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Kirchen kalt, etwa 70 Prozent Energie gespart

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Die Kirche St. Josef wird nicht mehr beheizt, aber Gottesdienste finden statt.
Die Kirche St. Josef wird nicht mehr beheizt, aber Gottesdienste finden statt. © Fischer-Bolz, Susanne

Heizkissen hat die evangelische Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld für ihre Gottesdienstbesucher angeschafft, damit sie in der kalten Kirche keinen „kalten Popo“ bekommen. Anders die Katholiken: Sie setzen auf warme Kleidung und sparen mit ihren Maßnahmen erheblich.

Nachrodt-Wiblingwerde/Altena – Schal und Mütze, am besten auch noch ein dickes Sitzkissen mitnehmen: Dann könnte man den Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Josef auch bei Kälte aushalten. Denn geheizt wird nicht. Die Pfarrbeauftragte Sandra Schnell erzählt über die Situation rund ums Energiesparen und offenbart auch ein paar Neuigkeiten. Denn wer doch lieber im – vielleicht im warmen – Wohnzimmer den Gottesdienst miterleben will, kann dies sehr bald per Livestream.

Acht Grad ist die Devise

„Wir feiern unsere Gottesdienste in der Nachrodter Kirche, abwechselnd Samstagsabends und Sonntagmorgens. Wir haben weder Gottesdienste gestrichen noch sie zentralisiert. Die Pfarrei hat sich aber überlegt, dass zum einen bis auf ein paar Ausnahmen vielleicht zur Weihnachtszeit die Kirchen nicht mehr angestrahlt werden, und zum anderen die Kirchen St. Theresia in Evingsen und St. Josef in Nachrodt nicht geheizt werden.“ Acht Grad ist die Devise. Da frieren die Heizungen nicht zu, aber da könnte der eine oder andere Besucher durchaus schnattern. Viel wärmer ist es in St. Matthäus Altena mit zwölf Grad aber auch nicht wirklich.

Warmes unter dem Gewand

„Ich ziehe mir etwas Warmes unter dem Gewand an“, erzählt die Pfarrbeauftragte. Sie hört viel Verständnis für die Energiesparmaßnahmen von den Katholiken. „Wir hatten auch überlegt, ob wir Decken anbieten. Aber das wäre wahrscheinlich nicht allen recht, da man ja nicht weiß, wer die Decke zuvor benutzt hat. Aber es gibt auch ein paar Sitzkissen, die ein wenig helfen.“ Gottesdienst-Besucher gibt es in St. Josef übrigens nur noch recht wenige, „zwischen zehn und 20“, sagt Sandra Schnell.

Livestream-Angebot

„Wir werden zum ersten Advent auch ein Livestream-Angebot auf die Beine stellen. Alle Gottesdienste werden dann aus St. Matthäus live gestreamt, sodass alle, denen es jetzt zum Beispiel in der Kirche zu kalt ist, sich den Gottesdienst jeden Sonntag mit den bekannten Gesichtern ins Wohnzimmer holen können. Das hatten wir sowieso vor, hatte also gar nichts mit der Energiekrise zu tun“, so Sandra Schnell. Man könne dann einfach auf die Homepage gehen und es anklicken. Es macht aus Sicht von Sandra Schnell auch im Bezug auf die Vereinshäuser keinen Sinn, Räume die ganze Woche zu heizen, wenn sich dort nicht regelmäßig Menschen treffen würden. „In Nachrodt waren es noch zwei Gruppen, in Evingsen auch. Die treffen sich jetzt alle im Pfarrsaal Altena“, sagt die Pfarrbeauftragte. Übrigens: Auch die Friedhofskapellen sind kalt. „Bei Beerdigungen sind die Leute erst nicht so begeistert, aber wenn ich sage, dass wir uns besser 20 Minuten warm anziehen, dafür aber die Energie für die Privathaushalte sparen, dann sind alle positiv gestimmt“, meint Sandra Schnell.

Wärmeinsel

Doch wie viel kann mit all diesen Maßnahmen gespart werden? „Ich habe zwar keine aktuellen Zahlen, aber dadurch, dass wir zwei Pfarrheime und zwei Kirchen nicht heizen, werden wir sehr viel sparen. Das müssten sogar 60 bis 70 Prozent sein. Wir halten nur einen Pfarrsaal warm, den wir auch als Wärmeinsel zur Verfügung stellen, wenn es tatsächlich einen Notfall geben sollte.“ Ob allerdings auch die Kosten niedriger sein werden, ist aufgrund der gestiegenen Preise unwahrscheinlich. „Wir sind noch bis Ende des Jahres in einem Vertrag, der uns die Kosten stabil hält, aber dann wird es auch bei uns in die Höhe gehen“, so Sandra Schnell.

Idee verworfen

Gespart wird auch in der evangelischen Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld – aber die erste Idee, die Gottesdienste im Gemeindehaus zu feiern, wurde wieder verworfen. Die Kirchentemperatur liegt knapp über 10 Grad. „Wir feiern die Gottesdienste in der Kirche und haben dafür 20 beheizbare Sitzkissen angeschafft“, sagt Pastor Kube. Die, die am vergangenen Sonntag dabei waren, hätten es als angenehm empfunden. Die Heizkissen haben Akkus. Die Ladung reicht für zwei bis drei Gottesdienste. Bei den großen Gottesdiensten wie am Heiligabend müsse man sich warm ankleiden, „aber wenn da 200 Leute sind, gibt es ja auch auf natürliche Art Wärme“, so Wolfgang Kube. Als die Kirchengemeinde noch keine Sitzkissen hatte, weil diese allerorts ausverkauft waren, traf man sich für zwei Gottesdienste im Gemeindehaus. „Es wurde unterschiedlich aufgefasst. Einige fanden es okay, andere sagten, dass ihnen die Stimmung und Atmosphäre der Kirche fehle.“

Gravierender Unterschied

Auch die evangelische Kirche wird mit Gas beheizt. Langfristig möchte man gucken, was veränderbar ist, vielleicht zusätzlich in eine Wärmepumpe investieren. „Aber bei solch einem Gebäude ist mit Wärmeeffizienz nicht viel zu machen“, sagt Wolfgang Kube. Insofern gibt es den Gedanken, dass man im Frühjahr nach Innovationen auf dem Heizkissenmarkt schaut. So oder so bleibt die Kirche recht kalt. Welche Einsparungen geschafft werden, „kann man erst nach dem Winter sagen.“ Aber es sei durchaus ein gravierender Unterschied, ob man 18 Grad hätte oder knapp über 10, und ob man kurzfristig hochheize oder eben nicht.

Pastor friert nicht

Pastor Kube hat übrigens so gar kein Problem mit der Kälte. „Ich war heute eine Dreiviertelstunde mit Oberhemd in der Kirche und habe es überlebt“, erzählt er schmunzelnd. Übrigens: Sollte es in Strömen regnen, wird die Gemeinde ins Gemeindehaus ausweichen. Damit niemand in nasser Kleidung in der kalten Kirche verweilen muss und dann möglicherweise krank wird.

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