Die Nachrodter Kirchenorgel

Seltenes elektro-pneumatisches Orgelwerk

Orgel Nachrodt
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Maria Hartel in der begehbaren Orgel in der Nachrodter Sz. Josef-Kirche.

Die Orgel in der katholischen St. Josef-Kirche in Nachrodt ist in der Pfarrei St. Matthäus so etwas wie das Sorgenkind. Viele ihrer Töne klingen schief oder gar nicht mehr. Ganze Register lassen sich nicht mehr so einsetzen, wie das qualifizierte Organisten gewöhnlich voraussetzen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Das elektro-pneumatische Orgelwerk – übrigens ein krasses Gegenstück zu den mechanischen Orgeln in St. Matthäus, Altena und St. Theresia, Evingsen – arbeitet nämlich elektrisch. Das heißt: Die Kontakte, die vom Spieltisch zu den Ventilen und dann zur Pfeife gehen, werden elektrisch gesteuert und betrieben. In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, in der dieses Instrument angeschafft wurde, wurden diese Orgeln bevorzugt gebaut. Heute allerdings werden die rein mechanischen Orgeln wieder favorisiert.

Zum Klingen bringen das Instrument mehr als 800 Pfeifen, verteilt auf 18 Register. Gebaut hat die Orgel die Firma Feith aus Paderborn. „Mindestens alle 20 bis 25 Jahre sollten alle Pfeifen einer Kirchenorgel gesäubert werden, Dellen im Metall ausgebessert, die Filzstückchen in den Funktionsstellen und vieles mehr generalüberholt werden. Dann hat man viel, viel Freude an einer Orgel“, sagt Hartel. In Nachrodt geschah das allerdings nicht.

Offene Bauweise fördert Verschmutzung

Und ein weiteres Problem: Die Orgel ist sehr offen gebaut. Das bedeutet: Von überall aus der Raumluft können Schmutzpartikel in die offenstehenden Pfeifen gelangen. Wer auf der sehr, sehr verbauten Orgelbühne mit wirklich vielen Stolperfallen (Stufen, Treppchen, Halbschrittstufen) steht, kann schon mit bloßem Augen den Schmutz an den äußeren Pfeifenwänden erkennen. Wie muss es erst im Innern aussehen? „Das sorgt für Luftprobleme“, sagt Hartel und ist längst dazu übergegangen, bestimmte Register oder Klangfarben (beispielsweise Oboe-Töne) gar nicht mehr erst anzuschlagen. „Das klingt nur noch furchtbar“, sagt sie.

Zu klanggewaltig für die kleine Kirche

Geistliche, die in St. Josef zelebrieren, berichten auch immer wieder über die extreme Lautstärke der Orgel. Gut, da kann eine erfahrene Organistin wie Maria Hartel, die über drei Orgel-Examina verfügt, natürlich etwas machen. „Ein Pfarrer hat mir mal gesagt: Kaum trete ich aus der Sakristei und die Orgel beginnt zu spielen, kriege ich Kopfschmerzen.“ Das zeige, so sagt Hartel, dass die Verantwortlichen vor etwa 60 Jahren vielleicht nicht ganz den Leitsatz beherbergt hätten,. dass jede Orgel an den Raum angepasst sein muss, in dem sie erklingen soll. „Das Tonnengewölbe hier in St. Josef reagiert eben besonders intensiv. Und eine Orgel sollte klanglich nicht den Raum, in dem sie steht, im Wortsinne erschlagen. Das verträgt sich nicht.“

Spendenaktion für die Sanierung läuft

Trotz alledem hat auch die Orgel in St. Josef einen großen materiellen und immateriellen Wert. Und deshalb startete die Pfarrei eine Spendenaktion für die Überholung des Instrumentes. In zwei Etappen sollten Gelder für die Restaurierung gesammelt werden. Bis jetzt sind zumindest der Spieltisch und seine Technik erneuert worden. Das sieht nicht nur optisch gut aus. Hartel: „Dort gab es abgebrochene Schalter und andere Probleme, die sind jetzt behoben. Diese waren hauptsächlich einer gewissen Materialermüdung geschuldet.“ Wie es jetzt weitergeht, scheint offen. „Die Orgel hätte es auf jeden Fall verdient, dass man weiter macht“, sagt Hartel. Es ist schon verblüffend, wenn sie den elektrischen „Schaltschrank“ öffnet, dessen Vorderseiten die Manuale tragen oder einen Blick ins Innenleben des Prospektes gewährt, auf dem ein paar Schaupfeifen für die Optik stehen. Auch dort fällt das Auge statt auf feinste Mechanik auf Kabel und Leitungen.

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