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Kitz-Rettung per Drohne: Hegering findet Tierkinder vor dem Mähen

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Das Kitz duckt sich, kann nicht flüchten. Aber dank des Einsatzes einer Drohne mit Wärmebildkamera konnte das Tierkind aus dem hohen Gras gerettet werden, bevor die großen Mähmaschinen über das Feld fuhren.
Das Kitz duckt sich, kann nicht flüchten. Aber dank des Einsatzes einer Drohne mit Wärmebildkamera konnte das Tierkind aus dem hohen Gras gerettet werden, bevor die großen Mähmaschinen über das Feld fuhren. © Hegering

Fünf Einsätze geflogen: zwei Kitze gerettet und auch zwei kleine Hasen. Sie wären beim Mähen der Felder vielleicht auf grausame Art gestorben.

Statt wegzulaufen, hätten sich die Tierkinder geduckt und wären von den großen Maschinen überrollt worden – im schlimmsten Fall. Doch mit Hilfe einer Drohne konnten Torsten Pühl und sein Team vom Hegering Altena die hilflosen Geschöpfe ausfindig machen und in Sicherheit bringen. Ein Glücksgefühl.

„Früher sind wir mit mehreren Leuten wie an einer Kette durch die Felder gezogen, um nach den Tieren Ausschau zu halten. Doch man kann drei Meter daneben stehen und sieht das Tier trotzdem nicht“, erzählt Torsten Pühl. Heute, mit der Drohne samt Wärmebildtechnik, sind die Chancen groß, die Rehkitze und auch die kleinen Hasen sofort zu erkennen. Doch das muss früh morgens passieren, weil die Temperaturunterschiede zwischen Kitz und Gras dann am größten sind.

Um 5 Uhr steigt die Drohne auf

Um 5 Uhr steigt die „DJI mavic 2 Enterprise Advanced“ also in den Himmel – zum Beispiel am Hohenhagen, Ovenscheid, Brenscheid oder Großendrescheid. Etwa 50 Meter hoch wird die Drohne dann über die Felder gesteuert. Bei einem Fund startet direkt die Hilfsaktion.

Auch Christian Pühl gehört zum Drohnen-Rettungs-Team des Hegerings.
Auch Christian Pühl gehört zum Drohnen-Rettungs-Team des Hegerings. © Hegering

Die Rehkitze dürfen nicht mit menschlichen Gerüchen in Berührung kommen, deshalb gehen die fünf Hegering-Mitglieder, die die Lizenz zum Drohnenfliegen haben, mit Handschuhen und Gras auf das Tierkind zu, setzen es dann in einen Korb. Später wird das Kitz wieder ausgesetzt und kann von der Ricke abgeholt werden. „Ich möchte dringend Spaziergänger davor warnen, Rehkitze, so süß sie auch sind, anzufassen. Dann nimmt die Ricke sie nicht mehr an“, sagt Torsten Pühl und bittet auch alle Hundebesitzer, ihre Vierbeiner nicht frei laufen zu lassen. Wenn die Kitze noch sehr klein sind, sind sie instabil auf den Läufen und flüchten nicht. Für die Retter ist dies gut, weil sie, solange die Tierkinder nicht flügge sind, diese mit der Drohne gut orten können.

Revierinhaber buchen die Drohnenflieger

Revierinhaber und Landwirte aus Altena und Nachrodt buchen die Drohnenflieger vom Hegering. Jetzt ist der erste Grasschnitt durch, in drei bis vier Wochen, wenn die Heuernte ansteht, werden die Suchaktionen mit der modernen Technik fortgesetzt.

6000 Euro hat der Hegering Altena für die Drohne ausgegeben. Es gab eine Bezuschussung vom Bund, „dass hat uns die Entscheidung für die Anschaffung natürlich leichter gemacht“, sagt Torsten Pühl, der seit September vergangenen Jahres den Hegering leitet.

Hilfsaktion aus der Luft gab es schon 2021

Die Hilfsaktion per Drohne ist in Nachrodt-Wiblingwerde übrigens nicht neu. Bereits im vergangenen Jahr hatte Jäger Heiko Cordt ein „unbemanntes Luftfahrzeug“ für denselben Zweck angeschafft. Torsten Pühl findet das gut, wenn mehrere Leute diese guten Ideen umsetzen, damit möglichst viele Flächen abgeflogen und möglichst alle Tierkinder gerettet werden können.

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