Schulausschuss will an der Hauptschule festhalten

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Schulrat Winfried Becker stieß mit seinen Ideen zur Zukunft der Albert-Schweitzer-Hauptschule am Dienstagabend insbesondere bei den Eltern auf wenig Verständnis.

Nachrodt-Wiblingwerde - Schulrat Winfried Becker redete mit Engelszungen, doch so richtig konnte er den Schulausschuss am Dienstagabend nicht überzeugen – von den Eltern im Zuhörerraum gar nicht zu reden. Seine Idee, die letzten beiden verbliebenen Jahrgänge der Albert-Schweitzer-Hauptschule ab dem Schuljahr 2015/16 mit denen der Altenaer Hauptschule zusammenzuführen, fand keine Zustimmung.

Der für die Hauptschulen im Kreis zuständige Schulaufsichtsbeamte hatte den Zusammenschluss empfohlen, „um den Hauptschülern einen qualifizierten Abschluss zu ermöglichen“, wie er mehrfach betonte. In einer kleinen Einheit, wie sie ab 2015 an der Nachrodter Hauptschule verbleibe, sei das kaum machbar. Differenzierungen und Förderunterricht seien wegen der geringen Schülerzahl nicht mehr möglich. „Dadurch können die Interessen und Begabungen der Schüler nicht mehr berücksichtigt werden“, erklärte er, was das zu bedeuten hätte. Außerdem stünden den Hauptschülern kaum noch Lehrer zur Verfügung. Nur noch vier sollen es im Schuljahr 2015/16 sein, gar nur noch 1,5 Lehrerstellen im Schuljahr 2016/17, an dessen Ende an der Hauptschule definitiv die Lichter ausgehen sollen. Deshalb seien für bis zu zehn Fächer Abordnungen von anderen Hauptschulen notwendig – Becker sieht darin einen enormen organisatorischen Aufwand. Zwar sei grundsätzlich auch eine Kooperation mit der Sekundarschule denkbar, aber darin sieht deren Leiterin Anne Rohde Probleme: Ihre Lehrer seien kaum dafür ausgebildet, Hauptschüler zum Abschluss zu führen.

Doch daran wird nach Ansicht von Schulrat Becker kaum ein Weg vorbeiführen. „Wenn die Albert-Schweitzer-Hauptschule hier am Ort zu Ende geführt werden sollen, muss es eine Kooperation geben und es werden zusätzlich Abordnungen von anderen Schulen notwendig“, sagte er klipp und klar. Die am Dienstagabend anwesenden Eltern schien das wenig zu schrecken, sie sprachen sich deutlich gegen eine vorzeitige Auflösung der Schule aus. Das hatte in der vergangenen Woche auch bereits die Schulkonferenz der Albert-Schweitzer-Hauptschule getan. Die Schule solle mit den verbleibenden Klassen am Standort Holensiepen weitergeführt werden, hatte das Gremium aus Eltern, Schülern und Lehrern der Politikern empfohlen.

Und die Politiker taten sich am Dienstag schwer mit einer Entscheidung. Einerseits konnten sie die Argumente des Schulaufsichtsbeamten nachvollziehen, andererseits wollten sie die Meinung der Schulkonferenz respektieren. Schulausschussvorsitzende Susanne Jakoby (SPD) griff sogar zu der ungewöhnlichen Maßnahme, anwesende Eltern in der Sitzung noch einmal zu Wort kommen zu lassen. Als die sich dafür ausgesprochen hatten, die Schule weiterzuführen, bis auch der letzte Hauptschüler seinen Abschluss in der Tasche hat, fand auch der Ausschuss zu einer einstimmigen Entscheidung: Die Albert-Schweitzer-Hauptschule soll bis 2017 weitergeführt werden – auch unter den vom Schulrat geschilderten schwierigen Bedingungen. „Das wird eine zweijährige Herausforderung – aber es kann auch gutgehen“, hatte die Ausschussvorsitzende Jakoby dabei offensichtlich ein mulmiges Gefühl. Das letzte Wort hat in dieser Angelegenheit ohnehin der Gemeinderat, der am Montag, 17. März, ab 17 Uhr in der Rastatt zusammentritt. - Volker Griese

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