Klimaschutz: Bürger können Ideen einreichen

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Mit Leben zu füllen: die Klimakarte für Nachrodt-Wiblingwerde

Nachrodt-Wiblingwerde – Ob Wohnen, Verkehr, Energie oder was ganz anderes: Alle Ideen zum Klimaschutz sind willkommen. Die können Bürger nun auf einer Online-Plattform eintragen. Natürlich nicht nur zum Spaß.

Sollte der Bürgerbus elektrisch fahren? Auf welchen Gebäuden ist Photovoltaik möglich? Wie könnte man eine verbesserte Lade-Infrastruktur für E-Fahrzeuge schaffen? 

Die Bürger aus Nachrodt-Wiblingwerde sind aufgerufen, Ideen zu entwickeln, was auf kommunaler Ebene zum Thema Klimaschutz auf die Beine gestellt werden kann. Dafür gibt es online eine Plattform, die am Montag auf der Homepage der Gemeinde freigeschaltet wurde. 

Da die Gemeinde keinen eigenen Klimaschutzbeauftragten hat, wird das Vorgehen mit dem Märkischen Kreis auf die Beine gestellt. Auch Halver, Herscheid, Kierspe, Meinerzhagen, Neuenrade, Plettenberg und Schalksmühle gehen diesen Weg und sind am Prozedere beteiligt. Die Ideenkarte, die es für alle beteiligten Kommunen gibt, ist Teil dieses Konzeptes. 

Orte anklicken, Themen setzen

Mit ein paar Klicks kann unter www.ideenkarte.de/mk/nachrodt-wiblingwerde jeder Bürger Vorschläge unterbreiten, sich entweder den vorgeschlagenen Themen „Wohngebäudesanierung, erneuerbare Energien, umweltfreundliche Mobilität oder Klimaanpassung“ widmen, oder unter „Sonstiges“ einen eigenen Oberbegriff eingeben. Dann kann man einen Ort in der Karte anklicken und auch eigene Punkte hinzufügen.

Bis jetzt hat sich allerdings noch niemand „verewigt“. Wer nicht mit seinem richtigen Namen erwähnt werden möchte, kann ein Pseudonym angeben. Bis Mitte Januar kann jeder Vorschläge für zukünftige Klimaschutz-Aktivitäten entwickeln und auf der Plattform einstellen. 

Projekte vor Ort umsetzen

Anschließend werden die Ideen ausgewertet und in den kommunalen Klimaschutzprozess aufgenommen. Das künftige Konzept soll ein Maßnahmenprogramm enthalten, das die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde vor Ort umsetzen möchte. Die Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Mit der Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes wurde die Gertec GmbH Ingenieurgesellschaft aus Essen beauftragt.

 Denn Klimaschutz in Nachrodt-Wiblingwerde ist ebenso von Bedeutung wie in den großen Ballungszentren. Wegweisende Initiativen und Konzepte werden gerade auch in kleinen und mittleren Kommunen umgesetzt. Einige Beispiele. 

Kalbe: 100 Prozent grüner Strom 

Eine Stadt, die mit Nachrodt-Wiblingwerde vergleichbar ist, ist Kalbe in Sachsen-Anhalt. Der demografische Wandel trifft Kalbe schon jetzt besonders schwer. 1990 lebten noch etwa 10 600 Einwohner in der Gemeinde, zurzeit sind es rund 8000, und bis 2025 wird eine kontinuierliche Abnahme der Bevölkerung auf 6500 prognostiziert. Dementsprechend nimmt auch der Anteil jüngerer Menschen immer weiter ab.

„Als ‚100 %-Erneuerbare-Energien-Kommune‘ können wir uns ganz neu positionieren“, hofft Bürgermeister Karsten Ruth. Ziel ist, die Stromgewinnung zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzustellen. Windparks und Biogasanlagen prägen das Landschaftsbild in Kalbe schon lange, das Klimaschutzkonzept verdeutlicht das enorme Potenzial. Mit mehr als 190 000 Megawattstunden Strom produzieren die Anlagen das Fünffache des örtlichen Strombedarfs. 

Damit zählt die Gemeinde zu den Vorreitern in Deutschland. Ortsansässige beteiligen sich genossenschaftlich an der Finanzierung von einzelnen Windkraftanlagen – und ernten so auch etwas vom erzielten Gewinn. 

Heiligenstadt will auf Bus und Rad setzen 

Ein Blick nach Thüringen: Das Heilbad Heiligenstadt ist auch eine ländlich geprägte Region. Ähnlich wie in Nachrodt-Wiblingwerde wird auch dort bei kurzen Distanzen bevorzugt das Auto genutzt – typisch für das Mobilitätsverhalten in ländlichen Regionen.

Insgesamt legen die Heiligenstädter 48 Prozent aller Wege mit dem Auto zurück, weitere 14 Prozent als Beifahrer. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) hat dagegen nur einen Anteil von drei Prozent. Die Vorliebe zum Auto führt dazu, dass die Heiligenstädter Bevölkerung täglich rund 72 000 Kilometer bei 25 000 Fahrten innerhalb des Stadtgebietes zurücklegt. 

Die Bilanz der Emissionen schreibt diesem Pkw-Aufkommen jährlich 14 724 Tonnen CO2 zu. Das Konzept weist darauf hin, dass jährlich bis zu 1600 Tonnen CO2 eingespart werden können, wenn es gelingt, einen Teil dieser Fahrten auf den ÖPNV oder das Fahrrad zu verlagern oder diese Wege zu Fuß zurückzulegen.

Ein wichtiger Baustein, den das Klimaschutzteilkonzept zur Emissionseinsparung vorschlägt, ist daher eine Weiterentwicklung des ÖPNV. Auch eine Idee für Nachrodt-Wiblingwerde? Der Ausbau des

Radnetzes ist ebenfalls schon lange in der Doppelgemeinde ein Thema.

An der B236 in die Pedale zu treten, ist nämlich lebensgefährlich.

Jülich: Kinder als Strompolizisten 

Gute Ideen gibt es augenscheinlich viele, auch aus Jülich. Die Schulen und Kitas beweisen dort Kreativität. In der Kita „Purzelbaum“ gibt es mitten im Winter einen stromfreien Tag, an dem Stromfresser gekennzeichnet und stromfreie Geräte aus alter Zeit neu entdeckt werden. 

Eine Grundschule in Jülich bildet ihre Schüler zu Lichtwächtern aus, die darauf achten, dass nur dort Licht brennt, wo es gebraucht wird. In einer anderen Schule sorgt ein engagiertes Klimaschutzteam aus den Reihen der Schüler dafür, dass sämtliche Kühlschränke in den Ferien ausgeschaltet werden. 

Auch die Eltern werden mit einbezogen, zum Beispiel in der Kita „Rappelkiste“. Dort haben sich die Eltern einem Umwelt-Verhaltenskodex verpflichtet und bringen ihre Kinder verstärkt zu Fuß oder mit dem Rad in die Kita. 

Gruppe kümmert sich um Ideenschmiede

Übrigens: In Nachrodt-Wiblingwerde wird eine Lenkungsgruppe die Ideenschmiede für den Klimaschutz begleiten. Bis zur Ratssitzung im Dezember entsenden CDU, SPD und UWG jeweils zwei Vertreter. Im März 2020 soll es ein „World-Café“ geben, in dem alle Wünsche und Vorschläge diskutiert werden

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