Keiner geht ohne einen Schulabschluss

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27 Jugendliche hatten am Freitag ihren letzten Schultag an der Albert-Schweitzer-Hauptschule. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ 27 Schüler haben in der Albert-Schweitzer-Hauptschule am frühen Freitagabend ihre Abschlusszeugnisse erhalten. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen hat die Fachoberschulreife erlangt, zwölf gingen mit dem Hauptschulabschluss nach Klasse 10, einer mit dem Abschluss nach Klasse 9.

Schulleiter Rüdiger Grote bereitete die scheidenden Jugendlichen in seiner Rede auf das vor, was sie nach dem Weggang von der Hauptschule erwartet. „Ihr werdet eine andere Welt vorfinden als hier in unserer beschaulichen Hauptschule“, sagte er, war aber gleichzeitig zuversichtlich, dass die Schule die jungen Leute mit dem erforderlichen Rüstzeug ausgestattet habe. Dass alle einen Abschluss erreicht hätten, führte er auf das „kleine System“ an der Albert-Schweitzer-Hauptschule zurück, aber auch auf die Bereitschaft der Lehrer, die nach Grotes Auffassung mehr als nur ihren Job gemacht haben. Er ermutigte die Jugendlichen, ihre neue Freiheit sinnvoll zu nutzen, um die bevorstehenden Herausforderungen zu meistern. Dennoch fand der Schulleiter auch Anlass zur Kritik: Durch unnötig versäumte Schulstunden hätten einige Schüler einen besseren Schulabschluss leichtfertig verschenkt, bemängelte er.

Auch Nachrodt-Wiblingwerdes stellvertretender Bürgermeister Michael Schlieck fand, dass jeder der entlassenen Hauptschüler die Chance habe, etwas aus seinem Leben zu machen. Er forderte sie auch auf, sich einzumischen, die Gesellschaft mitzuformen, und nicht zuhause sitzen zu bleiben. Was die Zukunft der Hauptschule angeht, war Schlieck weniger optimistisch. Der Gemeinde liege die Schule zwar sehr am Herzen, doch sehr wahrscheinlich habe diese Schulform keinen Bestand. Ob das der politisch richtige Weg ist und wie es weitergeht – Schlieck ließ diese Fragen unbeantwortet.

Bevor die jungen Leute ihre Abschlusszeugnisse entgegennehmen konnten, sorgten sie selbst mit einem kleinen Programm noch für etwas Unterhaltung. Spaß bereitete vor allem die Suche nach dem ASH-Superstar. Da mussten Lehrer beispielsweise mit verbundenen Augen zeichnen, ein „Netzwerk“ entwirrren, eine Hundedressur vorführen oder einen Holzbalken durchsägen. Eine Jury sorgte mit freiwillig und manchmal auch unfreiwillig witzigen Kommentaren für Heiterkeit. Dass am Ende – und nach einer nur scheinbaren Befragung des Publikums – der Klassenlehrer des zehnten Schuljahrs, Wolfgang Albrecht, der Superstar war, konnte kaum überraschen. Die Schüler schienen ihn wirklich ins Herz geschlossen zu haben, was auch umgekehrt Gültigkeit haben dürfte. Während sich Albrecht über einen Segelfluggutschein als Abschiedsgeschenk freuen durfte, bekannte er, die sechs Jahre mit dieser Klasse seien ihm nicht sonderlich schwer gefallen. „Diese Klasse hat es mir leicht gemacht“, sagte er. Es dürfte übrigens seine letzte Klasse gewesen sein. Im nächsten Schuljahr genießt Albrecht ein „Freispiel“ ohne feste Klasse und dann winkt schon allmählich sein Ruhestand. ▪ vg

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