Auf Hof Knipps werden 2500 Enten groß

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Insgesamt 2500 Entenküken wachsen auf Hof Knipps heran.

Nachrodt-Wiblingwerde – Roderich Knipps hat umgesattelt: Früher lebte er von Kühen und Hühnern. Nun zieht er 2500 Enten groß. Das ist der Grund.

Der Hof Knipps am Kreinberg gibt ist derzeit die Kinderstube von Enten und Hunden. 2500 Entenküken wuseln im Stall herum, während in der Stube im Haus sieben Hundewelpen einen Heidenspaß haben.  In fünf Abteilungen tummeln sich die flauschigen Tiere – und zwar dort, wo früher die Kühe untergebracht waren. 

Gerade erst geboren, sind die Flugenten so groß wie eine Handfläche. Ihr Zuhause besteht aus Wärmelampen und frischem Einstreu. Sitzen die Küken dicht geschlossen unter der Wärmequelle, dann ist ihnen kalt, verdrängen sie sich in die Ecken, so ist es ihnen zu warm. Die Temperatur muss immer 28,5 Grad betragen.

Enten leben von August bis Weihnachten

Wenn sie etwas größer sind und Federn haben, kommen sie in einen noch größeren Stall. Es ist der dritte Jahrgang Enten auf dem Hof Knipps. Von Anfang August bis Weihnachten leben die Tiere. Die ersten werden am letzten Novemberwochenende geschlachtet. 

Roderich Knipps mit einem Hundewelpen.

Von den 2500 Küken sind 750 Enten, der Rest Erpel. Die Erpel werden größer. Bei Erpeln gibt es im Gegensatz zu Hühner kein Problem mit der Männlichkeit – und somit auch keine Aussortierung, während in Deutschland jährlich ungefähr 50 Millionen männliche Hühnerküken unmittelbar nach dem Schlüpfen getötet werden. 

Richter in Leipzig hatten im Juni das massenhafte Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht bis zur Einführung alternativer Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei als weiterhin zulässig eingestuft. Für Roderich Knipps etwas, mit dem er aufgewachsen ist. „Als ich Kind war, haben wir Eintagsküken bekommen, die schon sortiert waren“, erzählt der 65-Jährige. „Da waren von 150 vielleicht mal drei Hähne dabei, und das war schon viel. Ich kenne das nicht anders.“ 

Eigentlich stand der Hof von Roderich Knipps immer für Hühner. Doch dieses Geflügel hat er abgegeben. „Irgendwann muss man Schluss machen.“ Jetzt zieht er für seine Tochter Sandra, die mit ihrem Mann den „Hähnchenhof zur Nieden“ in Fröndenberg besitzt, die Enten auf. Die Hühner – es waren immer etwa 1900 – fehlen ihm eigentlich nicht. Die Eier hatte er direkt vermarktet. 

Milchwirtschaft rechnete sich nicht mehr

Doch eine emotionale Bindung hatte Roderich Knipps viel mehr zu seinen Kühen. Er hatte 50 Tiere. Ihm und seiner Frau standen die Tränen in den Augen, als die Kühe schließlich vom Hof fuhren. Aber: „Wenn man in den Melkstand geht und noch Geld mitbringen muss, dann geht das nicht“, erzählt er von seinem Abschied von den Tieren. Dann pachtete seine Tochter den Stall, in dem jetzt die Enten leben. 

Unterdessen quieken die sieben Welpen mehr als die vielen Entenküken. Die Mischlinge – Border Collie und Australian Shepherd – sind vier Wochen alt. Es ist der zweite Wurf von Merle, die sich als tolle Mutter rührend um ihren Nachwuchs kümmert. Eine Hündin bleibt auf dem Hof, die anderen bekommen neue Familien. Zwei sind noch zu vergeben. 

Tieren Zeit geben

Groß gezogen werden die Enten mit selbst gemischtem Futter aus Getreide von den eigenen Feldern und von landwirtschaftlichen Nachbarbetrieben von Sandra und Dirk zur Nieden. Dazu gibt es genunveränderte deutsche Sojabohnen und keine Antibiotika. „Für uns ist es wichtig, dass die Tiere ein eigenes, gesundes Immunsystem entwickeln. 

Das funktioniert sehr gut, wenn man dem Tier beim Heranwachsen Zeit lässt. Deshalb werden bei uns auch alle Tiere deutlich älter. Dieses ausgereifte Fleisch ist gesünder und schmeckt auch deutlich besser“, sagt Dirk zur Nieden.

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