, aber man wird mir nicht verbieten können, noch mitzudenken und mitzureden.

Wann nehmen Sie sich mehr Zeit für Ihr Privatleben? Das hat doch unter Ihrem Engagement garantiert gelitten.

Das stimmt, mein Privatleben hat schon gelitten. Aber zum Glück ist meine Frau als Vorsitzende des Fördervereins der Schule am Drescheider Berg ja auch sehr engagiert. Sie verbringt da heute fast mehr Zeit als damals, als sie dort noch unterrichtet hat. Trotzdem: Ich hoffe, dass ich nach 2015, wenn ich den Fraktionsvorsitz abgegeben habe, etwas mehr Zeit habe.

Wo verbringen Sie eigentlich Ihren Geburtstag?

Mit meiner Frau auf Norderney. Wir machen hier jetzt schon zum 54. Mal Urlaub. Nach unserer Rückkehr wird aber noch im kleinen Kreis gefeiert, mit der Familie und ein paar Freunden.

Sie haben noch einen Geburtstagswunsch frei!

Ich wünsche mir, dass es meinem Vaterland gut geht!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare