Illegale Waffengeschäfte aufgedeckt

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Mark Fahnert ist Polizist und Schriftsteller. Am 2. November ist sein neuer Thriller "Klang des Feuers" erschienen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Er hat Online-Lesungen gemacht, ohne zu wissen, ob ihm überhaupt jemand zuhört. „Echtes“, hautnahes Publikum wäre ihm lieber gewesen. Und doch ist sein Roman „Lied des Zorns“, der im ersten Lockdown erschien, unter den widrigen Umständen ein echter Erfolg geworden. Mehr als 5000 Bücher waren bereits im Juni verkauft. Am gestrigen Montag (2. November) erschien mit „Klang des Feuers“ der neue Roman des Nachrodt-Wiblingwerder Schriftstellers Mark Fahnert. Wieder im Lockdown. Ein Interview.

Diesmal geht es nicht um Terrorismus, sondern um illegale Waffengeschäfte. 

Wie lange haben Sie an „Klang des Feuers“, das natürlich wieder im Piper-Verlag erschienen ist, geschrieben?

 Mark Fahnert: Ein halbes Jahr. Jeden Tag. 

Wieder mit der Disziplin, morgens früh ab 5 Uhr ?

 Ja, von 5 bis 6 Uhr meistens und manchmal abends. 

Jetzt gab es sicher den Druck vom Verlag, mit dem zweiten Buch fertig zu werden, oder?

 Als Druck habe ich das nicht empfunden, sondern eher als Ansporn, fertig zu werden. Wenn ich meinen Corona-Blues habe, dann würde ich auch manchmal lieber Playstation zocken. Aber ich habe ein Ziel, möchte mit meinen Büchern den Lesern ein paar schöne Stunden bereiten.

 Es war von Anfang an ein Dreiteiler geplant? 

Ja. Ich hatte aber erst Verträge für zwei Bände, jetzt wurde der Vertrag für den dritten und letzten Teil der Reihe gemacht. Das dritte Buch erscheint im Frühjahr 2021.

 Worum geht es in „Klang des Feuers“? 

Es geht um illegale Waffengeschäfte und dann auch um die Suche von Wiebke nach den vermeintlichen Mördern ihrer Schwester. 

Spielt es wieder in vielen verschiedenen Ländern?

 Nein, diesmal ist es anders. Im ersten Buch wollte ich die Entstehungsgeschichte eines terroristischen Anschlags darstellen. Da waren viele Personen wichtig, viele Handlungsstränge. Das ist jetzt nicht so. Das Buch spielt hauptsächlich in Deutschland, und zwar in Hamburg, aber auch im Sudan.

 Warum Hamburg?

 Ich mag Hamburg einfach. Ich bin gerne da, mag die Atmosphäre der Stadt.

Und der Leser erkennt die Stadt wieder?

 Wer das erste Buch gelesen hat, der weiß: Ich bin etwas sparsam, was Beschreibungen betrifft, Wenn jemand ein Café betritt, bin ich der Meinung, dass ich das Café nicht erklären muss, weil jeder weiß, wie ein Café aussieht. Das ist bei Fantasie-Romanen natürlich anders. 

Schwingt das Thema Terrorismus wieder mit?

 Ja, aber es nicht mehr das Hauptthema. 

Muss ich das erste Buch gelesen haben, um das zweite zu verstehen?

 Nein, die Bücher sind so aufgebaut, dass man jedes einzeln lesen kann. Ich denke, dass ich es geschafft habe, den neuen Leser in die Lage zu versetzen, dass er der Handlung folgen kann. Ich mache Andeutungen, was in Band 1 passiert ist, aber nicht in Form von „Was bisher geschah“. Es ist eingebettet in die Geschichte. Man weiß aber nicht, wie Band 1 ausgeht, ob die Bombe gezündet wurde. Aber natürlich ist das Lesegefühl schöner, wenn man das erste Buch gelesen hat. 

Warum sollte man „Klang des Feuers“ unbedingt lesen? 

Weil es unheimlich spannend ist. Es ist komplex, es ist auch kritisch. Waffengeschäfte sind für mich untrennbar mit Krieg verbunden. Ein T-Shirt „Nie wieder Krieg“ würde ich anziehen. Und da kann man sich vorstellen, wohin die Kritik geht. Und ich habe mit Wiebke eine unorthodoxe und sehr unkonventionelle Heldin.

 Kann man die Hauptfigur Wiebke mögen?

 Durchaus möglich. Sie ist eine ziemlich zerrissene Persönlichkeit. Sie will trotz des schlechten Verhältnisses zu ihrer Schwester sie rächen. Blut ist eben dicker als Wasser. Egal, wie man zu seinen Geschwistern oder Eltern steht: Wenn sie ins Trudeln kommen, würden 99 Prozent sie unterstützen.

 Spielt die Corona-Pandemie irgendeine Rolle im Roman?

 Nein, ich weiß nicht, ob das ein Thema für ein Buch ist. So viele Menschen leiden unter Corona. Ich würde mich ziemlich schlecht fühlen, wenn ich mit Unterhaltungsliteratur mit etwas, was so tiefe Einschnitte in unser Leben bringt, möglicherweise Geld verdiene. 

Der erste Roman erschien im Lockdown, der zweite jetzt ebenfalls. Ein Drama für einen Schriftsteller? 

Ja. Und die Lesungen sind – bis auf eine – alle ausgefallen. Ich war kürzlich beim Gießener Krimifestival. Eine tolle Location, ein toller Veranstalter. Aber über das Wirtschaftliche kann ich gar nicht so reden, weil für mich im Vordergrund steht, dass ich Menschen unterhalten möchte. 

Sie sind dann auf Online-Lesungen umgestiegen?

 Ich habe zwei Online-Lesungen gemacht. Aber ehrlich: Ich bin froh, dass ich einen Computer an- und ausmachen kann. Bei der ersten Lesung habe ich 40 Minuten gelesen, habe überhaupt keine Kommentare gesehen und auch keine Likes. Später habe ich gehört, dass doch einige Menschen zugehört haben und auch Fragen hatten. Aber ich hatte 40 Minuten das Gefühl, ich lese für mich. Das war nicht ganz so schön. Beim zweiten Mal ging es schon besser. Aber ich bin eher der Typ für den persönlichen Kontakt. Online-Unterhaltung finde ich schwierig, aber natürlich muss es jetzt so sein. Zum Erscheinen des neuen Buches werde ich wohl den Prolog vorlesen und als Video online stelle, was aber für mich schon eine starke Überwindung ist. Ich bin es nicht gewohnt, vor der Kamera zu stehen.

 Der Piper-Verlag unterstützt Sie aber?

 Ja natürlich. Ich war zum Beispiel in München. Dort haben wir Werbeaufnahmen gemacht, die jetzt bei Instagram geschaltet werden - eine Art Interview mit vier oder fünf Fragen. Ich bin sehr glücklich mit dem Verlag, er macht viel möglich.

 Es ist November, der Teil-Lockdown gilt seit gestern. Wie kann man Corona nicht nur als Schreckgespenst sehen?

 Ich sag mal: Die Welt vor Corona war ziemlich krank – wenn man bedenkt, dass man für 200 Euro all inklusive nach Mallorca fliegen kann und wir unseren Planeten immer mehr kaputt machen – durch Industrie, durch Kreuzfahrtschiffe, durch zu viele Flüge. Ich finde es krank, wenn in Afrika für einen großen französischen Konzern Wasser abgefüllt wird, damit wir das Wasser für relativ viel Geld konsumieren können, während die Leute in Afrika kilometerweit laufen müssen, um halbwegs sauberes Wasser zu bekommen. Das ist für mich alles unfassbar gewesen. Ich glaube schon, dass man sich jetzt auf Bewährtes zurückziehen kann. Man kann auch zu Hause und in der Umgebung seien Urlaub genießen. Für viele sind es heftige Einschränkung, aber man kann schon aus dem ganzen Negativen auch eine Chance sehen. Ich hoffe, dass jeder durch diese Krise kommt. Wir müssen innovativer werden, alternative Lösungen finden. Das Positive bei Corona ist, dass man sich auf sich selbst besinnen kann, auch mal gucken kann, was man schon immer mal machen wollte. Natürlich braucht man den sozialen Kontakt. Das ist wichtig. Aber es ist genauso wichtig, dass wir gesund bleiben. Jeder, der jetzt dagegen verstößt, handelt vollkommen egoistisch.

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