Kleinkläranlage: Carina Herbel-Petermann legt Widerspruch ein

Schockierender Gebührenbescheid

Carina Herbel-Petermann – im Hintergrund ihr Haus – ärgert sich über den Gebührenbescheid.
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Carina Herbel-Petermann – im Hintergrund ihr Haus – ärgert sich über den Gebührenbescheid.

„Es trifft eine Handvoll Betreiber, die keine große Lobby haben und von denen man keine Gegenwehr erwartet.“ Carina Herbel-Petermann ist entsetzt. Als der Gebührenbescheid für ihre Kleinkläranlage ins Haus flatterte, platzte ihr der Kragen. Sie reichte Widerspruch bei der Gemeinde ein.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Ich bin sonst kein Quertreiber, nehme oft alles sang- und klanglos hin, zum Beispiel, dass wir beim Breitbandausbau einfach vergessen wurden, aber das ist jetzt völlig unverhältnismäßig“, sagt die Mutter von drei Kindern, die am Brantenhahn wohnt. Grund des Ärgers ist die Einführung einer jährlichen Grundgebühr für Kleinkläranlagen, die der Rat beschlossen hat.

69 Kleinkläranlagen und 20 feste Gruben

„Für uns, die wir eine sehr kleine Anlage haben und diese aufgrund der guten Funktion nur alle fünf Jahre abfahren lassen müssen, bedeutet das Mehrkosten in Höhe von 550 Euro“, erzählt Carina Herbel-Petermann. 69 Kleinkläranlagen und 20 feste Gruben gibt es in Nachrodt-Wiblingwerde. Die neue Grundgebühr für die Kleinkläranlagen beträgt je Anlage 234,06 pro Jahr, für die festen Gruben 56,39 Euro im Jahr. Die Entsorgungsgebühr kostet 33 Euro pro Kubikmeter.

Gleichmäßige Verteilung der Fixkosten auf die privaten Haushalte zunehmend schwierig

„Hintergrund der Berechnung der Grundgebühr ist die Tatsache, dass die Gebühr für die Leerung der Kleinkläranlagen und festen Gruben in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen ist, da die Fixkosten auf eine sinkende Klärschlammmenge verteilt werden mussten“, erklärt Roland Roczniok, stellvertretender Bauamtsleiter der Gemeinde. Er erläutert: „Der Gemeinde entstehen, unabhängig von der zu entsorgenden Klärschlammmenge jährliche Fixkosten in Höhe der Personalkosten und des Ruhrverbandsbeitrages. Diese Kosten wurden bisher auf die abgefahrene Menge umgelegt, was dazu führte, dass die Haushalte nur mit den Fixkosten belastet wurden, wenn sie auch den Klärschlamm abfahren ließen. Aber aufgrund der Leistungsfähigkeit der Kläranlagen wird insgesamt deutlich seltener abgefahren, da die Anlagen weniger Klärschlamm produzieren. Dies macht eine gleichmäßige Verteilung der Fixkosten auf die privaten Haushalte zunehmend schwieriger. Dem wird entgegengewirkt, indem die Fixkosten in Form einer Grundgebühr auf die einzelnen Haushalte verteilt werden.“

Kein Trost

Carina Herbel-Petermann kann die Argumentation zwar nachvollziehen, aber ein Trost ist es nicht. „Mein Widerspruch wurde von der Gemeinde abgelehnt, ich glaube nicht, dass es Sinn macht, zu klagen. Das wird nur extrem teuer und das kann ich mir nicht leisten“, sagt die 42-Jährige und ergänzt: „Die Kosten für die Kleinkläranlage stehen auch in keinem Verhältnis zu anderen Städten und Gemeinden. Die Gemeinde Herscheid berechnet 154 Euro pro Jahr und bei der Abfuhr 30 Euro pro Kubikmeter, andere noch weniger.“ Hinzu komme, dass die Kleinkläranlagenbetreiber zweimal jährlich Wartungs-, Reparatur- und Stromkosten zum Betrieb ihrer Anlagen tragen müssen. „Dinge, mit denen Haushalte, die an den Kanal angeschlossen sind, überhaupt nichts zu tun haben. Zudem sind wir darauf angewiesen, dass bei der halbjährlichen Überprüfung die vorgeschriebenen Werte stimmen und überlegen uns deshalb ganz genau, was wir durch den Abfluss schicken, handeln dementsprechend wesentlich umweltbewusster“, so Carina Herbel-Petermann.

Bürger „am Kanal“ zahlen nicht weniger

Dass Besitzer von Kleinkläranlagen mehr bezahlen als Bürger, die am Kanal angeschlossen sind, weist Roland Roczniok weit von sich. „Bei einem durchschnittlichen jährlichen Verbrauch von 38 Kubikmetern stehen Kosten in Höhe von 154,66 Euro an. Pro Person“, sagt Roland Roczniok. Außerdem würden die Kosten für die Reparatur, die Kontrolle sowie die Erneuerung des Kanalnetzes zusätzlich zu den Personalkosten und dem Ruhrverbandsbeitrag in die Gebühr für Schmutzwasser einbezogen, „sodass solche Kosten von den Haushalten, die an den Kanal angeschlossen sind, ebenfalls getragen werden müssen“, so Roczniok. Vielleicht ist es für die Kleinkläranlagenbesitzer ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass bei möglichen Überschüssen die Grundgebühr wieder billiger werden kann.

Haus ist 130 Jahre alt

Das Haus von Carina Herbel-Petermann steht seit mehr als 130 Jahren auf den Höhen Nachrodt-Wiblingwerdes. Vor 14 Jahren hat sie es von ihren Großeltern übernommen. 2009 wurde ein neues System in die Kleinkläranlage eingebaut, das das Wasser sauberer macht. Das Wasser versickert geklärt und gereinigt unter der Weide.

Bei Breitbandausbau vergessen

Die junge Mutter ist im Moment auch aufgrund einer anderen Sache gebeutelt: die fehlende Berücksichtigung beim Breitbandausbau. „Für uns ist es zum Greifen nah, aber wir wurden wirklich vergessen“, sagt Carina Herbel-Petermann. Aufgrund des Homeschoolings stand sie vor einem riesigen Problem und zahlt nun zwischen 75 bis 100 Euro für einen Hotspot, damit ihre Kinder am Online-Unterricht teilnehmen können.

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