100 Kilo Raps für 35 Liter frisches Öl

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Zu den Besuchern des Mühlentages gehörten auch Annemarie und Ulrike Grote aus Hagen. Sie wollten eigentlich nur wandern und entdeckten dann die alte Mühle. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Am Pfingstmontag hat der „Tag der offenen Mühlen“ stattgefunden. Daher hatte auch die Brenscheider Ölmühle ihre Tore für Besucher geöffnet. Museumswartin Anna Rehnert erklärte: „Hier herrschte richtig viel Betrieb. Ich war ganz erstaunt über die vielen Besucher.“

Die Geschichte der Ölmühle begann im Jahr 1845, als der Müller Johann Diedrich von Hagen sie errichten ließ. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im Nahmer Tal und auch auf den umliegenden Höhen viel Raps angebaut, der dann in der Mühle zu Öl verarbeitet wurde. Da es weit und breit keine andere Ölmühle gab, waren die Bauern darauf angewiesen, ihren Raps zur Brenscheider Ölmühle zu bringen und dort verarbeiten zu lassen.

Bis etwa zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Mühle in Betrieb, musste dann jedoch wegen Unrentabilität geschlossen werden. Denn zwischenzeitlich wurden in der näheren Umgebung neue und modernere Ölmühlen errichtet, deren Konkurrenzdruck die kleine Mühle im Nahmer Tal nicht gewachsen war. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieges wurde sie jedoch noch einmal für wenige Jahre in Betrieb genommen, um dazu beizutragen, die Menschen mit Rapsöl zu versorgen. 1923 wurde sie jedoch endgültig geschlossen. Mitte der 50er Jahre übernahm der damalige Kreis Altena die Ölmühle, ließ sie restaurieren und erklärte sie zum technischen Kulturdenkmal.

Zahlreiche Besucher hatten am Montag Gelegenheit, sich über den Betrieb der kleinen Ölmühle informieren zu lassen. Das Objekt verfügt über einen sogenannten oberschlächtigen Antrieb. Das bedeutet, dass das Wasser von oben auf das Mühlrad strömt. Der Antriebswelle sind nun mehrere Zahnräder angeschlossen, die zum einen die Presse und zum zweiten den so genannten Kollergang antreiben. Dort begann auch die Verarbeitung des Rapses. Der Kollergang ist ein Mahlwerk, welches aus einer überdimensionalen „Schüssel“ besteht. In ihr rotieren zwei aufrecht stehende Mahlsteine, die den Raps zermahlten. Die zermahlenen Ölfrüchte wurden dann entnommen, kurz erwärmt und in Leinenbeutel gefüllt. Die wiederum wurden in die Presse gelegt. Dabei handelt es sich um zwei grobe Holzklötze, die sich abwechselnd nach unten bewegen und dann jeweils mit ihrem zentnerschweren Gewicht auf die Leinensäcke treffen. So wurde dann das Öl aus den Früchten gepresst. Aufgefangen wurde das frisch gepresste Öl in einer unterhalb der Presse angebrachten Wanne. Dort konnte es dann entnommen und abgefüllt werden.

Den in den Leinensäcken verbliebenen „Rapskuchen“ trocknete man und verfütterte ihn anschließend an das Vieh. Die Arbeit eines Müllers war schwer. Um rund 35 Liter Öl zu erhalten, mussten zwei Zentner Raps verarbeitet werden.

Zu den Besuchern gehörten auch Annemarie und Ulrike Grote aus Hagen. Sie wollten eigentlich im Nahmer Tal nur wandern, stießen dann aber auf die Ölmühle. Sie interessierten sich sofort für das Objekt und besichtigten es ausgiebig. „Man kann sich heute kaum noch vorstellen“, so Annemarie Grote, „mit wie wenig Wasser eine solche Mühle betrieben werden kann.“ Die Kraft des Wassers beeindruckte auch Ulrike Grote. „Und wenn ich mir die Geräte hier so anschaue, glaube ich schon, dass da eine Menge Knochenarbeit nötig war.“ Müller von Hagen hätte ihr da wahrscheinlich Recht gegeben. ▪ hb

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