"Rauswurf war lächerlich"

Ein Kommentar von Susanne Fischer-Bolz zum Rauswurf von Ulrich Vogel aus der Ratssitzung in Nachrodt-Wiblingwerde.

Als eine Anzahl von Selbstdarstellern hatte Ulrich Vogel die Mitglieder des Rates in einem Leserbrief beschrieben, sie wahrlich böse attackiert und – wie ich finde – auch unverschämt und zu Unrecht behauptet, dass die Kommunalpolitiker kontraproduktiv und ohne Sachverstand agieren. 

Da kann man sich durchaus die Haare raufen. Das war in großen Teilen komplett unnötig. Aber Ulrich Vogel hat als Ulrich Vogel ein offenes Visier gezeigt, hat sich nicht hinter Nawi-Zeigefinger, Leser 455, Jumbo-Sprechblase oder einem anderen seltsamen Nicknamen im Internet versteckt. 

Es gab keine anonymen Hasstiraden, die ja gerade allerorts kritisiert werden, weil kaum ein Mensch bereit ist, Ross und Reiter zu nennen, sondern lieber das Netz als Ort des Versteckens und Krakelens nutzt. Dass die heftige Kritik von Ulrich Vogel letztlich zu einem Ausschluss aus der öffentlichen Sitzung des Rates führte, ist absurd. 

Ob es rechtens war, wird noch geklärt. Aber dass es lächerlich war, dürfte wohl jedem klar sein. Hat sich Ulrich Vogel in der Sitzung unflätig benommen? Nein.  Hat er gebrüllt, ist den Politikern ins Wort gefallen, hat er jemanden angegriffen oder ist über Tisch und Bänke gegangen?

Nein. Er hat einen Leserbrief geschrieben, den die Mehrzahl der Politiker augenscheinlich nicht aushalten konnten. Sonst hätten sie nicht den Antrag von Matthias Lohmann unterstützt, Ulrich Vogel aus dem Saal zu weisen. Und was zeigt uns das?  Die meisten Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden. Ob Ulrich Vogels Kritik jemanden rettet, glaube ich nicht. Höchstens die Meinungsfreiheit.

Doch es hätte den Ratsmitgliedern gut zu Gesicht gestanden, zwar deutlich darauf zu reagieren – wie es Matthias Lohmann getan hat –, dann aber den Mut zu beweisen, die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen.  Leider ist es anders gekommen. Hatte Ulrich Vogel von einer „kostenlosen Possenaufführung“ gesprochen? Schade, dass er am Montag in diesem Moment recht hatte.

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