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Kirche: „Die Zukunft wird sehr schwierig“

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Von: Hildegard Goor-Schotten

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In einem sehr persönlichen Gespräch mit Moderator Stefan Kemper (rechts) gab Josef Henke, Presbyter der Ev. Kirchengemeinde Nachrodt, Auskunft über seinen Weg zum Glauben.
In einem sehr persönlichen Gespräch mit Moderator Stefan Kemper (rechts) gab Josef Henke, Presbyter der Ev. Kirchengemeinde Nachrodt, Auskunft über seinen Weg zum Glauben. © Goor-Schotten, Hilde

Fröhliche Kinder, angeregte Gespräche, Zusammensitzen bei Kaffee und Kuchen: Das Josefsfest am Samstag, 19. März, hatte alles, was zu einem schönen Geburts- oder Namenstag gehört. Und doch gab es auch traurige Momente und kritische Debatten.

Nachrodt-Wiblingwerde – Es war die erste größere Veranstaltung in Gemeinschaft seit zwei Jahren, wie Kathrin Richter vom Pfarrgemeinderat betonte. Daher genossen die Besucher die Möglichkeit, endlich wieder ins Gespräch zu kommen – auch wenn die Besucherzahl noch überschaubar und begrenzt blieb. Die Organisatoren hatten um vorherige Anmeldung gebeten, die üblichen Corona-Regeln galten.

Die acht Knöpfe der Weste

Im Mittelpunkt des Programms stand - natürlich – Josef. Der Zimmermann aus Nazareth tauchte im Erzähltheater für die Kinder auf. Er schaute aber auch als Handwerker vorbei: Silas Mühlenfeld aus Neuenrade stellte den Beruf früher und heute vor, in traditioneller Arbeitskleidung und mit dem passenden Werkzeug. Der 21-Jährige erzählte von der Bedeutung der acht Knöpfe seiner Weste, die für die Arbeitsstunden am Tag stehen, von wandernden Handwerksgesellen und der Unterscheidung von Zimmermann, Schreiner und Tischler.

Viel Spaß hatten die Kinder beim Nistkästen-Bau.
Viel Spaß hatten die Kinder beim Nistkästen-Bau. © Goor-Schotten, Hilde

In „voller Montur“

Das begeisterte vor allem den kleinen Linus, der ebenfalls in voller Montur erschienen war. Er hatte so schon passend zum „Berufsziel Dachdecker“ Karneval gefeiert. Keine Frage, dass er anschließend auch beim Nistkasten-Bau auf dem Kirchhof mit Feuereifer dabei war. Rund um die vorbereiteten Bausätze machten sich die Jungen und Mädchen begeistert daran, Wände aufzurichten und Nägel einzuschlagen.

Der Tod seiner Frau spielte eine große Rolle

Und während vor der Tür noch lautes Hämmern zu hören war, nahmen im Vereinshaus die Gäste auf dem roten Sofa Platz. „Warum glaubst du?“ war der Talk überschrieben, in dem es auch um Ökumene und die Zukunft der Kirche ging. In einem sehr persönlichen Gespräch mit Moderator Stefan Kemper gab Josef Henke, Presbyter der Ev. Kirchengemeinde Nachrodt, Auskunft über seinen Weg zum Glauben und in die Kirchenarbeit – und darüber, wie er den Tod seiner Frau, die dabei eine große Rolle gespielt hatte, verkraftet hat. Auf das „Warum wir? Warum so früh?“ gebe es keine Antworten, sagte Henke. Er habe in der Zeit danach viel Nächstenliebe erfahren.

Schrumpfende Mitgliederzahlen

Um „Maria 2.0“, die Reformbewegung in der katholischen Kirche, ging es dann vor allem in der zweiten Gesprächsrunde, für die Moderatorin Christiane Frebel ihre ehemalige Mitschülerin und heutige Chefredakteurin des Liboriusverlages Andrea Groß-Schulte begrüßte. Auch sie ist auf ihrem Weg zum Glauben durch die Familie geprägt worden. Der Unzufriedenheit in und mit der Kirche räumt der Verlag bewusst Raum in den Veröffentlichungen ein, das gehöre dazu. Für sie selbst sei es wichtig, auch im Alltag klare Meinung zu zeigen und das aber auch in die Tat umzusetzen, christliche Nächstenliebe und Fürsorge auch zu leben. Für die Zukunft sieht Groß-Schulte weiter stark schrumpfende Mitgliederzahlen kommen – „es wird sehr schwierig“.

Wehmütiges Bücherei-Team

Diese Veränderungen hat bereits das Team der Gemeindebücherei erfahren, die jetzt aufgelöst wird. Zu wenige Besucher hatten zuletzt Interesse an dem Angebot gezeigt. Beim Flohmarkt am Samstag wechselten etliche Bücher gegen eine Spende die Besitzer. Ein kleiner Lichtblick für die drei engagierten Frauen, die sich jahrelang gekümmert hatten. Und die am Samstag ein wenig wehmütig waren.

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