Mit Kindern über den Tod sprechen

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Merle Vokkert und Gerald Becker. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Kaum einer beschäftigt sich gern mit dem Thema Tod. Der ist schließlich weit weg und verbreitet allein beim Gedanken daran eine schlechte Stimmung. So denken wahrscheinlich viele Menschen.

Insbesondere mit Kindern fällt das Reden über den Tod schwer. Antworten auf Fragen, wie: „Wo ist Oma jetzt?“ oder „Wie passt denn Opa in die kleine Schachtel?“ sind vielen Eltern ein Gräuel. Dabei haben viele Kinder eine recht genaue Vorstellung davon. Wie man mit Kindern über das Thema Tod reden kann, erarbeiteten die zehn Teilnehmer der Erwachsenenbildungsreihe „Wenn dein Kind dich morgen fragt“. Es war der letzt von insgesamt drei Abenden. Pfarrerin Merle Vokkert und Pastor Gerald Becker gestalteten den Abend unter dem Motto „Wo fängt der Himmel an –mit Kindern über den Tod sprechen“ im Wiblingwerder Gemeindehaus gemeinsam.

„Wir brauchen in erster Linie den Mut, unbefangen mit Kindern darüber zu reden. Es ist wichtig, immer wieder ins Gespräch zu kommen, ohne dass es akut ist, um unbelastet an das Thema heranzugehen“, erklärte Pfarrerin Merle Vokkert. Denn ist es erst einmal akut, stünden viele Erwachsene vor der Frage „Was sag ich meinem Kind?“. Vokkert beruhigt zunächst einmal: „Es müssen keine fertigen Antworten sein. Man kann durchaus auch zugeben, dass man nicht alles genau weiß.“ Oftmals werden Kinder in Trauerfällen ausgegrenzt, um sie nicht zu belasten. Die beiden Pfarrer halten dies für falsch. „Meist können wir selbst nicht damit umgehen und wollen unsere Kinder nicht unnötig belasten. Aber auch sie wollen verstehen, was mit Oma oder Opa passiert ist“, erklärt Becker. Kinder gingen dabei völlig unterschiedlich mit dem Thema um.

So sei es wichtig, dass Kind in den verschiedenen Entwicklungsstufen abzufangen. Kindergartenkinder beispielsweise wollen alles sinnlich wahrnehmen, alles verstehen und begreifen. Alles muss logisch sein. „Sie haben keine Relation zur Zeit und fangen daher mit der Endlichkeit des Begriffs Tod nichts an. Was aber da ist, ist das Gefühl der Verlassenheit“, versucht Becker zu erklären.

Im Vorschulalter seien Tod und Leben austauschbar. Die Kinder hätten keine richtige Vorstellung. „Sie denken, wer tot ist, der kann auch wieder lebendig werden.“ Gerade in diesem Alter sei es den Kindern schwer begreiflich zu machen, dass es nicht so ist. „Daher kommt es auch immer wieder vor, dass Kinder am Grab nicht weinen. Das ist also kein Hinweis auf mangelnde Liebe und strenge Disziplin, sondern einfach das fehlende Empfinden des Kindes, was in diesem Alter völlig normal ist“, erklärt Becker.

Im Grundschulalter dann versuchen die Kinder alles besser zu verstehen und zu begründen. Dann kommen Fragen wie: „Warum heißt Beerdigung nicht Behimmelung, wenn meine Oma jetzt im Himmel ist?“ Je älter die Kinder werden, desto ausgefeilter werden ihre Vorstellungen. „Die Vorstellungen verändern sich auch immer wieder, daher ist es wichtig immer wieder unbefangen über dieses Thema zu reden“, appellierte Vokkert. Auch Becker ist dieser Meinung: „Unsere Kinder brauchen Menschen, die ihnen Hoffnung geben, die ihnen im Ernstfall zur Seite stehen und die vor allem eine eigene Überzeugung haben und die nicht in Sprachlosigkeit versinken.“ ▪ lm

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